Oberstdorf

Eisenbichlers Flugshow dauert nur zwei Tage

In einer schwachen deutschen Mannschaft wird Markus Eisenbichler immer mehr zum Alleinunterhalter. Seine beeindruckende Flugshow kann er am Sonntag nicht wiederholen. Deutschlands Top-Trainer-Kandidat Horngacher feiert in Oberstdorf derweil Erfolge.
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Markus Eisenbichler
Mit Ausnahme von Markus Eisenbichler enttäuschten die DSV-Adler im Stillachtal. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Markus Eisenbichler hat seine beeindruckende Flugshow zum Abschluss der Flug-Wettbewerbe in Oberstdorf nicht fortsetzen können.

Nach zwei Podestplätzen kam der 27 Jahre alte Bayer nach Flügen auf 210,5 und 206,5 Meter auf Rang zehn und muss damit weiter auf seinen ersten Weltcup-Sieg warten. Große Enttäuschung herrschte bei Eisenbichler aber nicht.

«Ich bin richtig platt und ich bin froh, wenn ich daheim bin. Das war schon anstrengend. Aber es war nochmal ein geiler Tag», sagte der Bayer. Bundestrainer Werner Schuster fand nichtsdestotrotz klare Worte zu Eisenbichlers finalem Flug: «Der letzte Sprung war Abteilung Attacke sinnlos.»

Jubeln konnten an der tief eingeschneiten Skiflugschanze ausgerechnet die polnischen Schützlinge von Trainer Stefan Horngacher. Kamil Stoch feierte nach Flügen auf 214,5 und 227,5 Meter seinen ersten Erfolg in diesem Winter, seine Teamkollegen Dawid Kubacki (3.), Piotr Zyla (4.) und Jakub Wolny (6.) komplettierten ein starkes Team-Ergebnis auf der Flugschanze im Allgäu, auf der es am Sonntag immer stärker schneite.

Horngacher hatte nur zwei Tage nach dem angekündigten Ende von Trainer Schuster ungewöhnlich offen signalisiert, dass er sich einen Posten in Deutschland sehr gut vorstellen kann. «Mein Wunsch war immer, wieder zurückzukehren nach Deutschland zum Deutschen Skiverband, weil ich mich sehr wohlfühle da», sagte der 49-Jährige, dessen Vertrag als Nationalcoach der Polen am Saisonende ausläuft, der ARD. Horngacher, der ohnehin als heißester Trainerkandidat für die Nach-Schuster-Ära gilt, hat sich damit auch selbst nochmal in Stellung gebracht.

Der derzeitige Trainer Schuster hat in Eisenbichler gut zwei Wochen vor der WM nur einen Schützling in guter Form. Auf sagenhafte 237,5 Meter war «Eisei» am Samstag geflogen, den so sehr ersehnten ersten Sieg verpasste er nur um etwa 40 Zentimeter. «Sieg oder Sarg», hatte Eisenbichler martialisch sein Motto beschrieben, sein enormes Potenzial ruft er derzeit als einziger DSV-Adler immer wieder ab. Und auch bei den Fans kommt der lockere Bayer mit seinen flotten Sprüchen derzeit am besten an, wie die Siegerehrung am Samstag zeigte. «Ich bin stolz auf mich, dass ich die Fans so glücklich gemacht habe», sagte er.

Hinter Eisenbichler sah es vor allem am Sonntag düster aus. Stephan Leyhe belegte Rang 17, Martin Hamann (29.) und Karl Geiger (30.) schafften es in den zweiten Durchgang, den Olympiasieger Andreas Wellinger sogar verpasste. «Insgesamt haben wir uns ein bisschen schwer getan, aber es kommen noch ein paar große Schanzen», erklärte Leyhe, der auf den Sprungschanzen zuletzt beständigster Deutscher war. Richard Freitag hatte es am Sonntag nicht einmal in den Wettkampf der besten 40 geschafft. «Ich kann nur eins mitgeben, nämlich ruhig bleiben und auf die Stärken vertrauen», riet «Eisei» aus eigener Erfahrung. Schuster sagte zu Freitag: «Da ist der Körper angespannt, wie ein Stück Holz. Das ist fast schon gefährlich.»

Nur zwei Wochen vor der WM in Seefeld sind die Deutschen zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt in ein Formtief geraten. Eisenbichler,  Geiger, Leyhe, Wellinger und Freitag werden für die WM wohl gesetzt sein, die ständige Inkonstanz dürfte Bundestrainer Schuster unmittelbar vor seinem letzten großen Highlight nach elf Jahren beim DSV aber deutlich beunruhigen. «Das war natürlich nicht das, was wir uns erhofft haben», sagte er zur Gesamtbilanz seiner Schützlinge in Oberstdorf. Vor den Titelkämpfen in Tirol stehen für die Adler noch die Wettkämpfe im finnischen Lahti sowie der Heim-Weltcup in Willingen auf dem Programm.