Der deutsche Fußball reagiert auf die sich wieder zuspitzende Corona-Lage.

Angesichts der anlaufenden dritten Welle, die laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch nicht durch Impfungen gestoppt werden könne, plant die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine Verschärfung des Hygienekonzepts. Zudem wollen einige Bundesligisten Spieler für anstehende Länderspielreisen ins Ausland nur zum Teil oder gar nicht abstellen. Dagegen steht das Vorhaben des Drittligisten FC Hansa Rostock, am Samstag das Duell gegen den Halleschen FC vor 777 Zuschauern auszutragen.

Nach dpa-Informationen will das DFL-Präsidium in der kommenden Woche tägliche Corona-Schnelltests bei den 36 Erst- und Zweitligisten ab dem 1. April beschließen. Ausgenommen von der neuen Regelung sollen nur die Tage sein, an denen es keine Kontakte innerhalb der Teams gibt. Die bisher vorgeschriebenen zwei PCR-Tests pro Woche werden weiterhin durchgeführt. Die DFL reagiert damit offenbar auf die sich häufenden Corona-Fälle im Profifußball, die zuletzt zu mehreren Spielausfällen in der 2. Bundesliga geführt hatten. Derzeit befinden sich die Spieler von Holstein Kiel und Hannover 96 in der Quarantäne, davor hatte es Jahn Regensburg erwischt.

«Ich finde das eine sehr, sehr sinnvolle Anpassung, um die Infektionsgefahr zu minimieren», sagte Werder Bremens Geschäftsführer Frank Baumann am Freitag. Für Trainer Robert Klauß vom 1. FC Nürnberg besteht angesichts einer steigenden Zahl von Corona-Infektionen und Teams in Quarantäne die Sorge einer Saisonunterbrechung. «Um das zu umgehen, versucht man alles Mögliche zu tun», sagte Klauß.

Die Clubs stehen derweil noch vor einem anderen Problem: Sollen sie ihre Nationalspieler zu den anstehenden Länderspielen reisen lassen oder nicht? «Es ist weiter so, dass man das mit einem kleinen Schuss Sorge betrachtet», sagte Trainer Sebastian Hoeneß von der TSG 1899 Hoffenheim. Im vergangenen Herbst hatte es nach Länderspielen in der Bundesliga zahlreiche Corona-Fälle gegeben. Eine Befreiung von der Abstellungspflicht gibt es aber nur, wenn den Spielern nach ihrer Rückkehr eine Quarantäne droht.

Die Bayern werden aktuell im Falle einer drohenden Corona-Quarantäne bei der Rückkehr nach München ihren Top-Torjäger Robert Lewandowski nicht für das WM-Qualifikationsspiel Polens in England abstellen. «Bei Robert ist es so: Wenn die Situation ist wie gerade, werden wir dem nicht zustimmen. Wenn die Regeln entsprechend etwas anderes hergeben, werden wir das aber unterstützen», sagte Bayern-Trainer Hansi Flick am Freitag. Polen spielt am 31. März in England. Drei Tage später muss der Tabellenführer aus München zum vielleicht titelentscheidenden Ligaduell beim Verfolger RB Leipzig antreten.

Bayerns Abwehrspieler Alaba wird definitiv nicht für Österreich in Schottland auflaufen, ebenso sein Augsburger Auswahlkollege Michael Gregoritsch. Dessen Vereinskollege Ruben Vargas wird dagegen mit der Schweiz reisen dürfen. Laszlo Benes muss die Partie der Slowaken in Zypern auslassen, nicht aber die beiden folgenden in der Slowakei.

Auch der SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach werden ihren Nationalspielern zumindest die Reise zu einem Teil der Länderspiele ermöglichen. «Wir lassen die Spieler zwei Spiele gehen», sagte Coach Christian Streich. Die mögliche Quarantäne für die Profis nach der Rückkehr ins Badische nehme der Club in Kauf. Gladbachs Sportchef Max Eberl sagte: «Es ist laut FIFA erlaubt, dass die Spieler nicht in Krisengebiete müssen. Zudem behalten wir uns vor, die Jungs sofort zurückzurufen, wenn sich vor Ort etwas ändern sollte.»

Derweil schauen viele nach Rostock, wo am Samstag der FC Hansa als erster deutscher Proficlub nach fast fünfmonatiger Pause wieder vor Fans spielt. Bei dem Pilotprojekt werden «auch Vertreter anderer Sport-Vereine und Veranstalter aus unserem Land sowie anderer Fußball-Clubs wie z.B. Union Berlin vor Ort sein, um sich ein Bild von der Umsetzung unseres Konzepts und unserer Maßnahmen zu machen und von unserem Testlauf profitieren zu können», teilte der Drittligist mit. Mit den Erkenntnissen aus den Abläufen wolle man auch den Weg dafür ebnen, dass für andere Vereine und Veranstalter schnellstmöglich eine Zuschauerrückkehr möglich werden kann.

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