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Flicks Vorstellungskraft: Kein Zurück als Bayern-Assistent

Hansi Flick will seine vorerst befristete Chef-Rolle beim FC Bayern auskosten - und mit Erfolgen krönen. Im Trainingslager in Katar wollen die Münchner dafür Vollgas geben. Wie stünde Flick zu einer Versetzung in seinen alten Job?
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Hansi Flick
Ist beim FC Bayern München zum Cheftrainer aufgestiegen: Hansi Flick. Foto: Uwe Anspach/dpa

München (dpa) - Ein tiefenentspannter Hans Flick hat Lust auf mehr. Eine Rückversetzung in die Assistenten-Rolle im Sommer kann er sich beim FC Bayern derzeit nicht mehr vorstellen. Nach seiner Beförderung reizt ihn vielmehr der Chef-Posten in München auch über die aktuelle Frist hinaus.

«Ich spüre das absolute Vertrauen. Es spricht ja nichts dagegen, dass man weitermacht, wenn es erfolgreich verläuft», sagte Flick dem «Kicker» in einem Interview. «Gehen wir einfach mal davon aus, dass die Spiele und Ergebnisse weiterhin passen; und wenn nicht, hat der Verein ausreichend Zeit, sich nach einem anderen Trainer umzuschauen.»

Flick war zwei Tage vor Weihnachten «mindestens» bis zum Saisonende von der Interims- zur Cheflösung aufgestiegen. «Ein Verbleib von Hansi Flick als Cheftrainer darüber hinaus ist für den FC Bayern ausdrücklich eine gut vorstellbare Option», teilte der Verein nach einem finalen Gespräch des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Flick mit.

Flick will seine Chance als Entscheider nutzen. Der frühere Assistent von Niko Kovac möchte jedenfalls nach dem Ende seiner erstmal bis zum 30. Juni vereinbarten Cheftätigkeit in München nicht wieder ins zweite Glied versetzt werden. «Ich kann mir vieles vorstellen, aber das kann ich mir im Moment nicht vorstellen», sagte Flick.

Muss er im Moment auch nicht. Die Frage ist dennoch: Wieviel Vorstellungskraft wird der 54-Jährige mit Beginn des Trainingslagers in Katar am 4. Januar und in den darauf folgenden Wochen entwickeln müssen? Flick will mit dem FC Bayern «so viele Siege und Titel wie möglich» holen. Erfolge und attraktiver Fußball sind seine Trümpfe für eine Weiterbeschäftigung als Chef.

Sollten sich die Bayern-Bosse allerdings eine externe Lösung wünschen, dürfte für Flick das «Wer» bedeutend sein. Könnte für den früheren Löw-Einflüsterer ein Topmann wie Thomas Tuchel von Paris Saint-Germain ein Vorgesetzter sein, mit dem er zusammenarbeiten könnte? «Ich bin völlig unabhängig und kann das Ganze etwas gelassener sehen. Deswegen geht es mir dabei so gut. Ich weiß, was für mich im Leben wichtig ist», sagte Flick tiefenentspannt zur Frage, was sein Aufstieg zum Cheftrainer bedeute. «Wir haben ein wirklich gutes Miteinander gefunden. Bayern München ist ein Verein mit viel Power, deshalb gefällt mir diese Aufgabe sehr gut.»

Vollgas verspricht Flick für die Rückrunde, in der der Tabellendritte den auf vier Punkte abgesetzten Spitzenreiter RB Leipzig abfangen will. «Es wird ein intensives, ein hartes Trainingslager. Wir werden einiges tun, wir brauchen von Anfang an die optimale Fitness für die drei Wettbewerbe», verkündete Flick, der Julian Nagelsmanns Team als härtesten Meisterschaftskontrahenten betrachtet: «Leipzig hat von allen Konkurrenten das größte Potenzial und die meisten Optionen.»

Flick will mit dem FC Bayern 2020 auf dem Rasen flexibler agieren. Bei der Comeback-Frage des französischen Weltmeisters Lucas Hernández möchten die Münchner geduldig sein. «Wir haben da eine Fürsorgepflicht und überstürzen nichts, weil es seine zweite schwere Verletzung binnen kurzer Zeit ist», erläuterte Flick. Zum Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga wird der Abwehrspieler nach einer Fuß-Operation noch nicht wieder einsatzfähig sein. Der 23-Jährige hofft nach eigenen Angaben aber Ende Januar wieder richtig mit der Mannschaft trainieren zu können.

Fragen zum Personal nimmt Flick gelassen. Und auch eventuell nervende Fragen zu seiner weiteren Zukunft sollen ihn im Laufe der Rückrunde nicht aus der Ruhe bringen. «Diese Situation wird mit Sicherheit kommen, wenn wir einmal nicht gewinnen. Das passiert. So war es zuletzt auch schon», meinte er. «Ich habe damit kein Problem.»