Nürnberg
Fußball

Personelle Lücken in der Abwehr des 1. FC Nürnberg

Der abstiegsbedrohte Club ist in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt zu Gast: Geballte Offensivpower trifft auf einen angeschlagenen Defensivverbund.
Artikel drucken Artikel einbetten
Es ist offen, ob Georg Margreitter (unser Bild) in Frankfurt bereits wieder fit genug ist für einen Einsatz im Club-Trikot. Foto: Daniel Karmann/dpa
Es ist offen, ob Georg Margreitter (unser Bild) in Frankfurt bereits wieder fit genug ist für einen Einsatz im Club-Trikot. Foto: Daniel Karmann/dpa

Im Auswärtsspiel am Sonntag (15.30 Uhr) bei der Frankfurter Eintracht, die in der Fußball-Bundesliga begeisternde Auftritte hinlegt und mit Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic über ein außergewöhnlich torgefährliches Trio verfügt, stellt sich die Defensive des Tabellenschlusslichts 1. FC Nürnberg von selbst auf.

Es spricht nicht viel dafür, dass die nunmehr 19 Spiele währende Serie des Clubs ohne Sieg ausgerechnet gegen das Team endet, das dem Fußballmagazin "11 Freunde" unter dem Titel "Die Gier nach mehr" eine Hommage wert war. Eintracht Frankfurt, so die Einschätzung des Autors, zeichne sich durch "begeisternde Auftritte, fantastische Choreos und einen unbändigen Willen" aus. Zudem übertrage sich die "wuchtige, bisweilen ungestüme Spielweise" auf die Eintracht-Anhänger - mit dem Ergebnis, dass der DFB-Pokalsieger derzeit Rang 5 in der Tabelle der Fußball-Bundesliga bekleidet und zudem mit einem Erfolg oder einem Unentschieden, bei dem ein Tor fällt, heute im San-Siro-Stadion von Mailand ins Viertelfinale der Europa League einziehen kann.

Und eben jene Frankfurter, die noch am vergangenen Montag die Auswärtsaufgabe bei Fortuna Düsseldorf seriös und routiniert mit 3:0 bewältigt haben, empfangen am Sonntag (15.30 Uhr) das Liga-Schlusslicht aus Nürnberg. Nicht nur angesichts der Tabellenkonstellation dürfte es ein ungleiches Kräftemessen werden, wenngleich Club-Kapitän Hanno Behrens darum bemüht ist, Zuversicht auszustrahlen: Sicher werde es ein schweres Auswärtsspiel, sagte der laufstärkste Nürnberger (12,26 Kilometer pro Partie) in dem Bewusstsein, dass es sich verbieten würde, in dieser so prekären sportlichen Situation von einfachen oder machbaren Begegnungen zu sprechen. "Aber", so Behrens weiter, "warum sollen wir da nichts holen?" Schließlich habe man im Hinspiel bis zur 90. Minute mit 1:0 geführt.

Einer der effektivsten Akteure

So weit, so richtig. Aber in der 2. Minute der Nachspielzeit war es Sébastien Haller, der die Nürnberger Träume von einem "Dreier" mit seinem Treffer zum 1:1 zerstörte. Mittlerweile hat der Franzose nach seinem "Doppelpack" in Düsseldorf 14 Treffer auf seinem Konto - und liegt damit in der Torjägerliste hinter Robert Lewandowski (FC Bayern München, 17) und seinem Frankfurter Teamkollegen Luka Jovic (15) auf Rang 3. In der Scorer-Wertung ist lediglich Lewandowski besser positioniert als Haller. Der 24-Jährige, der 2017 vom FC Utrecht in die Mainmetropole gewechselt ist, ist einer der besten und effektivsten Akteure der aktuellen Saison. Und er hat mit Luka Jovic sowie dem angeschlagenen kroatischen Nationalspieler Ante Rebic, der bislang für acht Frankfurter Tore verantwortlich zeichnete, zwei weitere kongeniale Offensivkräfte an seiner Seite.

Ob Vizeweltmeister Rebic gegen den Club jedoch mitwirken kann, ist noch offen. Der 25-Jährige hat sich beim 3:2-Sieg über die TSG Hoffenheim das rechte Knie verdreht. Gegen Düsseldorf war stattdessen Goncalo Paciencia (24) aufgelaufen - und der Portugiese hat mit seinem Treffer zum 1:0 gezeigt, dass er ein adäquater Rebic-Ersatz ist.

Saison-Aus für Enrico Valentini

Angesichts dieser Offensivpower dürfte es für den Nürnberger Abwehrverbund zuerst darum gehen, Schaden vom eigenen Tor abzuwenden - was angesichts der angespannten Personalsituation insbesondere in diesem Bereich nicht unbedingt leicht werden dürfte: Für Rechtsverteidiger Enrico Valentini, der sich gegen Hoffenheim im rechten Oberschenkel eine Sehnenverletzung zugezogen hat, ist die Saison beendet. Boris Schommers, der Trainer des 1. FC Nürnberg, nannte die Diagnose "eine sehr bittere Nachricht".

Zudem ist Linksverteidiger Tim Leibold wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Da Kevin Goden ebenfalls angeschlagen ist und Rekonvaleszent Georg Margreitter noch nicht wieder bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit sein dürfte, stellt sich die Defensive mit Ewerton, Lukas Mühl, Robert Bauer und Margreitter, sofern ihm Schommers sein Vertrauen schenken sollte, quasi von selbst auf.

Doch nicht nur hinten wird nichts so sein, wie es sich Schommers vorgestellt haben mag: Auch in den anderen Mannschaftsteilen werden Spieler wegen Verletzungen fehlen oder nur bedingt einsatzfähig sein. Dies betrifft Adam Zrelak (fällt definitiv aus) sowie Yuya Kubo und Virgil Misidjan, die sich leichtere Blessuren zugezogen haben. Zudem fehlt nach wie vor Matheus Pereira, der im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf die Rote Karte sah.

Angesichts des Tabellenstandes und der Besetzung sind die Aussichten auf einen Club-Erfolg in Frankfurt - es wäre erst der achte in der Bundesliga-Historie - sehr gering. Und dabei läuft den Franken, wie es Torhüter Christian Mathenia nach der Niederlage gegen Hoffenheim auf den Punkt gebracht hatte, "die Zeit davon".