Gelsenkirchen
Fußball-Bundesliga

Nach Schalkes 0:4-Blamage: Ultras nehmen Stambouli die Kapitänsbinde ab

O:3 gegen Mainz, 0:4 gegen Düsseldorf. Nach zwei peinlichen Vorstellungen in Serie entlädt sich auf Schalke die Wut der Fans. Auf dem Rasen kam es zu einer ungewöhnlichen Szene. Schalke-Kapitän Stambouli musste seine Kapitänsbinde abgeben.
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Die Schalker Fans sind nach dem Spiel aufgebracht und empfangen die Spieler mit Pfiffen. Doch damit nicht genug: Zwei Fans forderten die Kapitänsbinde von Schalkes Benjamin Stambouli.  Foto: Guido Kirchner/dpa
Die Schalker Fans sind nach dem Spiel aufgebracht und empfangen die Spieler mit Pfiffen. Doch damit nicht genug: Zwei Fans forderten die Kapitänsbinde von Schalkes Benjamin Stambouli. Foto: Guido Kirchner/dpa

In schwerer Stunde bewies Domenico Tedesco den größten Mut. Beim schleppenden Gang der Mannschaft zur Nordkurve ging der Trainer des FC Schalke 04 voran, stellte sich demonstrativ vor seine Spieler und ließ sich von den Fans beschimpfen und mit Bierbechern bewerfen. Selbst seine demütige Geste mit gefalteten Händen Richtung Tribüne konnte den Anhang nicht besänftigen. "Ich habe mich für diese Vorstellung entschuldigt, das war das Mindeste, was wir in unserer Situation tun konnten", kommentierte der Fußball-Lehrer seine Reaktion nach dem spielerischen Offenbarungseid seines Teams beim 0:4 (0:1) gegen Fortuna Düsseldorf.

Tedesco stellt sich Verantwortung: "Bin keiner, der sich verpisst"

Nur eine Woche nach dem desolaten Auftritt in Mainz (0:3) trat der Vorjahreszweite erneut wie ein Absteiger auf. Damit wurde klar, dass dem Verein auch eine Woche nach dem Rückzug von Sportvorstand Christian Heidel weitere turbulente Tage drohen. Die gereizte Stimmung auf den Rängen könnte den Vorstand zu weiteren personellen Konsequenzen veranlassen. Freiwillig wollte Tedesco sein Amt jedoch nicht aufgeben. "Ich bin keiner, der sich verpisst. Ich glaube an meine Arbeit", sagte der Coach in einem ersten TV-Interview bei Sky.

Bei allem Frust schloss auch Vereinschef Clemens Tönnies eine schnelle Entscheidung aus. "Der neue Sportvorstand wird sich am Dienstag vorstellen und sich zur Lage äußern. Ich werde jetzt nicht Trainer aus- oder einstellen", kommentierte der Aufsichtsratsvorsitzende unmittelbar nach dem Abpfiff mit Verweis auf die offizielle Präsentation von Heidel-Nachfolger Jochen Schneider. Schwerer könnte der Start für den bisherigen Leipziger Schneider auf Schalke zu Beginn der kommenden Woche kaum sein.

Verärgerte Ultras fordern Kapitänsbinde von Stambouli

Wie gereizt die Stimmung beim Anhang ist, bekam auch Profi Benjamin Stambouli bei seinem Versuch zu spüren, mit besänftigenden Worten auf die verärgerten Ultras in der Nordkurve einzuwirken. "Die haben mir die Kapitänsbinde abgenommen. Das war sehr schwer für mich", bekannte der 28 Jahre alte Franzose.

Zwei Fans waren laut "Kicker" nach Abpfiff auf den Rasen gegangen und forderten die Binde von Stambouli. Der Stellvertreter des nicht eingesetzten Mannschaftsführers Ralf Fährmann sträubte sich nicht dagegen. Er zeigte Verständnis für den gewaltigen Fan-Frust: "Wir Spieler sind klein im Vergleich zu diesem großen Verein."

Kaum vorstellbar, dass die Vereinsführung weiter auf Tedesco setzt. Der Kommentar des Trainers offenbarte den Charakter der Mannschaft: "Das war extrem schwach und leblos", gestand der 33-Jährige, der noch in der vergangenen Saison als Vater des Erfolgs gefeiert worden war. Die Ankündigung seiner Mannschaft, nach dem Spiel in Mainz gegen Düsseldorf eine Reaktion zeigen zu wollen, erwiesen sich als leeres Versprechen. "Die Mannschaft war vor dem Spiel lebendig, aber im Spiel tot", klagte Tedesco.

Dagegen setzte die Fortuna ihren Höhenflug fort. Dank der Treffer von Dodi Lukebakio (35. Minute/Handelfmeter), Dawid Kownacki (62./84.) und Benito Raman (68.) feierte sie ihren siebten Sieg in den vergangenen zehn Spielen. "Das war unsere bisher beste Saisonleistung", schwärmte Trainer Friedhelm Funkel. Doch auch der Sprung auf Rang elf und der komfortable Abstand zum Relegationsplatz 16 verleitete den erfahrenen Coach nicht zur vorzeitigen Nichtabstiegsparty: "Wir brauchen noch einige Punkte, um unser Ziel zu erreichen. Aber wenn wir so weitermachen, bin ich zuversichtlich, dass wir das schaffen."