Ein meisterlich gelaunter Hansi Flick schüttete sich ein Glas Mineralwasser ein, als er über den von ihm geschickt eröffneten Poker mit dem DFB um den Bundestrainer-Posten und eine Glückwunsch-Botschaft an Nachfolger Julian Nagelsmann berichtete.

Am Samstagabend aber möchte sich der 56-Jährige gerne ein Weißbier gönnen, wenn er sein Abschiedsgeschenk an den FC Bayern fix gemacht haben sollte. Die Feier des 31. Münchner Meistertitel soll auf keinen Fall ein weiteres Mal aufgeschoben werden. Flick will in der Allianz Arena im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Mönchengladbach den siebten und letzten Titel seiner kurzen Bayern-Ära bejubeln.

Nach zwei Wochen Durchschnaufen möchte er noch dreimal richtige «Begeisterung» seiner Mannschaft auf dem Platz sehen. «Wir haben noch drei Spiele zu spielen und können in jedem Spiel vorzeitig Meister werden, wenn wir gewinnen. Wir stellen uns aber nicht die Frage, wie viele Punkte wir noch brauchen, sondern wie viele noch zu holen sind - und die wollen wir holen.» Neun Zähler sind das Ziel!

Vielleicht ist der 31. Meistertitel - und der neunte am Stück - aber auch schon vor dem Anpfiff um 18.30 Uhr gegen die noch um einen Europapokalplatz kämpfenden Gladbacher fix. Nämlich dann, wenn Verfolger RB Leipzig zuvor in Dortmund verliert. «Das Spiel am Nachmittag interessiert mich nullkommanull», sagte Flick zu dieser Option: «Wir bereiten uns auf unser Spiel vor. Darauf liegt der Fokus.»

Am liebsten möchten es die Bayern ohne Dortmunder Schützenhilfe richten. «Wir haben uns in den zwei Wochen, in denen wir kein Spiel hatten, wieder den Hunger geholt. Wir wollen die Meisterschaft so zügig wie möglich klarmachen», sagte Thomas Müller, der ebenso wie David Alaba seinen zehnten Meistertitel bejubeln könnte: Ligarekord.

Eric Maxim Choupo-Moting wird wegen Rückenproblemen fehlen. Im Fokus steht aber ohnehin ein anderer Angreifer: Robert Lewandowski fehlen noch vier Treffer zum 40-Tore-Rekord von Gerd Müller. «Robert ist voll konzentriert und heiß auf den Rekord», berichtete Flick.

Nachdem der Trainer seinen eigentlich noch bis 2023 laufenden Vertrag in München mit den Bayern-Bossen doch recht geräuschlos vorzeitig auflösen konnte («Wir gehen im Guten auseinander»), rückt seine Zukunftsplanung automatisch in den Fokus. Und Flick erwies sich bei der Nachfrage nach dem Bundestrainer-Posten gleich mal als guter Pokerspieler. Er weiß schließlich, dass ihn seine Bayern-Erfolge in Europa zu einem der begehrtesten Trainer gemacht haben.

Der ehemalige Assistent des im Sommer abtretenden Joachim Löw (61) betonte, dass seine Rückkehr zum DFB keineswegs ein Automatismus sei. «Alle fokussieren sich auf den DFB», sagte Flick, der verriet: «Es gab schon Gespräche, auch mit Olli (Bierhoff), ohne Frage.» Flick fügte aber sofort hinzu: «Aber es gab durchaus auch andere Gespräche.» Mit wem, das verriet der schlaue Flick freilich nicht.

«Was die Zukunft betrifft, ist noch lange nichts entschieden», sagte er vielmehr. Aber klar ist, Löw-Nachfolger ist für ihn die logische Option. «Bundestrainer ist etwas Besonderes. Ich weiß, was mich da erwarten wird», sagte er. Die Führungsquerelen beim DFB schrecken ihn dabei nicht. «Zu meiner Zeit beim DFB war das eine oder andere auch nicht so ruhig, wie man sich das wünscht.» Direkt beim Nationalteam habe es stets «sehr viel Ruhe, sehr viel Loyalität und sehr viel Wertschätzung» gegeben: «Das sind die Dinge, die mir imponieren.»

Dass Leipzig-Coach Julian Nagelsmann seine Nachfolge beim FC Bayern antritt, begrüßt Flick. Er habe dem 33-Jährigen seine Gratulation übermittelt. «Ich habe ihm geschrieben: Glückwunsch, Du wirst sehr viel Spaß mit dieser Mannschaft haben», erzählte Flick. «Ich habe zu Julian eine sehr positive Meinung. Er ist ein sehr guter Trainer.»

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