Die Regeln des Biathlons sind Evi Sachenbacher-Stehle noch nicht geläufig. Beim Anschießen vor ihrem ersten offiziellen Rennen bei den Skijägern wurde die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin gleich von den Wettkampfleitern zurückgepfiffen. «Heute habe ich am Stand erstmal geschimpft gekriegt, weil ich mich hingelegt habe, bevor die Freigabe gegeben wurde», erzählte die 31-Jährige und lachte fröhlich. Ein Regelbuch habe sie noch nicht gelesen: «Das lerne ich alles nach und nach. Die Trainer müssen mir vor jedem Rennen sagen, wie ich schießen muss, was ich machen soll. Das ist noch nicht so drin bei mir.»

Doch der Fauxpas brachte die Bayerin nicht aus der Ruhe. Sie nahm es mit Humor. Lachen ist sowieso das Ding von Evi Sachenbacher-Stehle. «Mit Freude geht alles leichter«, sagt sie. Und mit Leichtigkeit hat die Sportlerin aus Reit im Winkl auch ihr Debüt bei den Biathleten geschafft. Zum Auftakt der deutschen Meisterschaften im sächsischen Altenberg gewann sie am Freitag in der Mixed-Staffel gleich den Titel - im Team Bayern zusammen mit Michael Greis und Florian Graf. Silber ging an Thüringen mit Andrea Henkel, Erik Lesser und Christoph Stephan vor Sachsen mit Tina Bachmann, Tom Barth und Michael Rösch, der vor einem Wechsel nach Belgien steht.

Obwohl «nur» eine deutsche Meisterschaft war die routinierte Langläuferin im Vorfeld sehr nervös. «Und dann laufe ich gleich mit Michi und Flo in der ersten Staffel. Da dachte ich, wie bitte. Ich habe versucht, ruhigzubleiben und mich nur auf mich zu konzentrieren», berichtete Evi Sachenbacher-Stehle. Als Führende kam sie zum ersten Schießen, brauchte alle drei Nachlader, blieb aber ohne Strafrunde. Beim als schwieriger eingestuften Stehendschießen setzte sie alle fünf Schuss ins Schwarze. Mit einem strahlenden Lächeln und einer Siegerfaust rollte sie nach ihrem Rennen Richtung Trainer. «Es war einfach nur cool, besser hätte es nicht sein können», meinte Evi Sachenbacher-Stehle.

Auch ihrem Heim-Coach Ricco Groß, der Sachenbacher-Stehle in Ruhpolding trainiert, fiel der sprichwörtliche Stein vom Herzen. Ein verschmitztes Lächeln huschte dem mehrmaligen Olympiasieger und Weltmeister nach dem starken Auftritt seines Schützlings über die Lippen. «Uff, ich war wirklich nervös», bekannte Groß. «Aber toll, wie sie dem Druck stand gehalten hat.» Auch Damen-Coach Gerald Hönig lobte den Neuling: «Evi ist im Biathlon angekommen. Besser hätte man ein Drehbuch nicht schreiben können.»

Doch fest steht auch, es war nicht mehr und nicht weniger als das erste Rennen bei den Biathleten, zudem noch auf Skirollern. «Mir ist klar, dass auch Rückschläge kommen. Jetzt muss ich geduldig sein und weiter dazulernen», meinte Evi Sachenbacher-Stehle. Dass sie das Zeug dazu hat, davon ist ihr Staffelkollege Michael Greis überzeugt. «Wenn ich sehe, wie engagiert sie arbeitet, muss das Früchte tragen. Wie groß die Früchte sind, liegt an ihr. Aber Evi hat gute Chancen und ich wünsche ihr, dass sie es schafft», sagte der dreimalige Olympiasieger.