Die faszinierende Flugschau des 34-Jährigen versetzte 5000 Aachener auf dem Katschhof der alten Kaiserstadt in Euphorie. Schließlich wurden sie Zeugen, wie der gefeierte Star des Abends den deutschen Rekord von Tim Lobinger vom 24. August 1997 um einen Zentimeter verbesserte.

«Die Atmosphäre ist einzigartig und das Publikum so nah dran wie sonst nirgendwo. Das pusht uns Springer», sagte der Athlet von der LAV Bayer Uerdingen/Dormagen. Und: «Das ist super gegangen», hielt er nach seinem Rekordflug fest.

Der Olympia-Zweite von London ist nach Lobinger und Danny Ecker, der seine sechs Meter in der Halle erzielte, der dritte Deutsche über diese Höhe. Dabei hatte es zu Beginn nicht den Anschein, als sollte die Sechs-Meter-Marke fallen. Denn Otto hatte anfangs seine Probleme, überquerte als einziger Starter die 5,71 Meter - allerdings erst im dritten Versuch.

Doch spätestens, als er den Meetingrekord von 5,91 Metern in Angriff nahm, trieben ihn die 5000 Fans nach oben. Beim ersten Anlauf fiel die Latte noch, dann klappte es. Und Otto legte nach, wollte endlich die sechs Meter attackieren, die für Stabhochspringer noch immer der große Traum ist.

Beim ersten Mal fiel die Latte, im zweiten Versuch katapultierte sich Otto, der im kommenden Jahr eine Pilotenausbildung beginnen will, in einen elitären Kreis. Otto ist der erst 18. Springer der Welt, der sechs Meter schaffte. Nach 2007 und 2009 gewann er das Domspringen zudem zum dritten Mal - die Fans waren fasziniert.

Karsten Dilla (ebenfalls Uerdingen/Dormagen) und Malte Mohr (Wattenscheid) belegten mit gehörigem Abstand und jeweils 5,56 Metern die Plätze zwei und drei. Der Olympia-Dritte Raphael Holzdeppe (Zweibrücken) musste seinen Start wegen einer Oberschenkelverletzung absagen.

Wenn die Saison für ihn endgültig vorbei ist, will sich Björn Otto für seine herausragenden Leistungen selbst belohnen und mit einem Freund zum Gleitschirmfliegen in die Alpen reisen. Die Höhen haben es ihm angetan. Schon in London, als ihm der Franzose Renaud Lavillenie mit 5,97 Metern Gold noch entriss, kündigte er noch für 2012 den «Sechser» an. In Aachen machte er sein Vorhaben wahr. Den Weltrekord hält seit nunmehr schon 18 Jahren Sergej Bubka. Die 6,14 Meter des legendären Ukrainers sind bis heute unerreicht.

Die Entwicklung des deutschen Stabhochsprungrekords:

Höhe Name Datum
5,02 m Manfred Preußger 21.06.1964
5,11 Wolfgang Reinhardt 04.07.1964
5,15 Manfred Preußger 27.08.1964
5,23 Wolfgang Nordwig 14.08.1966
5,31 Wolfgang Nordwig 03.07.1968
5,40 Nordwig / Schiprowski 16.10.1968
5,50 Wolfgang Nordwig 02.09.1972
5,51 Günter Lohre 05.09.1978
5,60 Günter Lohre 17.08.1979
5,65 Günter Lohre 25.07.1982
5,66 Jürgen Winkler 29.07.1983
5,68 Wladyslaw Kozakiewicz 17.06.1986
5,70 Wladyslaw Kozakiewicz 22.07.1986
5,80 Andrej Tiwontschik 29.07.1994
5,85 Andrej Tiwontschik 23.07.1995
5,86 Tim Lobinger 14.06.1996
5,92 Andrej Tiwontschik 02.08.1996
5,95 Andrej Tiwontschik 16.08.1996
5,96 Tim Lobinger 20.07.1997
6,00 Tim Lobinger 24.08.1997
6,01 Björn Otto 05.09.2012