Nach der Last-Minute-Absage von NBA-Star Dennis Schröder beschwören die deutschen Basketballer vor dem olympischen Qualifikationsturnier in Split den Zusammenhalt.

«Wir müssen es als Kollektiv auffangen», sagte Maodo Lo vom deutschen Meister Alba Berlin. Auf den 28 Jahre alten Point Guard wird nach dem Ausfall von Schröder, der wegen ungeklärter Versicherungsfragen kurz vor dem Abflug an die kroatische Adriaküste passen musste, deutlich mehr Verantwortung zukommen. Zusammen mit Joshiko Saibou und Isaac Bonga wird Lo das deutsche Team führen müssen. «Ich sehe es aber nicht so, dass ich es alleine tragen muss», sagte Lo.

Schröder war erst am Montag in Heidelberg zum Team gestoßen und trainierte seitdem mit der Mannschaft. Abseits des Parketts konnte der Deutsche Basketball Bund aber - anders als noch vor zwei Jahren bei der letztlich enttäuschend verlaufenden WM in China - dieses Mal die Frage der Versicherung nicht finanziell klären.

Erst gegen Mexiko, dann gegen Russland

Schröder, der zuletzt bei den Los Angeles Lakers unter Vertrag stand, ist aktuell ohne Club, hofft aber auf einen hoch dotierten Kontrakt für die kommenden Jahre. Das und die Corona-Situation hätten dafür gesorgt, dass die Kosten für Schröders Versicherung nicht zu finanzieren gewesen seien, hieß es vom Verband. Warum die Frage nicht schon lange vor dem Beginn der Vorbereitung geklärt wurde, blieb unbeantwortet.

Bundestrainer Henrik Rödl muss nun bei dem am Dienstag beginnenden Turnier ohne seinen besten Spieler auskommen, glaubt aber nicht, dass die Mannschaft zu sehr niedergeschlagen ist. «Ich glaube, wir haben das sehr gut verarbeitet. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Jungs groß geschockt sind», sagte Rödl. Los geht es am Dienstag gegen Mexiko, danach ist Russland der Gegner. Nur der Sieger des Turniers mit sechs Teams fährt nach Tokio.

Starke Ansätze - auch ohne Schröder

In den wenigen noch verbleibenden Einheiten in der Spaladium Arena von Split geht es für die deutschen Korbjäger jetzt darum, auf die positiven Erlebnisse vom Supercup aufzubauen. Das Turnier in Hamburg hatte die DBB-Auswahl unter anderem dank eines Sieges gegen starke Italiener gewonnen und dabei auch ohne Schröder sehr viele gute Ansätze gezeigt. «Wir konnten ja gar nicht testen wie es mit Dennis ist, weil die Generalprobe gegen den Senegal ja auch noch ausgefallen war», sagte Rödl. Der Test in Heidelberg hatte am Donnerstag kurz vor Beginn abgesagt werden müssen, weil es beim Team des Senegals positive Coronatests gegeben hatte.

«Von daher ist die Umstellung jetzt gar nicht so groß», sagte Rödl, der nur noch das Berliner Meister-Trio Maodo Lo, Johannes Thiemann und Niels Giffey integrieren muss. «Die Jungs haben aber viel gespielt und sind im Rhythmus. Da sehe ich keine großen Probleme», sagte der Bundestrainer.

Im Training ließ Rödl sein Team dennoch mehr Spielformen absolvieren, als sonst üblich. «Wir haben viel Fünf gegen Fünf gespielt oder Turnierformen mit drei Teams», berichtete Lukas Wank von den Löwen aus Braunschweig. «Die Stimmung ist gut, wir wollen uns den Traum von Olympia unbedingt erfüllen.» Ohne Schröder dann eben im Kollektiv.

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