Kommt er oder kommt er nicht? So lautet die große Frage auf Schalke und sie dreht sich natürlich um Ralf Rangnick. Bleibt er oder muss er gehen? Das ist derzeit die Frage aller Fragen in Mönchengladbach.

Im Mittelpunkt steht dabei Marco Rose. Die beiden West-Clubs treffen am Samstag (18.30 Uhr/Sky) als schwächste Bundesliga-Teams der vergangenen sieben Spieltage aufeinander, doch das Sportliche wird bei beiden derzeit von emotional geführten Personaldebatten überlagert.

In Gladbach geht es nach sieben Pflichtspielniederlagen um die Zukunft von Trainer Rose, der sich eine Pleite gegen das abgeschlagene Schlusslicht und die Einstellung des Vereinsnegativrekords wohl nicht auch noch erlauben kann. Sein Kollege Dimitrios Grammozis, als fünfter Trainer dieser Saison erst vor zwei Wochen geholt, musste derweil schnell erfahren, wie einen die Hektik auf Schalke einholen kann. Als Hoffnungsträger für die kommende Zweitliga-Saison geholt, bekam er schnell breite Zustimmung. In der Diskussion um Rangnick scheint der mit einem Punkt und keinem Tor aus zwei Spielen gestartete Coach derweil nur noch eine Variable zu sein.

Rangnick soll als Sportvorstand geholt werden, so viel ist klar. Ob der auch als Bundestrainer Gehandelte, der gerne alle Fäden in der Hand hält, überdies auch Trainer werden will und ob er im anderen Fall Grammozis vertrauen würde, erscheint offen. So oder so wird Rangnick alle Entscheidungsmacht fordern - und bekommen. Grammozis wollte das Thema «nicht kommentieren.»

So oder so ist Rangnick in Gelsenkirchen schon seit Tagen omnipräsent. Weil er polarisiert. Wobei die Befürworter klar in der Überzahl scheinen, eine Fan-Petition hat schon über 50 000 Unterstützer. Dass der 62-Jährige von einer 14-köpfigen externen Gruppe installiert werden soll, führte auf Schalke - ohnehin ein Jahrmarkt der Eitelkeiten - zu heftigem Kompetenzgerangel.

Die Gruppe und der Aufsichtsrat einigten sich zumindest darauf, Rangnick holen zu wollen. Und sehen sich dabei auch in einer guten Position. Man habe ein konstruktives Gespräch über ein mögliches Engagement von Rangnick beim FC Schalke 04 geführt. «Dieses Gespräch war offen und vertrauensvoll», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Aufsichtsratschef Jens Buchta und Peter Lange aus Rangnicks Management. Man habe «die Rahmenbedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit ausführlich erörtert. Anschließend haben wir vereinbart, die Gespräche fortzusetzen.»

Auch in Gladbach wurde in den vergangenen Wochen viel geredet, doch die Krise spitzte sich nach der Verkündung des Wechsels von Rose zu Borussia Dortmund im Sommer mehr und mehr zu. Rose selbst gibt sich zumindest nach außen weiter unbeirrt. «Das ist keine neue Situation für mich», sagte er: «Ich habe mit Lok Leipzig unter nicht ganz einfachen Bedingungen ein Jahr in der vierten Liga gegen den Abstieg gespielt. Das war auch ein Traditionsverein mit vielen Fans.»

Natürlich sei die aktuelle Situation «nicht angenehm. Niederlagen fühlen sich nie gut an», sagte der 44-Jährige. «Aber spätestens am dritten Tag danach, eigentlich schon am zweiten, ist wieder das Gefühl da, dass wir es angehen wollen, das Ding wieder zu drehen. Jedes Spiel ist eine Chance, das Karussell zu stoppen. Es ist wichtig, dass ich als Trainer vorneweg gehe und das Drumherum ausblende. Und ich glaube, dass ich dieser Aufgabe ganz gut gerecht werde.»

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