München

Bayern kleckern gegen Hertha und klotzen mit Coutinho

Der Transferstau des FC Bayern löst sich in einem Dreifachschlag auf. Der potenzielle neue Liga-Topstar Coutinho überlagert den Münchner Ärger über zwei eingebüßte Punkte zum Start gegen Hertha. Anerkennung für die Bosse kommt vom «sehr zufrieden» gestellten Torjäger.
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Bayern-Chefs
Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge (r), hier im Gespräch mit Präsident Uli Hoeneß, ist zufrieden mit den Transfers. Foto: Matthias Balk
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Als Gewinner durften sich nach Bayerns ungewohnter Fehlzündung im Bundesliga-Eröffnungsspiel immerhin die Bosse fühlen.

Jedenfalls war Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem als ärgerlichen, aber noch keineswegs besorgniserregenden 2:2 (1:2) gegen eine wehrhafte Hertha aus Berlin anzumerken, wie stolz sie insbesondere auf den Transfercoup mit dem brasilianischen Topspieler Philippe Coutinho vom FC Barcelona sind.

«Dieser Spieler ist ein Topspieler. Wir wollten einen Spieler, der unser Offensivpotenzial mit seiner technischen Qualität noch aufwertet», sagte Rummenigge über den 27 Jahre alten Samba-Kicker, für den der FC Barcelona vor einem Jahr über 140 Millionen Euro an den FC Liverpool zahlte. In England nannten sie ihn «Little Magician» (kleiner Magier). «Mit diesem Spieler bieten wir unseren Fans etwas Spektakuläres», schwärmte Salihamidzic. Der mit einem Schlag beendete Transferstau erfüllte den Sportdirektor mit Genugtuung. «Wir haben ein großes Stück Arbeit getan», sagte Salihamidzic stolz.

Vor Coutinho, der nach dem Medizincheck in München zunächst einen Einjahresvertrag mit Kaufoption unterschreiben wird, hatten die Bayern bereits Ivan Perisic (30) von Inter Mailand ausgeliehen. Und im Transferrausch gab Salihamidzic auch gleich noch bekannt, dass das Gladbacher Mittelfeldtalent Michaël Cuisance (20) verpflichtet wird.

Die Sinnhaftigkeit des Doppelschlages mit Coutinho und Perisic nach dem vorerst geplatzten Mega-Transfer von Nationalspieler Leroy Sané nach dessen schwerer Knieverletzung wurde den Münchner Bossen gegen Hertha vor Augen geführt. Trainer Niko Kovac hatte offensiv nichts zum Nachlegen auf der Bank. Und treffsicher war zum Saisonstart mal wieder allein Torschützenkönig Robert Lewandowski, der seinen Job mit dem 1:0 und dem Foulelfmetertor zum 2:2 zuverlässig erfüllte.

Der ehrgeizige Pole, der in der Vorbereitung vehement hochkarätige Verstärkungen angemahnt hatte, reagierte besonders erfreut auf die Breaking-News mit Coutinho. «Dieser Spieler ist ein Topspieler. Unsere ganze Offensive wird dann profitieren», sagte Lewandowski.

Speziell er als Endverwerter der Dribblings und Vorlagen. «Wir sind sehr zufrieden», lobte Lewandowski die Bosse, die in der Kritik standen, weil ein Transfer-Coup lange auf sich warten ließ. «Ich kenne Coutinho als überragenden Fußballer. So eine Neuverpflichtung tut uns unheimlich gut», sagte Nationalverteidiger Niklas Süle.

Die Bayern-Welt sieht schlagartig anders aus. Coutinho, Perisic, dazu die französischen Abwehr-Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard für 135 Millionen Euro - das passt, urteilte Rummenigge umringt von Reportern: «Wir haben schon einen Transfermarkt gemacht, der nicht nur nicht preiswert war, sondern auch von der Qualität her sehr hoch angesiedelt ist.» Beim dribbelstarken, torgefährlichen und auch als Leihspieler teuren Coutinho habe nicht die Strahlkraft des Namens gezählt, sondern «exklusiv die Qualität», sagte Rummenigge.

Die «komplette Bundesliga» könne sich auf den Brasilianer freuen, schwärmte Niko Kovac. Der Trainer kann nun - allerdings im laufenden Spielbetrieb - ein Ensemble schmieden, dass wieder meisterlicher agiert als zum Auftakt. Bei Herthas Doppelschlag von Bayern-Schreck Dodi Lukebakio und Marko Grujic traten die bekannten Abwehrprobleme auf, wenn der Gegner schnell umschaltet.

Dazu war die eigene Effektivität im Torabschluss mangelhaft. «Wir hätten drei, vier oder fünf Tore machen müssen. Da können wir uns einen Vorwurf machen», sagte Salihamidzic. «Wenn man so auftritt, gewinnt man höchstwahrscheinlich neun von zehn Spielen gegen die Hertha ? das war das eine Spiel», meinte Vize-Kapitän Thomas Müller. Man müsse sich «keine Riesenvorwürfe machen».

Auch Rummenigge reagierte nachsichtig. «Es nutzt nichts, wenn wir lamentieren. In den nächsten Spielen werden wir schon einfahren, was wir heute leider nicht geschafft haben, den Sieg.» Der Chef dachte dabei bestimmt an einen Sieg in einer Woche beim FC Schalke - dann mit Bundesliga-Rückkehrer Perisic und dem neuen Liga-Star Coutinho.