Mainz am Rhein
Fußball-Bundesliga

Medienforscher decken auf: Jeder dritte Bericht über Bundesliga-Transfers ist falsch

Jeder dritte Pressebericht über Spielerwechsel in der Fußball-Bundesliga entpuppt sich im Nachhinein als Falschmeldung.
Wollte weg und war laut mehreren Medien eigentlich schon weg, blieb aber letztendlich doch beim VfL Wolfsburg: Nationalspieler Julian Draxler. Foto: Peter Steffen/dpa
Wollte weg und war laut mehreren Medien eigentlich schon weg, blieb aber letztendlich doch beim VfL Wolfsburg: Nationalspieler Julian Draxler. Foto: Peter Steffen/dpa
Diese Fehlerquote errechneten Wissenschaftler vom Institut für Publizistik der Universität Mainz bei der Auswertung von mehr als 2100 Presseberichten aus den Jahren 2010 bis 2013. Die Medienforscher untersuchten die komplette Berichterstattung über anstehende Transfers von Bundesliga-Profis aus den Sportmagazinen "Kicker" und "Sport Bild" sowie aus der "Bild"-Zeitung, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung".

Bei einem Drittel der Texte habe der beschriebene Transfer entweder gar nicht stattgefunden, oder er sei zu einem anderen Verein oder einem anderen Zeitpunkt erfolgt. Mögliche Ursachen für die "beachtliche Fehlerquote" sehen die Mainzer Wissenschaftler in der hohen Arbeitsbelastung bei Sportredakteuren und dem Druck, interessante Geschichten produzieren zu müssen. Außerdem gebe es Indizien dafür, dass sich Journalisten für die Zwecke von Vereinen und Spielern instrumentalisieren lassen.

"Dass Clubverantwortliche, Spieler und nicht zuletzt auch Spielerberater durchaus ein Interesse daran haben, Gehälter und Transfererlöse zu steigern und ihre oftmals engen Kontakte mit den jeweiligen Korrespondenten der Presse auch in diesem Sinne nutzen könnten, scheint jedenfalls durchaus denkbar", schreiben die Verfasser der Studie. So habe es in 61 Prozent aller explizit dementierten Transfers später doch in der einen oder anderen Form einen Vereinswechsel gegeben.

Die untersuchten Pressetitel zeichneten sich der Untersuchung zufolge durch große Unterschiede bei der Treffsicherheit aus. So habe sich bei der "Sport Bild" weniger als die Hälfte der Artikel im Nachhinein bewahrheitet. Im Vergleich zu den anderen untersuchten Blätter berichte die Zeitschrift "tendenziell früh und risikoreich". Die Ergebnisse der Mainzer Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift "Medien & Kommunikationswissenschaft" veröffentlicht.