Berlin

Sven Ulreich jetzt auch beim DFB Neuer-Ersatz

Ohne Dauer-Chefcoach Löw trifft sich das Nationalteam am Sonntag zur Vorbereitung auf die letzten beiden Länderspiele der Saison. Ersatz-Bundestrainer Sorg ist als Chef gefordert. Eine spezielle Situation: Torwart Ulreich ist nun auch beim DFB Backup für Neuer.
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Sven Ulreich
Große Ehre für Sven Ulreich: Bayerns zweiter Keeper wurde für die EM-Qualifikationsspiele nominiert. Foto: Christian Charisius

Schon vor seinem Debüt als Bundestrainer verteilte Marcus Sorg die erste Belohnung.

Wenn sich am Sonntagabend im niederländischen Venlo die Fußball-Nationalmannschaft für die letzte Saisonaufgabe trifft, ist ein Profi erstmals dabei, der seit Jahren als treuer und verlässlicher Ersatzmann von Manuel Neuer die Sympathien der Fans über den FC Bayern hinaus einsammelt. Sven Ulreich ist nun nicht nur bei den Münchnern, sondern auch im DFB-Team der Backup für die deutsche Nummer eins. «Sven hat sich diese Berufung verdient. Wenn er in dieser Saison gebraucht wurde, war er da und hat beim FC Bayern Top-Leistungen gezeigt. Das ist eine große Qualität», sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke.

Bundestrainer Joachim Löw hatte den 30 Jahre alte Ulreich schon seit längerer Zeit auf seiner Kandidatenliste. So wurde der im baden-württembergischen Schorndorf geborene Torhüter als Nachrücker für die WM 2018 gehandelt, als das Mitwirken von Neuer lange Zeit infrage stand. «Er ist in unserem Blickfeld», hatte Löw damals bestätigt. Ulreich sprach von einer «Ehre», in dem Kreis genannt zu werden. Nun ist der Bayern-Keeper dabei, während der langjährige Bundestrainer in einer Klinik wegen Durchblutungsstörungen behandelt wird und sein Amt für die zwei anstehenden EM-Qualifikationsspiele am 8. Juni in Weißrussland und am 11. Juni gegen Estland an seinen Assistenten Sorg abgeben muss.

Ulreich, der seit Sommer 2015 beim FC Bayern spielt, wurde nachnominiert. Bernd Leno vom FC Arsenal musste zuvor wegen einer Bänderverletzung am Daumen absagen. «Der Daumen wird mit einer Schiene ruhig gestellt, so dass wir bei den anstehenden Länderspielen auf ihn verzichten müssen», berichtete Köpke.

Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona ist wegen Kniebeschwerden beim Saisonabschluss des DFB-Teams ohnehin nicht dabei. Neben Neuer und Ulreich gehört noch der Frankfurter Kevin Trapp zum Torwartpool für den letzten Länderspiel-Doppelpack 2018/19. Ulreich hat in der abgelaufenen Spielzeit in München zwölf Bundesliga- und DFB-Pokalspiele bestritten, als Stammkeeper Neuer verletzt ausfiel. Und hatte damit einen wichtigen Anteil am Double-Gewinn des FC Bayern.

Für den 53-jährigen Sorg ist die Saisonabschluss-Mission eine ungewohnte Angelegenheit, auch wenn sich Löw aus dem Krankenstand per Handy in die Vorbereitung mit einbringen will. Sorg muss als Chef die 22 Stars moderieren und führen. Eine Aufgabe, die der Fußballlehrer eigentlich nicht anstrebt, obwohl er schon mit 33 Jahren seine Trainerlaufbahn gestartet hat.

Über die Stuttgarter Kickers, den TSF Ditzingen, den Heidenheimer SB und den SSV Ulm kam Sorg 2008 zum SC Freiburg, wo er 2011 als Bundesliga-Coach erstmals besonders ins Rampenlicht rückte - allerdings war wegen ausbleibender positiver Resultate nach einem halben Jahr schon wieder Schluss.

Sorg arbeitete dann gern wieder ohne den besonderen Druck der Öffentlichkeit, erst als U17-Trainer beim FC Bayern, ab 2013 als Nachwuchscoach beim Deutschen Fußball-Bund. Und auch als ihn Löw im März 2016 in seinen Stab holte, genoss der gelernte Diplom-Ingenieur für Grundlagen- und Bauphysik eher den Schatten des Bundestrainers.

Jetzt rückt Sorg für zehn Tage ins Interesse der ganzen Fußball-Nation. Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften, will den Chef auf Zeit auf allen Ebenen unterstützen: «Wir werden alles tun, um auch ohne Jogi die beiden Länderspiele erfolgreich zu bestreiten. Telefonisch aber sind wir ohnehin in Kontakt mit ihm. Ihm geht es ja wieder ganz gut. Seine schnelle und vollständige Genesung hat natürlich auch für uns höchste Priorität.»

Als zusätzlicher Coach wird nach dem Ausfall von Löw der 39-jährige Antonio di Salvo zum A-Team stoßen. Sorg und di Salvo hatten schon bei der U 19-Nationalmannschaft von 2013 bis 2016 als Trainer zusammengearbeitet und die EM 2014 gewonnen. Aktuell gehört di Salvo zum Trainerstab von U21-Chefcoach Stefan Kuntz. «Ich kenne Toni schon lange und bin ihm und vor allem auch Stefan Kuntz sehr dankbar, dass er uns in dieser Ausnahmephase zur Seite steht», bemerkte Sorg.

«So wie es für die Spieler ein Riesen-Motivationsschub bedeutet, in die Nationalmannschaft berufen zu werden, so bereichernd wird es auch für Toni als Trainer sein, in dieser Länderspielphase mit den besten Spielern unseres Landes zu arbeiten», sagte Bierhoff.