«Es gab ganz kurze Abschnitte, wo man sich denkt, ach Mensch, damals bei der WM», erzählte die Rekordweltmeisterin nach dem dritten Sprint-Erfolg in ihrem Abschiedswinter. Mit ihrem fünften Saison-Sieg baute die Doppel-Olympiasiegerin ihre Führung im Gesamtweltcup zur Halbzeit aus. Später nahm sie das Trikot der Weltcup-Spitzenreiterin in die Hand, hielt es hoch und stellte fest: «Diese Farbe, die hab' ich gepachtet.»

In Antholz war vor fünf Jahren Neuners Stern aufgegangen. Bei ihrem letzten Sprint über 7,5 Kilometer in der Südtirol-Arena lief die 24-Jährige am Donnerstag die Konkurrenz trotz einer Strafrunde in Grund und Boden. «Es ist schön, das noch einmal genießen zu können. Das ist ein schöner Abschluss», sagte Neuner.

Im Ziel hatte Neuner 17,5 Sekunden Vorsprung auf die fehlerfrei gebliebene Finnin Kaisa Mäkäräinen. Darja Domratschewa (2) aus Weißrussland lag 30,5 Sekunden hinter der Siegerin. In der Gesamtwertung hat Neuner 69 Punkte Vorsprung vor Domratschewa, Mäkäräinen liegt als Dritte 103 Punkte zurück. Neuner richtete gleich die nächste Kampfansage an ihre Konkurrenz: «Die 30 machen wir schon noch voll.»

An dem Ort, wo Neuner vor 1815 Tagen den ersten von mittlerweile zehn WM-Titel gewann, zeigte sie einmal mehr, wie schnell sie Tiefschläge wegstecken kann. Denn vor nur vier Tagen war sie noch im Tal der Tränen. In Nove Mesto hatte die Wallgauerin klar in Führung auf die falschen Scheiben geschossen und durch das «Crossfire» einen Erfolg verschenkt. Auch beim Weltcup in Oberhof hatte sie nach ihrem Staffel-Malheur mit vier Strafrunden anschließend den Sprint gewonnen. «Ich hab' mir bewusst gemacht, dass jeden Tag, jedem Menschen irgendwelche Fehler passieren», beschrieb Neuner ihr Rezept.

Dank ihrer unzähligen Erfolge ist Madgalena Neuner ohne Frage zu Deutschlands Winterkönigin aufgestiegen, über die auch im Sommer gesprochen wird. «Es war eine aufregende Zeit. Aber auch eine Zeit, wo ich viel gelernt habe und gereift bin. Die letzten fünf Jahre waren eine ziemliche Lebensschule. Es ist schön, dass es so gelaufen ist, wie es war. Ich genieße es jetzt richtig», sagte sie.

Am 18. März wird sie in Chanty-Mansijsk beim Weltcup-Finale ihr letztes Biathlon-Rennen bestreiten. Vorher will sie bei der Heim-WM in Ruhpolding sechs Medaillen in sechs Rennen gewinnen.

Auch die anderen deutschen Starterinnen konnten in dem auf 1600 Metern Höhe gelegenen Antholz starke Ergebnisse abliefern. Tina Bachmann (1) kam als Neunte ins Ziel, Franziska Hildebrand (0) wurde Zwölfte. Miriam Gössner (2) erfüllte als 15. endgültig die WM-Norm. «Ich brauche immer ein paar Tage zum Akklimatisieren. Die zwei Fehler waren unnötig und ärgern mich ein bisschen», sagte sie.

Andrea Henkel musste dagegen wegen einer Fußentzündung pausieren. Ob sie im Massenstart-Wettkampf wieder dabei sein wird, wird sich zeigen. «Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme», sagte sie. «Ob ich am Sonntag starte, wird am Samstag entschieden.»

Mit Michael Greis wird am Freitag im Männer-Sprint ein prägendes Gesicht wieder in den Weltcup zurückkehren. Der dreimalige Turin-Olympiasieger musste im Sommer eine sechswöchige Verletzungspause einlegen und hat auf die ersten Weltcup-Rennen im neuen Jahr verzichtet. Er wollte Kraft für die Heim-WM im März in Ruhpolding tanken.