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Basketball

Litauen schlägt Serbien und zieht ins Finale ein

Litauen heißt der Gegner von Spanien im Endspiel um die Basketball-Europameisterschaft in Lille (Frankreich). Am Freitagabend bezwangen die Balten in einem hochklassigen Halbfinale vor 20 042 Fans im Pierre-Mauroy-Stadion Serbien mit 67:64 und spielt am Sonntag (19 Uhr) um den Titel. Beide Finalisten haben sich direkt für die Olympischen Spiele 2016 in Rio qualifiziert.
Einen sehenswerten Schwergewichtskampf lieferten sich unter den Brettern die beiden NBA-Center Miroslav Raduljica für Serbien (links) und Jonas Valanciunas. Foto: Sebastien Nogier
Einen sehenswerten Schwergewichtskampf lieferten sich unter den Brettern die beiden NBA-Center Miroslav Raduljica für Serbien (links) und Jonas Valanciunas. Foto: Sebastien Nogier
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Vizeweltmeister Serbien tritt ebenfalls am Sonntag (14 Uhr) an und spielt gegen Gastgeber Frankreich im Spiel um die Bronzemedaille. Litauen stand vor zwei Jahren bereits im EM-Finale, unterlag da aber Frankreich.


Trefferquoten niedrig

Das Halbfinale war nichts für Basketball-Ästheten, vielmehr von der Abwehr geprägt. Die Trefferquoten blieben mager, da sich beide Teams in der Defensive nichts schenkten. Serbien hatte am Ende eine Feldwurfquote von 33 Prozent (21 nur bei den Dreiern/6 von 28), die Litauer waren mit 45 Prozent aus dem Feld (bei mageren 14 Prozent aus dem Drei-Punkte-Bereich) etwas besser.


Teodosic fackelt nicht lange

Nach 15 Sekunden schlug der erste Dreier von Milos Teodosic im litaueischen Korb ein. Auf der Gegenseite hielt Jonas Maciulis dagegen. Der bullige Flügelspieler vom Euroleague-Sieger Real Madrid zog mit Macht zum Korb und scorte.
Sehenswert war das Duell unter den Brettern zwischen den beiden vollbärtigen NBA-Bullen Miroslav Raduljica (Milwaukee Bucks) und Jonas Valanciunas (Toronto Raptors).
Die Abwehr beider Teams ließ nicht viel zu. Besser trafen aber die Balten, die Serbiens Coach Aleksandar Djordjevic in der 6. Min. beim 14:7 für Litauen zu einer Auszeit zwangen. Bis zum Viertelende kam Serbien nur auf fünf Punkte (17:22) heran, da nun der unter den Riesen unscheinbar wirkende Aufbauspieler Mantas Kalnieitis plötzlich aufkrachte.


Litauen zieht auf elf Punkte weg

Bis auf 28:17 zog die "Green Machine" davon, weil die von gut 2000 Fans angefeuerten Balten in der Zone kaum Punkte zuließen und bei Teodosic & Co. von außen wenig ging. Clever nahmen sich die Litauer die Chancen, dies sie von der serbischen Abwehr bekamen.
Zwei Minuten vor der Pause traf Stefan Markovic einen Dreier und das folgende Foul beim Rebound nutzte Raduljica mit Freiwürfen zum 30:35.
Allerdings kassierte Raduljica wenig später sein drittes Foul. Der 2,13 m große Hüne musste erst einmal auf die Bank. Doch nun stand die serbische Abwehr, ließ in den drei Minuten vor der Pause keine Punkte mehr zu und verkürzte mit der Halbzeitsirene durch Bogdan Bogdanovic auf 34:35.


Abwehrschlacht im dritten Viertel

Die "Grünen" erwischten den besseren Start nach der Pause (40:34). Es dauerte über vier Minuten, bis Bogdanovic das Punktekonto seines Teams erhöhte. Wenig später ließ er einen Dreier zum 39:30 folgen.
Beide Teams lieferten sich in diesem Viertel eine Abwehrschlacht. Raduljica brachte die Basketballer vom Balkan sogar in Führung. Markovic nutzte einen Ballgewinn zum 43:40 für Serbien (27.). Doch Litauen konterte mit einem 8:0-Lauf und zog zum Viertelende mit 48:43 in Front.


Neun-Punkte-Führung für Litauen

Bis auf 52:43 zogen die "Grünen" davon, ehe Zoran Erceg einen Freiwurf traf. 5:22 Minuten waren die Serben ohne Korberfolg geblieben, da Seibutis an Teodosic wie eine Klette hing und ihn nahezu aus dem Spiel nahm. Die Dreierquote der Serben sank auf 17 Prozent, ehe Nemanja Bjelica aus der Distanz wieder einmal traf. Ercen verkürzte mit Freiwürfen auf 53:54 sechs Minuten vor Schluss. Eine Dreier von Kalnietis zum 57:53 beendete die Flaute des EM-Vizemeisters von 2013, der es zwischenzeitlich mit einer Zonenabwehr versuchte.
Der Vier-Punkte-Vorsprung der Litauer hielt bis 79 Sekunden vor dem Ende.


Teodosic macht's spannend

Teodosic verkürzte auf 61:63 für Serbien. Nach Stopps auf beiden Seiten stand 24 Sekunden vor der Schlusssiren Renaldas Seibutis an der Freiwurflinie. Nervenstark verwandelte er beide Versuche zum 65:61. Zehn Sekunden später traf Teodosic einen Dreier - nur noch ein Punkt für Litauen.
Seibutis sorgte von der Freiwurflinie für das 66:64 mit 13 Sekunden auf der Uhr, doch im Gegenzug velegte Bogdanovic die Chance zum Ausgleich. Kalnietis machte 5,4 Sekunden vor der Sirene den 67:64-Sieg mit einem Freiwurftreffer perfekt, da Teodosic im Gegenzug ein Fehlpass unterlief .


Serbien 24 Punkte unter dem Schnitt

Die Balten hielten das offensivstärkste Team des Turniers (88 Punkte im Schnitt) auf 24 Zähler unter ihrer normalen Leistung, doch auch die Serben zeigten, dass sie verteidigen können, provozierten 20 Ballverluste der Balten. Ein überraschender Sieg des Vize-Europameisters von 2013 über den Vize-Weltmeister von 2014, der aufgrund des ausgeglicheneren Kollektivs der Litauer (vier Spieler scorten zweistellig) nicht unverdient war.