Moskau
Weltmeisterschaft 2018

Frau bei Fußball-WM: Hass gegen ZDF-Kommentatorin - Claudia Neumann "tut es in den Ohren weh"

Die einzige deutsche Kommentatorin bei der Weltmeisterschaft in Russland bekommt derzeit massiven Gegenwind. Internetnutzer entluden ihren puren Hass im Internet. Das ZDF reagierte darauf.
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Claudia Neumann (54) kommentierte das WM-Spiel zwischen Japan und Kolumbien. Foto: ZDF / Sven Pietschmann
Claudia Neumann (54) kommentierte das WM-Spiel zwischen Japan und Kolumbien. Foto: ZDF / Sven Pietschmann

Hass und Pöbeleien gegen deutsche WM-Kommentatorin: Claudia Neumann (ZDF) ist die einzige Frau unter den Kommentatoren der öffentlich-rechtlichen Sender bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Für viele Zuschauer passt das nicht zusammen - Frauen und Fußball.

 


Pöbeleien und Hass gegen Neumann

Das Gruppenspiel von Japan gegen Kolumbien wird sicherlich nicht als spannendste Partie in die WM-Historie eingehen. Die Japaner gewannen das Spiel übrigens mit 2:1 und feierten damit einen wichtigen Erfolg. Doch das war es nicht, was viele TV-Zuschauer auf die Palme brachte. Es war Claudia Neumann, die Kommentatorin des Spiels. Knapp 3,8 Millionen Menschen verfolgten das Fußballspiel vor den Monitoren der Nation.

In den sozialen Netzwerken entluden sich Verärgerung, Frust und Unverständnis über Kommentare Neumanns. Bei Twitter und Facebook jagte ein Hass-Kommentar den nächsten. Die Stimme der 54-Jährigen tue "in den Ohren weh" oder Neumann sei "wahnsinnig unangenehm". An dieser Stelle wurden hier die eher harmlosen Kommentare genannt, in den Foren existieren deutlich schlimmere.

 

 

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    Gegenüber der dpa äußerte sich deshalb ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann und sagte: "Wir akzeptieren natürlich Kritik, auch bei den Kommentatoren - was aber bei Claudia Neumann passiert, sprengt alle Grenzen. Hier wird öffentlich etwas Grundsätzliches berührt: Eine Frau kommentiert ein Spiel der Männer-WM. Manche drehen da im Netz völlig durch, das ist unterste Schublade."


    Spielernamen verwechselt

    Neumann (54) verwechselte mehrfach Spielernamen der japanischen Nationalmannschaft. Beispielsweise ordnete sie den Neu-Bremer Yuya Osako (28) dem FSV Mainz 05 zu. Die Fans des FSV wunderten sich über ihren angeblichen Neuzugang:
    Oder sie verwechselte Osako mit dessen Stürmerkollegen Yoshinori Muto, der tatsächlich beim Bundesligist Mainz 05 aktiv ist. Dazu sagte Fuhrmann: "Dass Neumann auch mal Fehler - wie die Verwechslung eines japanischen Spielers - unterlaufen, gehöre wie bei den männlichen Kollegen zum Job.
     
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    Das ZDF moderierte im Kommentarbereich der sozialen Medien konsequent und verbarg zahlreiche Hass-Kommentare. Zusätzlich wurde mehrfach an die Netiquette des Senders erinnert.


    Marcel Reif stellt sich auf Neumanns Seite

    Sportreporter-Urgestein Marcel Reif gab der 54-jährigen Kommentatorin Rückendeckung. Gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" sagte der ehemalige ZDF-Mitarbeiter: "Das ist unsäglich, weil es mit Sachlichkeit nichts zu tun hat. Wenn einem Leute zuhören, gibt es immer Leute, die es gut oder nicht gut finden, richtig oder nicht richtig. Aber jemanden so in der Art anzugehen, das verbitte ich mir."

    Neumann selbst äußert sich derzeit nicht zur hitzig geführten Diskussion um ihre Person. Sie konzentriert sich auf ihre Aufgabe bei der WM in Russland. Bereits während der Europameisterschaft 2016 in Frankreich erfuhr sie Spott und Hohn für ihre Kommentare. Sie war damals die erste Frau im deutschen Fernsehen, die Spiele einer Männer-EM kommentiert hatte.

    Marcel Reif sagte gegen über dem Stuttgarter Medium abschließend: "Bei Claudia Neumann fehlt es nicht an Fachkompetenz. Ausrufezeichen. Punkt"
    red/tu