Gelsenkirchen
Fußball-Bundesliga

Kuriositäten beim Revierderby: Ärger für den Masken-Mann und Rot für den Schiri

Sportlich bot das Revierderby zwischen Schalke und Dortmund wenig Besonderes. Für Kuriositäten war aber wieder ausreichend gesorgt.
Pierre-Emerick Aubameyang von Dortmund (r) jubelt mit einer Maske über seinen Treffer zum 1:0. Foto: Bernd Thissen/dpa
Pierre-Emerick Aubameyang von Dortmund (r) jubelt mit einer Maske über seinen Treffer zum 1:0. Foto: Bernd Thissen/dpa
Am Ende wirkte das Revierderby wie ein einziger Comic. Der maskierte Vollstrecker Pierre-Emerick Aubameyang wollte seinen dreisten PR-Jubel nach dem 1:1 (0:0) von Borussia Dortmund bei Schalke 04 als kindliche Spielerei abtun. Dagegen musste das zwei Meter große Schalker Plüsch-Maskottchen Erwin feststellen, dass Schiedsrichter offenbar keinen Spaß verstehen. Auch ohne fußballerische Klasse war der Ruhrpott-Klassiker wieder einmal hochemotional.


Sperre für Schalke-Maskottchen Erwin?

"Das Maskottchen stellt den Schiedsrichter vor allen Zuschauern bloß. Das geht gar nicht nicht, da muss der Verein Konsequenzen ziehen", sagte der frühere Bundesliga-Referee Thorsten Kinhöfer als "Bild"-Experte und forderte einen Innenraum-Ausschluss für Holger Becker. Der steckt im Kostüm des Erwin und hatte dem Unparteiischen Felix Zwayer nach einem nicht gegebenen Handelfmeter in der Nachspielzeit eine Rote Karte unter die Nase gehalten. Das sei "eine Sache für den Kontrollausschuss", meinte Sky-Experte Peter Gagelmann. Zwayer notierte den Vorfall, ob es zu einer Verhandlung und möglichen Strafe für Erwin kommt, ist noch offen.

Christian Heidel hält die Hysterie derweil für maßlos übertrieben. "Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen. Man muss auch mal lachen können", sagte er mit einem Kopfschütteln: "Hoffentlich wird er vom DFB vorgeladen. Dann gehen wir in die mündliche Verhandlung - dann erscheint er im Kostüm vor Gericht." Becker entschuldigte sich nach eigener Aussage inzwischen bei Zwayer.

Wegen einer Verkleidung muss derweil auch BVB-Torjäger Aubameyang Konsequenzen fürchten, und zwar durch den eigenen Verein. Wie üblich in Revierderbys bejubelte der Gabuner sein Tor zum 0:1 (53.) mit einer Maske, nach Batman und Spiderman fungierte er diesmal aber als "The Masked Finisher". Eine unverhohlene PR-Aktion für seinen Privatsponsor Nike, für den er kürzlich in einem Werbespot als jene Figur aufgetreten war.


Watzke ärgert sich über PR-Aktion von Aubameyang

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fand das gar nicht zum Lachen. "Darüber werden wir noch mal reden. Dann wird es etwas schwieriger für ihn", sagte er und kritisierte auch den Rivalen des BVB-Ausrüsters Puma: "Wenn der Mitbewerber sonst keine Aufmerksamkeit erregen kann, muss er es eben so machen."

Auch einen Tag später hatte sich Watzkes Ärger noch nicht gelegt. "Es kann nicht sein, dass Nike auf diese Weise versucht, ökonomische Interessen durchzusetzen", klagte er im "Kicker". Schon vor vier Wochen hatte Aubameyang für Unmut gesorgt, als er nach der Präsentation eines neuen Schuhs mit einem Nike-Logo im Haar auftauchte. In diesem Fall ließen es die BVB-Offiziellen noch bei einer Ermahnung bewenden.

Trainer Thomas Tuchel und Sportchef Michael Zorc schützten dagegen Aubameyang und kritisierten stattdessen die Medien. Die Diskussion sei "scheinheilig", erwiderte Zorc. Tuchel erklärte: "Ich finde es heuchlerisch, daraus eine arrogante Geste zu machen." Auch Aubameyang mimte das Unschuldslamm. "Ich arrogant?", schrieb er bei Instagram: "Kommt schon, Jungs. Ich bin wie ein Kind, das es genießt, Fußball zu spielen."

Nach dem Ausgleich durch das erste Profitor von Thilo Kehrer (77.) rutschte der BVB aber acht Spieltage vor dem Saisonende auf Rang vier ab und droht, die direkte Qualifikation für die Champions League zu verspielen. "Wir sind nicht mega enttäuscht, aber es herrschte keine Jubelstimmung in der Kabine", verriet Zorc. Der Respekt vor den vorbeigezogenen Hoffenheimern ist ausgesprochen groß. "Mulmig ist uns noch nicht, aber Hoffenheim ist kontant gut und spielt nur auf einer Hochzeit", meinte Nationalspieler Julian Weigl.


So cool kontert Thilo Kehrer den Masken-Jubel

Schalke-Held Kehrer hatte übrigens keine besondere Jubel-Choreografie nötig - so wie sein Gegenüber Aubameyang. "Ich brauche keine Maske. Ich muss mein Gesicht nicht verstecken", sagte der 20-Jährige forsch. Schalkes Derby-Held begnügte sich mit einem Jubel-Lauf in die Kurve und einem kurzen Freudensprung. Vielleicht auch, weil er es irgendwie vorher geahnt hatte. "Leon Goretzka und ich haben in der Kabine geflachst, dass es ein guter Tag für mein erstes Tor wäre. Eigentlich sollte es aber mit dem Kopf nach einem Standard sein."

Vor knapp zwei Jahren hatte sich Kehrer, der als 15-Jähriger vom VfB Stuttgart nach Gelsenkirchen kam, beinahe ins Abseits manövriert, als er trotz laufenden Vertrags auch bei Inter Mailand unterschrieb. Reumütig wurde er wieder aufgenommen, nun startet er aufgrund seiner Vielseitigkeit durch. "Ich hoffe, dass er so weitermacht", sagte Trainer Markus Weinzierl: "Er ist ein richtig angenehmer junger Bursche und hat seine Chance eindrucksvoll genutzt."

BVB-Boss Watzke fühlte sich zumindest wie der moralische Sieger und verteilte eine Spitze in Richtung des weiter um 13 Punkte abgehängten Erzrivalen. "Wenn die Schalker von ihren Fans nach einem Unentschieden zu Hause gegen uns frenetisch gefeiert werden, sagt das viel über die aktuellen Kräfte-Verhältnisse aus", sagte er: "Das entschädigt mich ein bisschen."