Für die Olympischen Spiele 2016 in Rio waren beide Finalisten bereits qualifiziert. Die Litauer, die von rund 6000 enthusiastischen Fans, von denen viele noch am Endspieltag in den Nordosten Frankreichs angereist waren, warfen gegen die starke spanische Abwehr zu schwach, um den neuen Europameister zu schlagen. Die Spanier, die in ihrem letzten Vorrundenspiel in Berlin gegen Deutschland beim 77:76 kurz vor dem Turnier-Aus gestanden waren, wurden am Ende verdient Champion, da sie sich in der Endrunde steigerten und angeführt vom kaum zu stoppenden Pau Gasol in einen Rausch spielten.


Von Beginn an in Führung

Spanien erwischte vor den Augen von König Felipe den besseren Start und führte nach zweieinhalb Minuten mit 8:2, was dem litauischen Trainer Jonas Kazlauskas nicht gefiel. Eine Auszeit brachte aber auch nicht viel. Die Iberer trafen weiter hochprozentig (56 Prozent im ersten Viertel) und verteidigten geschickt (11:4). NBA-Center Jonas Valanciunas von den Toronto Raptors wurde aus dem Spiel genommen.
Rudy Fernandez hing an seinem Klub-Kameraden von Real Madrid, Jonas Maciulis (bisher 14,5 Punkte pro Spiel), wie ein Klette und ließ den zweitbesten Scorer der Balten nicht zur Entfaltung kommen.
Auf der Gegenseite setzten die Spanier ihren Center Pau Gasol geschickt in Szene. Die Führung betrug im ersten Viertel schon 13 Punkte (19:6). Zu ersten Viertelpause waren es immerhin noch elf (19:8).


Spanien führt mit 15 Punkten

Da Rudy Fernandez nun einige schwierige Würfe traf, wuchs der Vorsprung auf 25:10 an. Selbst eine Zonenverteidigung stoppte die Spanier nicht. Erst mit zwei Dreiern verkürzte Renaldas Seibutis 80 Sekunden vor der Halbzeit auf 29:37. Die Antwort blieb Pau Gasol nicht lange schuldig. Maciulis verkürzte per Dreier mit der Pausensirene allerdings den Rückstand auf acht Punkte (33:41).


Gasol besticht in Angriff wie Abwehr

Gasol bestach nicht nur in der Offensive, sondern nahm in der Defensive auch den bisherigen Topscorer Valanciunas aus dem Spiel und sorgte dafür, dass der Litauer in der 23. Min. mit dem dritten Foul erst einmal auf die Bank musste. Zudem blockte der 35-Jährige einige Würfe der Litauer. Mit dem Dreier von Pau Ribas betrug Mitte des Dritten Viertels der Vorsprung 17 Punkte (52:35).


Fernandez fällt verletzt aus

Eine Minute später musste Rudy Fernandez verletzt vom Feld, als er hart auf einen Block von Mindaugas Kuzminskas prallte. Der Spanier, der schon während des Turniers mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte, wurde gestützt von zwei Betreuern in die Kabine gebracht und kehrte nicht mehr aufs Spielfeld zurück.
Doch davon ließ sich der Europameister von 2011 nicht beirren. Nun sprang Victor Claver in die Bresche und traf einen Dreier zum 60:42.
Mit einem 17-Punkte-Vorsprung (60:43) ging Spanien in die letzten zehn Minuten. Bis zu diesem Zeitpunkt wies Spanien eine Feldwurfquote von 56 Prozent aus, Litauen traf nur jeden dritten Wurf.


Litauen wirft zu schwach von außen

Den Vorsprung ließen sich die Iberer nicht mehr nehmen. Unter dem Korb und in der Zone machten die Spanier dicht und die Dreierquote der "Green Machine" war nicht so herausragend, dass sie damit den Rückstand verkürzen konnten. Als für Valanciunas dreieinhalb Minuten vor Schluss mit dem fünften Foul das Spiel beendet war, hatte Gasol freie Bahn. Mit Assists bediente er immer wieder seine Mitspieler. Felipe Reyes sorgte für das 71:54. Näher als auf zwölf Punkte kamen die "Grünen" nicht mehr heran.


Gasol macht den Deckel drauf

Mit einem Block gegen Kuzminskas und einem Dreier zum 75:59 machte Gasol 84 Sekunden vor dem Ende den Titelgewinn der Spanier perfekt. Der Regent krönte sich mit einer super Vorstellung zum Europameister. 25 Punkte, 11 Rebounds, 4 Assists und 3 geblockte Würfe standen am Ende für den "König der EM" in der Statistik.
Ein Dreier von Llull und Freiwürfe von Reyes sorgten gar noch für einen Kantersieg. Sergio Llull trug mit zwölf Punkten, sechs Rebounds und fünf Assists bei, Fernandez kam auf elf Zähler. Bei Litauen erzielten Mantas Kalnietis, Jonas Maciulis (je 13) und Jonas Valanciunas (10) die meisten Punkte.


Zuschauerrekord bei der EM

Damit ging die EM, die erstmals in vier Ländern ausgetragen wurde, mit einem neuen Zuschauerrekord von 620 000 Zuschauern zu Ende. Zum Vergleich: vor zwei Jahren in Slowenien waren es mit 328 000 Fans fast die Hälfte dessen.


Gasol zum MVP gewählt

Klar, dass Pau Gasol auch zum wertvollsten Spieler der EM gewählt wurde. Mit 25, 6 Punkten im Schnitt über die acht Partien des Turniers war er auch bester Werfer. Neben dem spanischen Center wurden in die All-Star-Five noch sein Teamkollege Sergio Rodriguez, vom unterlegenen Finalgegner Jonas Maciulis und Jonas Valanciunas sowie vom Gastgeber Frankreich Aufbauspieler Nando de Colo gewählt.