Gelsenkirchen

Mutige Personalie: Schneider wird Schalker Sportvorstand

Der FC Schalke ist bei der Suche nach einem Nachfolger für Christian Heidel schnell fündig geworden. Anders als erwartet macht in Jochen Schneider ein Überraschungskandidat das Rennen. Doch der Umbau beim Revierclub dürfte damit nicht abgeschlossen sein.
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Jochen Schneider
Jochen Schneider ist der neue Sportvorstand beim FC Schalke 04. Foto: Bernd Weissbrod

Nicht Klaus Allofs, nicht Michael Reschke - der kriselnde FC Schalke 04 hat die Fußball-Experten bei seiner Suche nach einem neuen Sportvorstand überrascht.

Anders als erwartet machte weder der ehemalige Bremer und Wolfsburger Manager Allofs noch das einstige Stuttgarter Vorstandsmitglied Reschke, sondern Jochen Schneider das Rennen. Bei seiner schnellen Suche nach einem Nachfolger für Christian Heidel entschied sich der Revierclub für den 48 Jahre alten Leipziger. Der bisherige Team-Koordinator des Ligakonkurrenten aus Sachsen soll am kommenden Dienstag offiziell vorgestellt werden und einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 erhalten.

«Wir haben für die Besetzung des Sportvorstands ein klares Profil formuliert: einen erfahrenen Fußballfachmann, der über ein erstklassiges Netzwerk im nationalen und internationalen Profifußball verfügt und in den letzten Jahren mit Erfolg moderne Konzepte verfolgt. Jochen Schneider erfüllt alle diese Anforderungen», kommentierte Schalkes Aufsichtsratvorsitzende Clemens Tönnies die ungewöhnliche Personalie.

Nur zwei Tage nach dem Rückzug von Heidel vermeldeten die Schalker Vollzug. Das werteten viele Beobachter als Indiz, dass sie nicht ganz unvorbereitet in die Suche gingen. Schneider arbeitete bei den Leipzigern vor allem im Hintergrund, öffentlich trat er praktisch nicht in Erscheinung. Er war im Oktober 2015 zu Red Bull gestoßen, arbeitete zunächst im Bereich Global Soccer bei dem Getränkeunternehmen aus Österreich. Er sollte als Koordinator Synergien zwischen Leipzig, Sao Paulo/Campinas und New York schaffen und die drei Fußball-Standorte vernetzen.

«Für mich ist es zum einen eine große Ehre, zum anderen eine Riesenherausforderung, das Ressort Sport beim FC Schalke 04 zu übernehmen. Schalke verfügt über eine ganz besondere Strahlkraft, die weit über das Ruhrgebiet und Deutschland hinausreicht», wird Schneider in einer Mitteilung des Bundesliga-14. zitiert.

Erste Erfahrungen sammelte Schneider von 1999 an beim VfB Stuttgart. Dort war der zu Beginn von Manager Rolf Rüssmann geförderte studierte Betriebswirt während der Ära von Trainer Felix Magath an der Kaderplanung beteiligt. Von 2006 an arbeitete er mit dem ehemaligen Schalker Sportvorstand Horst Heldt zusammen und feierte mit Trainer Armin Veh 2007 die deutsche Meisterschaft. 2015 verließ er die Schwaben freiwillig.

Mitte 2017 stieg Schneider in den Kreis der Sportlichen Leitung bei RB Leipzig um den aktuellen Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick auf. Dabei war er auch in Vertragsverhandlungen verantwortlich miteingebunden. Er sollte zudem die Internationalisierung von RB Leipzig vorantreiben.

Diese Vita bestärkte die Schalker Führung in ihrer Einschätzung, mit Schneider einen Fachmann gefunden zu haben, der den Revierclub mit kluger Kaderplanung und Transferpolitik wieder zurück nach Europa führen kann. An diesen Ansprüchen war sein Vorgänger Heidel gescheitert. Gut möglich, dass der Umbau auf Schalke damit noch nicht abgeschlossen ist. Dem Vernehmen nach soll Schneider noch einen Kaderplaner zu Seite gestellt bekommen. Als Favorit gilt der Leverkusener Jonas Boldt.

Die Leipziger lösten den Vertrag mit Schneider einvernehmlich auf. «Wir danken Jochen Schneider für die tolle und erfolgreiche Zusammenarbeit und wünschen ihm alles Gute!», hieß es in einer Mitteilung des Clubs.

Sportdirektor Armin Veh vom Zweitligisten 1. FC Köln lobte Schalke 04 für die Verpflichtung von Schneider. «Er ist für Schalke ein sehr guter Griff. Ich bin überzeugt davon, dass er es schafft - von seinem Charakter her, von seinem Können, von seiner Intelligenz», sagte Veh den Zeitungen der Funke Mediengruppe und ergänzte: «Es hat mich gewundert, dass er noch nirgendwo die Nummer eins geworden ist, wenn ich ehrlich bin.»

Veh und Schneider hatten früher beim VfB Stuttgart zusammengearbeitet und dort auch gemeinsam den Gewinn der deutschen Meisterschaft gefeiert. «Er hatte auch einen großen Anteil an unserer Meisterschaft 2007. Er war auch dabei nicht in vorderster Front, aber er hatte immer eine klare Meinung», sagte Veh.