München

Rummenigge und Real nicht mehr gegen Club-WM

Wie denn nun? Nur einen Tag nach einer klaren Boykott-Aussage der European Club Association kommen von zwei Top-Vereinen doch positive Signale Richtung neuer Club-WM. Neben Real Madrid hat auch der FC Bayern Interesse an einer Einigung mit der FIFA.
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Karl-Heinz Rummenigge
Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München. Foto: Lino Mirgeler

Karl-Heinz Rummenigge hält nichts von einem Boykott und würde mit dem FC Bayern München offenbar doch gerne an der neuen Club-WM teilnehmen.

Nur einen Tag nach der Entscheidung des FIFA-Councils zur Reform des Wettbewerbs und dem daraufhin angekündigten Widerstand der großen europäischen Vereine forderte Bayerns Vorstandschef Gespräche des Weltverbandes mit Vertretern der Vereine, Ligen und Profis, um eine Einigung zu erzielen.

«Die bisherige Club-WM jedes Jahr im Dezember ist ein Nonsens-Wettbewerb. Ich verstehe die FIFA, dass dieser Wettbewerb jetzt reformiert werden soll», sagte Rummenigge der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Zuvor hatte die französische Zeitung «L'Équipe» berichtet, dass auch Real Madrid sich für eine Teilnahme ausgesprochen habe und dem Wettbewerb im Sommer 2021 «mit Vorfreude» entgegensehe.

Noch am Freitag hatte die Europäische Club-Vereinigung ECA betont, dass keiner der von ihr vertretenen 232 Vereine an dem geplanten Turnier mit 24 Teams aus aller Welt teilnehmen werde. Ein Protestschreiben, das auch an FIFA-Chef Gianni Infantino ging, hatten die ECA-Vorstandsmitglieder unterzeichnet, darunter auch Michael Gerlinger als Vertreter des FC Bayern München und Real-Vizepräsident Pedro López Jiménez.

Rummenigge kritisierte Infantino für eine aus seiner Sicht schlechte Kommunikationspolitik mit der ECA, deren Ehrenvorsitzender er ist. «Das führt dann schon mal zu einer Abwehrhaltung in der Öffentlichkeit. Ich bedaure das, und es gefällt mir nicht, dass zwischen FIFA, UEFA und der ECA in dieser Sache kein positiver Diskussionsfaden besteht. Das gilt es zu korrigieren», forderte Rummenigge.

Der Bayern-Boss eröffnete auch gleich den Poker um die Verteilung der zu erwartenden Millioneneinnahmen. «Solidaritätszahlungen sind unabdingbar und wichtig. Ich habe aber gehört, dass diese vorgesehenen Zuwendungen an die Nationalverbände gehen sollen. Das halte ich nicht für gegeben. Die Solidaritätszahlungen müssen an die Ligen und deren Vereine ausgeschüttet werden, das liegt doch auf der Hand. Schließlich ist es ein Wettbewerb, der von Vereinen gespielt wird», sagte Rummenigge.

Gegen die Stimmen der sieben europäischen Vertreter um DFB-Chef Reinhard Grindel hatte Infantino am Freitag das neue Format der Club-WM im Council des Weltverbands durchgedrückt. «Wir hoffen, dass alle großen Teams teilnehmen. Wir hatten positive und konstruktive Diskussionen und setzen diese fort», sagte Infantino. Die Club-WM soll vom 17. Juni bis 4. Juli 2021 stattfinden und den bislang als WM-Test stattfindenden Confederations Cup ersetzen. Europa bekam acht Starter zugesprochen, ohne Topteams wie Real, Manchester City oder Juventus Turin wäre das Turnier sinnlos. Stand heute hätte aus der Bundesliga nur der FC Bayern Aussichten auf eine Teilnahme.

Ursprünglich wollte die FIFA sogar zwölf europäische Teams dabei haben. Nach Protesten aus der Europäischen Fußball-Union UEFA, die die Club-WM als Konkurrenz zur Champions League sieht, wurde diese Zahl reduziert.