Dortmund
 Nationalteam

Lukas Podolski: Ein Original verabschiedet sich

Lukas Podolski führt die DFB-Elf in seinem letzten Länderspiel als Kapitän aufs Feld. Poldi war vor allem für die Moral in der Truppe verantwortlich.
Freundschaftlich verbunden: Bundestrainer Joachim Löw (links) umarmt Lukas Podolski. Foto: Marius Becker, dpa
Freundschaftlich verbunden: Bundestrainer Joachim Löw (links) umarmt Lukas Podolski. Foto: Marius Becker, dpa


Diesmal durfte es nicht eine beliebige Mercedes-Dependance irgendwo in der Nähe des Stadions sein. Es musste schon das Deutsche Fußballmuseum als Kulisse dienen. Wenn sich die deutsche Nationalmannschaft zum Länderspiel verabredet, wird die Pressekonferenz immer in einer Filiale des Auto-Sponsors abgehalten. Außer, Lukas Podolski steht vor seiner letzten Partie im Nationaltrikot. Dann werden die Fragen in der Schatzkammer des deutschen Fußballs gestellt. Als Exponat steht hier unter anderem der Schuh, mit dem Helmut Rahn Deutschland 1954 zum WM-Sieg schoss.

Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird im Fußballmuseum auch ein Ausstellungsstück aus dem Wirkungskreis von Podolski zu bewundern sein. Möglicherweise eine Plastik seines Daumens, den er tausendfach seinen Mitspielern entgegenstreckte, wenn sie ihn mal wieder auf der linken Seite anspielten.


Lukas Podolskis letztes Länderspiel

An diesem Mittwoch haben sie das letzte Mal die Möglichkeit, den 31-Jährigen auf dem Feld zu suchen. Das 130. Länderspiel ist Podolskis letztes. Wie passend ist es da, dass er es im Dortmunder Stadion und somit in der Kathedrale unter den deutschen Arenen absolvieren kann. Fußballmuseum, England in Dortmund als Gegner - viel Außergewöhnliches für einen Spieler dessen hervorstechendste Eigenschaft ist, dass er sich seine Gewöhnlichkeit immer bewahrt hat.



Möglicherweise liegt das auch daran, dass Podolski der letzte Spieler einer vergangenen Epoche ist. Als 19-Jähriger debütierte er 2004 für die deutsche Nationalmannschaft. Beim 0:2 gegen Ungarn gehörten unter anderem Christian Wörns, Jens Nowotny und Thomas Brdaric zum deutschen Kader. Rumpelfußball. Mittendrin Lukas Podolski. Der kam im Alter von zweieinhalb Jahren mit seiner Familie aus Polen nach Köln. Und blieb dort bis jetzt.

Natürlich spielte er später auch für den FC Bayern, wie das jeder junge deutsche Nationalspieler irgendwann mal macht. Später kickte er auch noch für den FC Arsenal und Inter Mailand. Derzeit verdient er bei Galatasaray Istanbul sein Geld und nach der Saison wechselt er nach Japan.


Er blieb immer der Poldi aus Köln

Aber immer war er dabei der Poldi aus Köln. Der anfangs überfordert schien von der medialen Beachtung. Schließlich suchten Fernsehsender und Zeitungen nach all den düsteren Jahren nach einem neuen Posterboy des deutschen Fußballs. Weil aber Poldi Poldi ist und das übertriebene Gehabe irgendwann einfach hinnahm, schaffte er sich eine Unabhängigkeit, die ihn zum beliebtesten deutschen Nationalspieler der vergangenen Jahre gemacht hat. Dass Löw ihn als "einen der größten Spieler, die Deutschland hervorgebracht hat" bezeichnete, ist übertrieben.



In seinen Aktionen war und ist Podolski recht eindimensional. Ball auf den linken Fuß und ab in Richtung Tor. In seinen besten Zeiten setzte er diese Fähigkeiten aber derart gewinnbringend für die deutsche Mannschaft ein, dass er es auf 129 Länderspiele gebracht hat. Beim 130. gegen England darf er das Team als Kapitän auf das Feld führen. "Das ist sensationell. Da kann ich nur Danke sagen", freute er sich. Gleichwohl erinnerte Löw daran, dass auch er Podolski zu Dank verpflichtet sei. Schließlich habe dieser es geschafft, manch schwieriger Situation eine leichte Note zu verleihen. So beispielsweise, als Podolski bei der vergangenen EM daran erinnerte, dass sich die meisten Männer schon mal in der Körpermitte kratzen und so Löws unmanierlichen Griff wegmoderierte.


Sportlich überschaubarer Wert

Zu diesem Zeitpunkt war der sportliche Wert Podolskis für die Mannschaft bereits überschaubarer Art. Im Verlauf seiner zehnjährigen Regentschaft über Deutschlands beste Fußballer hat sich Löw angewöhnt, bei der Nominierung nur fußballerische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. 23 Spieler, die sich im permanenten Konkurrenzkampf befinden, führen unweigerlich zu Problemen. Podolski war der Sonderbeauftragte für die gute Stimmung. Insofern wäre eine Plastik seines Daumens wirklich ein passendes Exponat fürs Museum.