Im Finale lag der 21-Jährige mit 21,88 Metern lange auf Erfolgskurs, doch Drehstoß-Spezialist Ryan Whiting schnappte ihm im vorletzten Versuch das Gold noch weg. Der US-Amerikaner wuchtete die 7,26 Kilo schwere Eisenkugel 22,00 Meter weit - das war der Sieg. Bronze in einem hochklassigen Finale eroberte Polens Olympiasieger Tomasz Majewski mit 21,72 Metern.

«Das war ein Wahnsinns-Wettkampf. Ich bin voll zufrieden: 21,88 Meter, persönliche Bestleistung und eine Medaille - das war mein Ziel», sagte Storl und gratulierte dem neuen Weltmeister: «Das kann immer mal passieren, dass einem Drehstoßer so ein Ding rausrutscht.»

Für den zweiten Knaller unterm Hallendach sorgte fast zeitgleich Siebenkampf-Olympiasiegerin Natalja Dobrynska. Die Ukrainerin siegte mit dem Hallen-Weltrekord von 5013 Punkten. Sie verbesserte die über 20 Jahre alte Marke der Russin Irina Belowa um 22 Punkte. WM-Zweite wurde Titelverteidigerin Jennifer Ennis aus Großbritannien mit 4965 Punkten vor der Litauerin Austra Skujyte (4802).

Storl konnte sich auch über Silber freuen - und mit einer Platz-Prämie von umgerechnet 15 150 Euro trösten. Der Chemnitzer verpasste die große Chance, schon mit 21 Weltmeister bei Jugend (2007) und Junioren (2008) sowie bei der Freiluft- (2011) und Hallen-WM (2012) zu werden.

Dabei war er schon in der Qualifikation hellwach und weckte seine 22 Kugelstoß-Konkurrenten mit einem Paukenschlag: 21,43 Meter! «Ralf Bartels hat mir gestern Abend noch eine SMS geschickt und mir Mut gemacht», sagte er nach der Frühschicht in der Ataköy Athletics Arena. «Du schaffst es!», funkte Bartels Richtung Bosporus.

«So wie der Stoß von Storli aussah, ist da sicher noch was drin», meinte auch sein Mitstreiter Candy Bauer, dem mit 19,60 Meter genau 44 Zentimeter zum Finale der besten Acht fehlten. Titelverteidiger Christian Cantwell aus den USA, der schon dreimal Gold gewann, ist nicht am Start. Bislang einziger deutscher Kugelstoß-Weltmeister in der Halle bleibt damit der Berliner Ulf Timmermann, der 1987 und 1989 gewann.

Tränen gab es bei Hürdensprinterin Cindy Roleder. Nach einem vermeintlichen Fehlstart blieb die deutsche Meisterin aus Leipzig in ihrem Vorlauf lange «sitzen», kam zu spät aus den Blöcken und schließlich in 8,35 Sekunden ins Ziel. «Das war ein Fehlstart, alle haben das gedacht, macht doch mal was!», sagte die 22-Jährige, die das Halbfinale klar verpasste.

60-Meter-Sprinter Christian Blum (Wattenscheid) erreichte zum Auftakt das Halbfinale, 3000-Meter-Läufer Arne Gabius (Tübingen) mogelte sich schon in den Endlauf. Für Dreispringerin Kristin Gierisch aus Chemnitz und 800-Meter-Läuferin Carolin Walter aus Leverkusen war das WM-Debüt immerhin eine Erfahrung wert.

Die deutsche Hallenmeisterin Gierisch war durch eine Fersenprellung gehandicapt: Mit 13,67 Metern kam sie an ihre Saisonbestleistung (14,19) nicht heran. Carolin Walter war nach einem beherzten Lauf in 2:03,61 Minuten chancenlos, strahlte aber wie eine Weltmeisterin: «Das war die zweitbeste Zeit meines Lebens!» Nun will sie Istanbul erkunden.