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KOMMENTAR

Kommentar: Die WM geht, das Fifa-Problem bleibt

Die Fifa zieht ab aus Russland - nach einer WM, die das Land hat prächtig aussehen lassen. Alles gut? Nicht ganz. Es bleiben Probleme, meint unser Autor.
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Die Fußball-WM war für Russland eine ausgesprochen gute PR-Veranstaltung. Probleme aber werden bleiben - beispielsweise illegale Festnahmen und Repressalien gegen Regimegegner, auf die "Pussy Riot"-Flitzer beim Finale hinweisen wollten. Foto: Martin Meissner/AP/dpa
Die Fußball-WM war für Russland eine ausgesprochen gute PR-Veranstaltung. Probleme aber werden bleiben - beispielsweise illegale Festnahmen und Repressalien gegen Regimegegner, auf die "Pussy Riot"-Flitzer beim Finale hinweisen wollten. Foto: Martin Meissner/AP/dpa
Wladimir Putin gut abgeschirmt, alle anderen stehen im Regen: Sinnbildlicher hätte die WM wohl nicht enden und der Alltag für die 145 Millionen Russen zurückkehren können. Einen Monat lang präsentierte sich der eurasische Staat von seiner besten Seite: prächtige Stimmung auf den Rängen, bunte Städte von Sankt Petersburg bis Sotschi, modernste Stadien. Da spielte sich selbst die im Vorfeld geprügelte Elf des Gastgeberlandes in einen Rausch. Trotzdem ist es naiv zu erwarten, dass sich Russland jetzt wandelt: Putin steht weiter an der Spitze eines entdemokratisierten Staates. Oder, wie "Human Rights Watch" es ausdrückt: für die schlimmste Menschenrechtslage seit Ende der Sowjetunion. Ihren Teil dazu bei tragen Dutzende neue Gesetze, die im Schatten des WM-Rauschs erlassen wurden.

Nun mag oberflächlich der Einwand erfolgen, Sportler seien doch keine Politiker. Richtig. Deutlich aber bleiben die Schwierigkeiten, die Verbände und Organisationen im Umgang mit dem Spannungsfeld haben. Bereits im Vorfeld hatte sich der DFB bei der Erdogan-Affäre der Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Und die Fifa, bei der WM? Nichts. Gar nichts. Die Probleme des russischen Volks perlten an den Anzügen der Funktionäre ab wie der Regen bei der Abschlussfeier. Allenfalls waren es Einzelaktionen von Nationalteams oder zuletzt "Pussy Riot"-Flitzer beim Finale, die auf Menschenrechtsverletzungen im Land Putins aufmerksam machten.

Es mag in vielen Ohren klingen wie Hohn - trotzdem wiederholte Fifa-Schönredner Gianni Infantino die sinnigerweise schon vor der WM geformte Aussage, das Turnier in Russland sei das beste der Geschichte. "Fantastisch", "großartig", "unglaublich" also. Ist dem so? Aus sportlicher Sicht: eher nicht. Viele langweilige Spiele, Teams wie Panama oder der Iran. Mannschaften mit Superstars, die nur selten ihren Takt fanden. Und folgerichtig ein Weltmeister Frankreich, der sich passend dazu bis zum Finale quasi ohne Angriff, aber mit gnadenlos rationaler Spielweise und Standards durchgesetzt hat. Wenngleich es freilich nicht angebracht ist, bei Weltmeisterschaften Champions-League-Maßstäbe anzulegen: "Fantastisch", Gianni Infantino, geht anders!

Und gesellschaftspolitisch? Weit entfernt von "großartig". Die Fifa bekennt in Artikel 3 ihrer Statuten, sich für den Schutz aller international anerkannten Menschenrechte einzusetzen. Hier besteht nach der Erfahrung mit Russland gewaltiger Nachholbedarf - insbesondere mit Blick auf die Advents-WM in Katar, deren Vergabe bereits skandalös war.

Dass ein Infantino in diesem Bereich aber besser werden kann, ist eher "unglaublich". Zumal er 2019 wieder einmal jede Stimme braucht, um Fifa-Präsident zu bleiben.