Paris

«Heute liebe ich jeden»: Infantino als FIFA-Boss gekürt

Gianni Infantino gibt sich beim FIFA-Kongress als erfolgreicher Reformer. Per Applaus wird er im Präsidentenamt bestätigt. Die ganz große Euphorie kommt bei den Delegierten aber nicht auf. Infantino verspricht vor allem wieder Geld.
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FIFA-Chef
Zieht eine positive Bilanz seiner ersten Amstzeit: FIFA-Präsident Gianni Infantino . Alessandra Tarantino/AP Foto: Alessandra Tarantino

Gianni Infantino klopfte sich mit der rechten Hand auf sein Herz, musste kurz schlucken und gerührt seine Dankesrede unterbrechen.

Mit höflichem, aber keinesfalls euphorischen Applaus ist der Schweizer vom FIFA-Kongress in Paris per Akklamation für eine zweite Amtszeit bis 2023 wiedergewählt worden. Auch die Vertreter des Deutschen Fußball-Bunds klatschten brav mit, als Infantino zum stampfenden Beat des White-Stripes-Hit «Seven Nation Army» zurück auf die Bühne im schmucklosen Messegelände Expo Porte de Versailles der französischen Hauptstadt stolzierte.

«Danke an alle die mich lieben, und alle die mich hassen. Heute liebe ich jeden», sagte Infantino in seiner Rede und ging schnell zu dem Thema über, das einen der wichtigsten Gründe für seine unangefochtene Kür ohne Gegenkandidaten darstellt: Geld. 1,75 Milliarden US-Dollar sollen bis 2022 über das Forward-Programm an Mitgliedsverbände fließen, die FIFA hat vor allem durch die WM 2018 2,75 Milliarden an Rücklagen aufgebaut. «Es sind beeindruckende Zahlen, die die FIFA präsentiert hat. Die FIFA steht wirtschaftlich auf sehr gesunden Füßen», lobte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius. «Es war ein eindeutiges Votum. Er geht gestärkt aus dem Kongress hervor.»

In seiner Bewerbungsrede präsentierte sich Infantino selbst als erfolgreicher Reformer. «Die Organisation hat sich von einem toxischen, fast kriminellen Zustand gewandelt zu einem Zustand, wie er sein sollte», sagte der 49-Jährige. «Niemand spricht mehr von Skandalen, niemand spricht mehr von Korruption.» Für seine zweite Amtszeit will er besonders für mehr Chancengleichheit in internationalen Wettbewerben sorgen: «Ich will, dass es nicht nur zehn, sondern 50 Mannschaften gibt, die Weltmeister werden können», sagte Infantino bei der Pressekonferenz am frühen Nachmittag.

Bei seiner Wahl erhoben sich einige Delegierte vornehmlich aus Afrika, zu ganz großen Ovationen kam es jedoch nicht. Schon während seiner mehr als halbstündigen ersten Rede bekam Infantino nur zweimal merklichen Applaus. Insgesamt dauerte der Kongress nicht einmal drei Stunden.

Erstmals seit Vorgänger Joseph Blatter 2007 wurde ein FIFA-Chef wieder per Akklamation im Amt bestätigt. Die dafür nötige Statutenänderung hatten die Delegierten unmittelbar vor der Infantino-Kür bei nur drei Gegenstimmen gebilligt.

Offene Opposition will auch der Deutsche Fußball-Bund, der in Paris durch seine Interims-Spitze Reinhard Rauball und Rainer Koch sowie Curtius vertreten war, nicht üben. Erst am Vortag hatte sich der DFB auf eine Unterstützung von Infantino festgelegt. «Unser Weg ist, dass wir nicht zu allem ja sagen und alles abnicken. Wir wollen ein kritischer Begleiter sein», kündigte Koch an.

Vor seiner Wiederwahl hatte Infantino zwar Fehler eingeräumt, insgesamt aber ein überaus positives Fazit seiner ersten Amtszeit gezogen. «Die letzten drei Jahre und vier Monate waren sicherlich nicht perfekt, ich habe sicher Fehler gemacht. Ich habe versucht, mich zu verbessern, aber heute am Wahltag spricht keiner mehr über Krisen», sagte Infantino.

In seiner ersten Ägide hatten allerdings immer noch insgesamt vier Mitglieder des FIFA-Rats aufgrund von nachgewiesener Korruption oder Vorwürfen ihren Platz verloren oder waren zurückgetreten. Zuletzt schied DFB-Präsident Reinhard Grindel wegen moralischer Verfehlungen aus.

Infantino führt die FIFA seit 2016 als Nachfolger von Blatter an. Intern hat der ehemalige UEFA-Generalsekretär nach dem Rücktritt von Grindel keine Kontrahenten mehr. Externe Kritiker werfen ihm einen autokratischen Führungsstil und die Aufweichung der Demokratie-Reformen vor.

Infantino hob seinerseits besonders die positive finanzielle Entwicklung der FIFA unter seiner Führung hervor. «Transparenz der Geldflüsse. Das war die Essenz der Krise von der FIFA. Heute ist alles offen und transparent», sagte er. «Es ist nicht mehr möglich, bei der FIFA Zahlen zu verstecken oder etwas Unkorrektes zu machen. Wir wissen genau, woher jeder Dollar kommt und wohin jeder Dollar geht. Wir haben keinen Platz mehr für Korruption bei der FIFA. Null Toleranz», versprach Infantino.

In seiner ersten Amtszeit hatte der ehemalige Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union UEFA unter anderem erfolgreich für eine Ausweitung des WM-Teilnehmerfelds von 32 auf 48 Teams von 2026 an geworben. Mit seinen Plänen, bereits die umstrittene WM in Katar 2022 zu erweitern, scheiterte er allerdings. Nach seiner Wahl kündigte er weitere Reformen an den internationalen Wettbewerben an. «Wir glauben an die Globalisierung des Fußballs, der nicht mehr geteilt ist.»