Der Weltsport kommt zum Erliegen. Die Corona-Pandemie stoppt eine Liga nach der anderen - in den USA pausieren die NBA, MLS und NHL, in Deutschland seit Donnerstag die Bundesligen der Handballer und Basketballer.

Und die Europäische Fußball-Union lädt zu einer heiklen Krisensitzung am kommenden Dienstag: Die Verschiebung der EM 2020 ins kommende Jahre wird immer wahrscheinlicher, fast unumgänglich scheint die Aussetzung der Champions League und Europa League. Die Entwicklungen überschlagen sich.

Real Madrid stellte am Donnerstag seine Fußballer um Nationalspieler Toni Kroos und die Basketballer nach einem positiven Test unter Quarantäne. Der Formel-1-Auftakt steht vor der Absage, nachdem ein McLaren-Mitarbeiter positiv getestet wurde und der Rennstall für den Großen Preis von Australien zurückzog. Und das ist nur ein Auszug.

Fast stündlich vermelden weitere Sportarten Konsequenzen wegen der Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2. Die UEFA hält sich zwar trotz des immensen öffentlichen Drucks noch bedeckt und verweist auf die Videokonferenz der 55 Mitgliedsverbände am Dienstag. Dort soll Medienberichten zufolge über die EM abgestimmt werden - die Verschiebung in den Sommer 2021 würde den nationalen Ligen Zeit verschaffen. Auch die Zweifel an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wachsen wie die Zahlen der weltweit Infizierten.

Der Deutsche Fußball-Bund beschäftigt sich auch bereits mit einem Saisonabbruch, wie Generalsekretär Friedrich Curtius in einem Gastbeitrag für den «Kicker» schrieb. «Aktuell kann noch niemand die Folgen des Coronavirus für den Fußball in ihrem gesamten Ausmaß absehen. Wir müssen uns mit allen Szenarien beschäftigen, um vorbereitet zu sein, wenn der Fall eintreten sollte, dass der Spielbetrieb unterbrochen oder die Saison sogar vorzeitig beendet werden müsste.»

Über das Test-Länderspiel am 26. März in Spanien gegen Deutschland, für das Kroos durch die Quarantäne-Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen dürfte, will der spanische Verband als Gastgeber am Freitag beraten.

Die Hoheit über die Bundesliga, die ihren Spieltag erstmals komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolvieren wird, und der 2. Liga hat derweil die Deutsche Fußball Liga. Und die hielt sich in den vergangenen Tagen mit Äußerungen zurück, selbst als in Deutschland in Timo Hübers von Hannover 96 der erste Profi positiv getestet worden war. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert lobte stattdessen die Sky-Pläne, die Konferenz am Samstag ohne Bezahlschranke zu übertragen: «Auch wenn der Stadionbesuch nicht möglich ist, muss an den kommenden Spieltagen niemand auf Bundesliga und 2. Bundesliga als Live-Erlebnis verzichten.»

Woanders wurde konsequent gehandelt. Die beste und berühmteste Basketball-Liga der Welt, die NBA, stellte den Spielbetrieb vorerst ein, nachdem ein Spieler der Utah Jazz positiv getestet wurde. «Wenn das hier einfach explodiert, dann denkst du an deine Familie und möchtest sichergehen, dass du das Richtige tust», betonte Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks. Die Fußballliga MLS und die Eishockeyprofis der NHL zogen am Donnerstag nach.

Ein Weitermachen-wie-bisher gibt es fast nirgendwo mehr. Die für die kommende Woche geplanten Partien in der Champions League zwischen Manchester City und Real Madrid sowie zwischen Juventus Turin und Olympique Lyon wurden abgesagt. Italien gilt als das Epizentrum des Coronavirus auf dem Kontinent. Die spanische Liga setzt für zwei Wochen den Spielbetrieb aus. Frankreich spielt ohne Zuschauer, was Medienberichten zufolge auch in der englischen Premier League so kommen soll. Der südamerikanische Verband rief die FIFA zur Verschiebung der ersten WM-Qualifikationsspiele auf.

Und auch das angesetzt EM-Vorbereitungsturnier in Katar, das in der kommenden Länderspielpause durchgeführt werden sollte, ist abgesagt worden. Geplant war für Ende März ein Turnier mit Europameister Portugal sowie den weiteren EM-Startern Belgien, Kroatien und der Schweiz. Eine mögliche Absage der Euro in zwölf Ländern vom 12. Juni bis 12. Juli würde zumindest den nationalen Ligen mehr Spielraum geben, wenn sie wie nun wie in Italien oder Spanien pausieren.

Fast schon trotzig wirken in der globalen Lage mit 115 Ländern, in denen sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO das Sars-CoV-2 inzwischen ausgebreitet und fast 4300 Menschenleben gefordert hat, die Aussagen der Verantwortlichen für die Olympischen Spiele. Man treffe Vorbereitungen, die Spiele und die anschließenden Paralympics wie geplant auszurichten, sagte Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga am Donnerstag. «Ich kann nicht sagen, dass das keine Auswirkung haben wird. Aber ich glaube, dass eine Absage unmöglich ist», sagte Tokios Gouverneur Yuriko Koike.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde im antiken Olympia das Feuer für die Spiele entzündet. Nur 100 geladene Gäste bei der Show für Gleichgesinnte. Ursprünglich waren mehr als 700 Gäste erwartet worden. «Die Olympischen Spiele sind ein starkes Bild der weltweiten Einheit der Menschen», sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

Weltweit eint die Menschen derzeit aber vor allem die Sorge um die Corona-Pandemie - als solche hat die WHO die Ausbreitung mittlerweile eingestuft. Dass nun die USA auch noch ein Einreiseverbot für Europäer für 30 Tage erließen, dürfte für den Sport weitere Folgen haben. Seien es geplante Trainingscamps oder Wettbewerbe. Beispielsweise fällt das legendäre Masters in Augusta, das renommierteste Golf-Turnier der Welt, in den Zeitraum, es soll vom 9. bis 12. April stattfinden.

Wie geht es weiter? Weitere Abbrüche und Absagen sind wahrscheinlicher als ein halbwegs geregelter Ablauf. Die deutschen Basketballer und Handballer zogen nach langen Beratungen Konsequenzen, unterbrachen den Spielbetrieb zunächst aber nur. Zuvor hatte die Deutsche Eishockey Liga die Spielzeit vorzeitig und ohne Meisterkür gänzlich beendet.

Geisterspiele sind für diese Sportarten keine Alternative, weil die finanziellen Verluste zu groß sind. Im Fußball deutet sich aus anderen Gründen an, dass die Beteiligten Partien ohne Zuschauer auch als Option ablehnen könnten. Auf dem Rasen herrschte fürchterliche Tristesse, die Fans versammelten sich in großen Massen vor statt in den Stadien - was die Maßnahmen teilweise ad absurdum führte.