München
EM 2021

UEFA verbietet Regenbogenfarben in München - Petition erreicht über 160.000 Unterschriften

Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn am Mittwoch nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden.
Das Münchner EM-Stadion in Regenbogenfarben
Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn am Mittwoch nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden. Foto: Tobias Hase (dpa)

Das EM-Stadion in München wird beim Gruppenfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn an diesem Mittwoch nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen.

Die Europäische Fußball-Union lehnte einen entsprechenden Antrag des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) am Dienstag ab. Die UEFA sei «aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation.Inzwischen gibt es eine Petition mit bereits über 160.000 Unterschriften (Stand: 13.50 Uhr). Darin wird gefordert, die Arena am Mittwochabend beim Spiel gegen Ungarn in den Pride-Farben zu erleuchten, um der autokratischen Regierung dort ein Zeichen zu senden. 

Allianz-Arena in den Farben der UEFA

Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt - muss die UEFA diese Anfrage ablehnen», teilte der Dachverband mit.

Die Arena wird daher wie vorgesehen in den Farben der UEFA und der teilnehmenden Nationen leuchten. Der Dachverband habe der Stadt München aber vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni - dem Christopher Street Liberation Day - oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher Street Day Woche in München, mit den Regenbogenfarben zu beleuchten.

Angesichts der UEFA-Absage wollen zumindest andere deutsche Stadionbetreiber Zeichen setzen. So sollen wohl die Fußball-Arenen in Frankfurt am Main und Köln am Mittwoch während der EM-Partie der deutschen Mannschaft gegen Ungarn bunt erstrahlen.

Andere Stadien erstrahlen in Regenbogenfarben

«Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga», twitterte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann in der Nacht zum Dienstag. Der Club-Boss kündigte an: «Der Deutsche Bank Park schaltet zum Spiel gegen Ungarn den Regenbogen an. Das Waldstadion bleibt bunt.» Ähnliches ist für das Kölner Bundesliga-Stadion geplant, wie ein Sprecher der Kölner Sportstätten dem WDR bestätigte.

Hintergrund des Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit einschränkt und das erst am vergangenen Dienstag vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban. Entsprechend laut war die Forderung nach einem klaren Zeichen bei der Fußball-EM in Deutschland geworden.

Münchens Oberbürgermeister Reiter hatte sich in einem Schreiben an die UEFA und den Deutschen Fußball-Bund für eine Ausnahmegenehmigung stark gemacht, um «ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis» zu senden. In Ungarn war dieser Vorstoß nicht gut angekommen.

Ungarns Presse reagiert unwirsch

«Für die linke Münchner Stadtführung haben wir wiederum die Botschaft: die Politik hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen. Weder in brauner noch in roter noch in regenbogenfarbener Verpackung», schrieb die regierungsnahe Budapester Tageszeitung «Magyar Nemzet» am Dienstag.

Hier kannst du einen Kommentar zu dem Thema lesen: Unpolitischer Sport ist wertlos - Her mit den Signalen!

Bereits am Wochenende hatte es Kritik am Vorgehen der UEFA gegeben, als diese kurzzeitig Ermittlungen gegen den DFB in Erwägung zog. Hintergrund war die Kapitänsbinde von Manuel Neuer, der im Spiel gegen Portugal eine regenbogenfarbene Binde getragen hatte. Vorgeschrieben sind einheitliche Kapitänsbinden, Neuer wollte ein Zeichen setzen. Die Ermittlungen wurden nach kurzer Zeit wieder eingestellt und das Tragen der bunten Binde als "good cause" eingestuft.