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Trondheim

Desolate Handballer mit bitterer EM-Pleite gegen Spanien

Die deutschen Handballer sind im ersten EM-Härtetest krachend durchgefallen. Gegen Spanien lässt der WM-Vierte alle Tugenden vermissen und steht nun mächtig unter Druck.
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Bundestrainer
Bundestrainer Christian Prokop war mit der Leistung sichtlich unzufrieden. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
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Kapitän Uwe Gensheimer saß mit gesenktem Kopf in der Pressekonferenz, neben ihm rang Bundestrainer Christian Prokop um die richtigen Worte für den desolaten Auftritt der deutschen Handballer.

Mit der bitteren 26:33 (11:14)-Niederlage gegen Titelverteidiger Spanien hat die DHB-Auswahl bei der Europameisterschaft einen herben Rückschlag kassiert und steht im Kampf um den angepeilten Halbfinal-Einzug nun schwer unter Druck. «Wir sind sehr enttäuscht aufgrund unserer Leistung im gesamten Spiel», sagte Prokop.

Noch deutlicher wurde Hendrik Pekeler, der mit fünf Toren bester Werfer im enttäuschenden DHB-Team war. «Das Ergebnis ist eine Katastrophe. Uns hat die Galligkeit, die Emotion gefehlt», sagte der Kreisläufer vom deutschen Rekordmeister THW Kiel.

Während die Spanier bereits das Ticket für die Hauptrunde lösten, darf sich der Europameister von 2016 im abschließenden Gruppenspiel gegen Außenseiter Lettland am Montag keinen Patzer und in der nächsten Turnierphase keine weitere Niederlage leisten, soll der Medaillentraum nicht vorzeitig platzen. «Da müssen und werden wir uns verbessern», verkündete Prokop.

Der Bundestrainer machte seinem Unmut schon während der 60 Minuten öfter lautstark Luft. Und auch nach dem Abpfiff redete der 41-Jährige Klartext: «Wir sind schlampig in das Spiel gegangen, obwohl wir Lust darauf hatten. Unsere Angriffseffektivität war unterirdisch», kritisierte er. «Wir haben keine Lösung gegen die spanische Defensive gefunden.»

Dabei wussten seine Schützlinge um die Bedeutung des Spiels vor 6558 Zuschauern in Trondheim. Doch die DHB-Auswahl leistete sich vor allem im Angriff gegen die sehr offensiv deckenden Spanier viele unnötige Fehler und lag Mitte der ersten Halbzeit bereits mit 4:10 im Hintertreffen. «Alle hatten ein positives Gefühl, aber die Jungs haben es nicht aufs Parkett gebracht», analysierte Prokop.

Der Bundestrainer verfolgte an der Seitenlinie laut schimpfend und mit bösem Blick das wilde Treiben seiner Mannschaft, die an diesem Tag alle Tugenden vermissen ließ. Nicht einmal ein 5:0-Lauf zum 9:10 brachte Sicherheit. Zudem waren die Torhüter Andreas Wolff und Johannes Bitter nicht der erhoffte Rückhalt. «Die Spanier waren abgezockt und hatten einen Klassetorwart. Den hatten wir heute nicht», stellte Prokop fest.

Gensheimer scheiterte zudem gleich zweimal beim Siebenmeter am überragenden spanischen Keeper Gonzalo Perez de Vargas, der auch den anderen deutschen Spielern mit zahlreichen Paraden den Schneid abkaufte. «Spanien war die bessere Mannschaft - auf allen Positionen», räumte der 33 Jahre alte Linksaußen ein.

Die Iberer zogen wieder davon, woran auch eine Personal-Rochade nach dem Wechsel nichts änderte. Die Routiniers Gensheimer und Tobias Reichmann mussten auf die Bank und wurden auf den Außenpositionen durch die EM-Debütanten Patrick Zieker und Timo Kastening ersetzt. Und Wolff kehrte ins Tor zurück.

Doch die erhoffte Wende blieb aus. Wieder erwischte Spanien den besseren Start und verschaffte sich schnell erneut ein Fünf-Tore-Polster (18:13), das später sogar phasenweise auf zehn Treffer ausgebaut wurde. «Heute müssen wir uns ärgern, aber auch viel sprechen und analysieren», befand Torwart Bitter. «Wir sind überhaupt nicht in denn Kampfmodus gekommen. Es war kein gutes Spiel.»