Der Deutsche Fußball-Bund und Präsident Fritz Keller gehen nach der Steuerrazzia energisch in die Offensive - und kritisieren den medienwirksamen Auftritt der Behörden scharf.

«Der Reputationsschaden für die Betroffenen und den DFB, der sich aus der unangemessenen behördlichen Vorgehensweise ergeben hat, erschüttert mich persönlich sehr», sagte Keller nach einer außerordentlichen Präsidiumssitzung. Er sei «weiterhin von der Unschuld der Verantwortlichen des DFB überzeugt».

Auf Anordnung der Frankfurter Staatsanwaltschaft waren die Geschäftsräume des DFB sowie Privatwohnungen von mehreren Funktionären durchsucht worden. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen. Rund 200 Beamte waren im Einsatz. Im Kern geht es um die Besteuerung der Einnahmen aus der Bandenwerbung bei Heimspielen der Nationalmannschaft in den Jahren 2014 und 2015. Die Staatsanwaltschaft wirft sechs namentlich nicht genannten Verantwortlichen vor, diese bewusst falsch deklariert zu haben.

Damit sei der DFB einer Besteuerung in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro entgangen, hatte die Behörde mitgeteilt. In dieser Woche bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass der DFB die Millionensumme inzwischen nachgezahlt habe, dies aber keine Rolle bei den weiteren Ermittlungen spiele. Ein Betrug bleibe trotzdem ein Betrug, auch wenn der entstandene Schaden im Nachhinein beglichen wurde.

Der DFB sieht die Sache ganz anders: «Die Ergebnisse der bisherigen Überprüfungen widersprechen klar den erhobenen Vorwürfen. Dies ergibt sich bereits aus den Besteuerungs- und Betriebsprüfungsunterlagen. Die Staatsanwaltschaft hat es jedoch versäumt, diese Unterlagen im Vorfeld beizuziehen und auszuwerten», teilte der Verband mit.

Der DFB hob «eine Verständigung mit den Finanzbehörden» und die Nachzahlung der genannten Summe hervor. «Zudem hat der DFB ebenfalls im März 2019 der Staatsanwaltschaft Frankfurt unaufgefordert alle bekannten Unterlagen zu diesem Vorgang übergeben und umfassende Kooperation zugesichert», hieß es in der Erklärung. Man habe «offen und transparent» kommuniziert.

Bemerkenswert ist die Rolle Kellers, der nach der Razzia noch angekündigt hatte, die Ermittlungen «allumfänglich zu unterstützen». Er sei angetreten «auch für eine Öffnung und für eine vollkommene Transparenz, und eigentlich kann ich eine staatliche Unterstützung in den Untersuchungen nur begrüßen», hatte Keller weiter ausgeführt und zunächst betont, er müsse sich erst einmal einen Überblick verschaffen. Nun folgte die deutliche Kritik am Vorgehen der Behörde.

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