Die kontroverse Mitgliederversammlung des FC Bayern München und der Streit um die Beziehungen zum nächsten WM-Gastgeber Katar beschäftigen Vorstandschef Oliver Kahn noch immer.

«Je mehr Zeit seitdem vergangen ist, desto mehr stört es mich, dass aus dem Abend in der Wahrnehmung eine Versammlung mit einem einzigen Tagesordnungspunkt geworden ist», sagte Kahn in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung».

Auf der Versammlung hatte es vor einem Monat Streit und am Ende Chaos gegeben. Ein Mitgliedsantrag, über die Partnerschaft mit der Fluglinie Qatar Airways für die Zukunft abstimmen zu wollen, wurde von der Vereinsführung nicht zugelassen. Kahn betonte mit Blick auf den bis 2023 laufenden Vertrag des deutschen Fußball-Rekordmeisters mit Qatar Airways: «Wir werden ihn erfüllen und in der Zwischenzeit genau beobachten, wie sich die Dinge entwickeln. Und dann werden wir entscheiden, wie es weitergeht.»

Selbstkritische Worte

Kahn räumte ein, er hätte das Thema vielleicht bereits in seiner Rede ansprechen sollen und nicht erst in der Diskussion danach: «Rückblickend wäre es sicher besser gewesen, die Veranstaltung weiterlaufen zu lassen, da sind wir uns einig. So, wie diese Versammlung gelaufen ist, kann keiner zufrieden sein.»

Im nächsten WM-Gastgeberland Katar sei sicher vieles nicht so, wie sich das die Menschen «nach unseren Maßstäben vorstellen, aber meine Überzeugung ist: Es kann auch keine Lösung sein, auszugrenzen oder einen Dialog nicht zu führen», betonte Kahn. Der 52-Jährige sagte, dass es natürlich immer auch um wirtschaftliche Interessen gehe, fragte aber auch, ob sich durch einen Boykott der WM in einem Jahr in Katar dort dann etwas zum Besseren entwickele.

Viele europäische Top-Clubs wie Paris Saint-Germain oder auch englische Vereine werden maßgeblich durch ausländische Sponsoren unterstützt, auch aus der Golf-Region. Zuletzt war der Premier-League-Club Newcastle United an ein Konsortium mit saudischer Beteiligung verkauft worden. Mit Blick auf die künftige internationale Wettbewerbsfähigkeit des FC Bayern bemerkte Kahn, viel werde von neuen Regeln für das Financial Fairplay abhängen.

Klare Grenzen für Investoren

Der FC Bayern wolle eine harte Grenze bei der Summe, die maximal von einem Club für Gehälter aufgewendet werden dürfe. Zusätzlich könne es eine relative Größe geben. Kahn nannte dabei 60 oder 70 Prozent der Einnahmen als Größenordnung, die maximal in Gehälter investiert werden dürften. Dabei dürfe die feste Obergrenze, die für alle gelte, nicht überschritten werden.

Zudem solle es auch für Investoren klare Grenzen geben, wie viel sie in einen Fußballclub hineingeben könnten und wie viel Verlust sie ausgleichen dürften. «Aber beide Punkte wären sinnlos ohne Punkt drei: Es muss Strafen geben, die wehtun und wirklich vollzogen werden, auch bei den großen Clubs. Wir wollen letztendlich nichts anderes als eine Kostenkontrolle im Fußball», sagte Kahn. Er ist auch stellvertretender Vorsitzender der europäischen Club-Vereinigung ECA.

Der FC Bayern sei wirtschaftlich zu einigem in der Lage, aktuell würden aber die pandemiebedingt erneut fehlenden Zuschauereinnahmen weh tun. Wie zuletzt Vereinspräsident Herbert Hainer signalisierte auch der Vorstandsvorsitzende kein Interesse an einer Verpflichtung des Dortmunder Topstürmers Erling Haaland. «Wir haben Robert Lewandowski», sagte Kahn. «Der wird auch noch ein paar Jahre lang 30, 40 Tore schießen.» Der 33 Jahre alte polnische Torjäger besitzt beim deutschen Rekordmeister noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023.

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