Berlin
Özil der Südenbock?

Nach Bierhoff-Interview: Vater von Mesut Özil wütend - "Aussage ist eine Frechheit"

Die Debatte nimmt kein Ende. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hatte jüngt Aussagen zu Mesut Özil irritiert. Dessen Vater kritisierte nun Bierhoff und den DFB scharf. Auch ein renommierter Politikwissenschaftler meldete sich zu Wort. Nur einer äußert sich nach wie vor nicht.
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Mesut Özil (r)  geht nach dem verlorenen Auftaktspiel gegen Mexiko vom Platz und wird von Teammanager Oliver Bierhoff  getröstet. Foto: Christian Charisius/dpa
Mesut Özil (r) geht nach dem verlorenen Auftaktspiel gegen Mexiko vom Platz und wird von Teammanager Oliver Bierhoff getröstet. Foto: Christian Charisius/dpa
Nach der viel diskutierten Äußerung von Oliver Bierhoff zu Mesut Özil hat dessen Vater Mustafa Özil den DFB-Teammanager scharf kritisiert. "Diese Aussage ist eine Frechheit. Sie dient meiner Meinung nach nur dazu, die eigene Haut zu retten", sagte Özil senior in einem Interview der "Bild am Sonntag".

Mustafa Özil hatte seinen Sohn bis vor einigen Jahren als Manager betreut, nach einem Streit wurde diese Zusammenarbeit beendet. Seither haben beide offenbar nur noch sehr eingeschränkt Kontakt.


Özil-Vater würde DFB-Karriere beenden

Die Entscheidung über einen möglichen Rücktritt seines Sohnes aus der Fußball-Nationalmannschaft bezeichnete Mustafa Özil als "sehr schwere Frage". Er selbst würde die DFB-Karriere an dessen Stelle beenden und sagen: "Schönen Dank, aber das war es." Özil senior versicherte, dass sein Sohn die umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht aus politischen Gründen, sondern aus Höflichkeit gemacht habe. Die Pfiffe der Fans beim WM-Test in Österreich (1:2) hätten Mesut Özil enttäuscht und gekränkt.

Mesut Özil hat sich nach dem WM-Aus noch nicht über seine Zukunft im Nationalteam geäußert. Am Wochenende veröffentlichte der Weltmeister und 92-malige Nationalspieler bei Twitter erneut ein Urlaubsfoto und schrieb dazu auf Englisch: "Hab Vertrauen und danke Gott für all die Segnungen".
Bierhoff hatte in einem Interview am Freitag geäußert, dass man die WM-Nominierung von Özil vor dem Turnier hätte hinterfragen sollen. Den Vorwurf, er habe Özil damit zum WM-Buhmann gemacht, wies Bierhoff später zurück und sprach von einem Missverständnis.


Rechtspopulisten suchen WM-Sündenböcke

Viele Fußballfans hatten nach dem krachenden Scheitern der deutschen Elf in Msut Özil einen der Hauptschuldigen gesehen. Der renommierte Politikwissenschaftler Herfried Münkler hat fremdenfeindliche Verbalattacken auf deutsche Fußball-Nationalspieler mit Migrationshintergrund scharf kritisiert. Dahinter stehe "das Projekt, unsere Einwanderungsgeschichte zu leugnen", sagte der Autor von Werken wie "Die Deutschen und ihre Mythen" oder "Die neuen Deutschen: Ein Land vor seiner Zukunft" der Berliner "tageszeitung" (taz) vom Wochenende. Rechtspopulisten und Rechtsradikale planten indes, "ein Projekt der Remigration einzuleiten, anstatt die Ankömmlinge, und mögen sie die Kinder oder Enkel von Migranten sein, möglichst gut zu integrieren".

Daher agiere etwa die AfD "auf der symbolischen Ebene gegen Spieler mit Vornamen wie Jérome oder Ilkay oder Mesut", sagte Münkler (66), der an der Berliner Humboldt-Universität lehrt. "Wenn diese dann fußballerisch keinen guten Tag haben, wird das ausgenutzt - und sie werden zu Sündenböcken." Dabei seien die deutschen WM-Teams von 2006, 2010 und 2014 "eine Neuerfindung des deutschen Fußballs", "eine Widerspiegelung der Vorstellung von gelingender Integration" gewesen.