Im Hauskrach beim Deutschen Olympischen Sportbund soll nun die unabhängige Ethik-Kommission die schweren Vorwürfe gegen DOSB-Präsident Alfons Hörmann aufklären.

Präsidium und Vorstand des Dachverbandes baten das Gremium unter dem Vorsitz des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maiziere um eine Bewertung der Anschuldigungen, «um darauf aufbauend die notwendigen Konsequenzen ziehen zu können». Ausgelöst hatte den Wirbel um Hörmann ein anonymes Schreiben im Namen von DOSB-Mitarbeitern, in dem der Führungsstil und das Verhalten des Verbandschefs heftig kritisiert werden.

Bereits am Freitag hatten Präsidium und Vorstand dem 60-Jährigen das Vertrauen ausgesprochen. Aus einigen Landesverbänden gab es aber auch kritische Stimmen. So hatte Stefan Klett, Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, sogar einen Rücktritt Hörmanns gefordert. Hessens LSB-Chef Rolf Müller sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Bei aller Zurückhaltung angesichts des anonymen Briefes muss man die Frage stellen, ob die Persönlichkeitsstruktur der Führung geeignet ist, Menschen respektvoll zu führen.»

Hörmann äußerte sich bei den Beratungen am Samstag dem Vernehmen nach nicht weiter zu den Vorwürfen. Nach Angaben des NRW-Sportbundes haben «schon vor Wochen Mitarbeitende des DOSB uns gegenüber über Vorgänge berichtet, die sich vollständig und teilweise wortgleich» mit dem Inhalt des anonymen Schreibens an die DOSB-Spitze decken sollen, wie es in einem «Sportschau»-Bericht heißt.

Die Verfasser sprechen in ihrem Brief von einer «Kultur der Angst» im Verband und beklagen das angebliche Fehlen von Respekt und Fair Play in den Führungsgremien. DOSB-Vizepräsident Andreas Silbersack stellte sich indes hinter den Verbandschef. «Alfons Hörmann hat meine Rückendeckung. Aber man sollte den Brief sehr ernst nehmen. Es geht darum, die Dinge, die im Raum stehen, zu prüfen, zu klären. Man muss miteinander reden - mit den Mitarbeitern, damit sie sich in dem Prozess zu einhundert Prozent wiederfinden», sagte der 53 Jahre alte Hallenser der «Mitteldeutschen Zeitung».

Die DOSB-Führung sicherte zu, dass sich der Verband «in diversen Formaten im offenen, engen Dialog mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mit den Vorwürfen auseinandersetzen und Ansatzpunkte für Veränderungen identifizieren und umsetzen» werde. Hinweise an die Ethik-Kommission oder über andere unabhängige und vertrauliche Beschwerdewege zur Aufklärung seien erwünscht. Die nächste Sitzung der Ethik-Kommission ist bislang für den 18. Juni angesetzt.

In der Mitteilung bekräftigten Präsidium und Vorstand des DOSB erneut «eine klar wertebasierte Führung des Verbandes» und «nochmals die Werte des Sports - Fair Play, Respekt und gegenseitige Wertschätzung - als Basis des gemeinsamen Handelns».

Dem offenen Brief zufolge haben sich ein Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DOSB vorher ausgetauscht, ehe das Schreiben verschickt wurde. Der Brief schließt mit den Worten: «Es braucht Veränderung! Vor allem aber braucht es eine neue Kultur innerhalb des DOSB. So kann es nicht weitergehen!»

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