Endlich wieder ein Feiertag, endlich wieder volle Ränge. Erstmals nach über zwei Jahren mit schmerzlichen coronabedingten Beschränkungen kehrt der Zauber vergangener Tage in das größte Bundesliga-Stadion zurück.

Die Aussicht auf 81.365 Fans setzt bei allen Beteiligten schon vor dem Topspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) zwischen den beiden besten Bundesliga-Rückrundenteams aus Dortmund und Leipzig Adrenalin frei. «Der Fußball wird wieder der Fußball, den wir kennen. Das ist ein besonderer Moment», schwärmte BVB-Trainer Marco Rose, «unser Kapitän Marco Reus läuft schon seit Tagen mit einem verzauberten Lächeln durch die Kabine.»

Ähnlich groß wie beim Coach ist die Vorfreude bei Hans-Joachim Watzke. «Es haben zwar viele etwas anderes behauptet, aber man merkt, dass die Leute noch Lust haben auf Borussia Dortmund. Auch wenn es dauern wird, bis Automatismen zurückkehren», kommentierte der BVB-Geschäftsführer in einem Interview der «Funke Medien» mit Bezug auf die Prognosen von Fachleuten, wonach die deutsche Sportart Nummer eins in Pandemiezeiten viel an Akzeptanz eingebüßt haben könnte. «Alleine der Gedanke daran, dass ich am Samstag in ein gefülltes Stadion eintauchen kann, löst bei mir jetzt schon Gänsehaut aus», bekannte Watzke.

Fan-Marsch geplant

Mit dem Ende vieler Corona-Auflagen geben auch die Ultras ihre bisherige Verweigerungshaltung auf. Um den Festtag gebührend zu feiern, ist ein Fan-Marsch durch die Dortmunder City zum Stadion und zu Spielbeginn eine Choreographie auf der legendären Südtribüne geplant. Eine solch prickelnde Atmosphäre haben die seit Winter 2020 verpflichteten Neuzugänge wie Jude Bellingham, Thomas Meunier oder Donyell Malen in der Arena bisher noch nicht erlebt. «Möglicherweise muss Marco Reus den Jungs während des Spiels sagen, 'Mach den Mund zu und konzentriere dich auf Fußball'», scherzte Rose.

Der erstmals seit 763 Tagen mit über 80.000 Zuschauern gefüllte Fußball-Tempel tröstet den Dortmunder Trainer selbst über den möglichen Ausfall von Torjäger Erling Haaland hinweg, der sich im Länderspiel mit Norwegen eine Sprunggelenksblessur zugezogen hat. «Die wichtigste Personalfrage sind erst mal die Fans. Da sind wir schon mal am Wochenende einer mehr. Das wollen und müssen wir nutzen», sagte Rose. Der angeschlagene Haaland hofft auf einen ähnlichen Effekt: «Danach haben wir uns lange gesehnt. Das hilft uns, besser zu spielen und noch klarer auf das Spiel fokussiert zu sein.»

Die zu erwartende leidenschaftliche Unterstützung von den Rängen für das heimische Team kann Domenico Tedesco jedoch nicht schrecken. Nach zuletzt neun Pflichtspielen seiner Mannschaft ohne Niederlage und dem Sprung auf Rang vier geht der Leipziger Coach mit Zuversicht in das Duell mit dem zwölf Punkte besseren Zweiten: «Auch ein Auswärtsteam kann dadurch positiv beeinflusst werden. Wir fahren nach Dortmund, um das Duell zu gewinnen.»

Mehraufwand bei Kontrollen

Nicht beirren lassen will sich Tedesco von den Meldungen über einen möglichen Ausfall von BVB-Angreifer Haaland: «Auch wenn er laut Marco Rose für das Spiel fraglich ist, planen wir mit seinem Einsatz. Es ist das Topspiel. Ich bin mir sicher, dass der BVB alles daran setzen wird, dass er fit ist und spielen kann.»

Gut möglich, dass der Leiziger Trainer recht behält. Haaland selbst gab sich am Freitag zuversichtlich: «Mein Knöchel tut immer noch etwas weh. Aber es wird besser. Mal abwarten, wie ich mich morgen fühle. Ich denke, dass es eine Chance gibt, dass ich spiele.»

Nicht nur in sportlicher, sondern auch in organisatorischer Hinsicht wird das Spiel für den BVB zu einer kniffligen Aufgabe. Weil nur geimpften, genesenen oder getesteten Zuschauern der Besuch erlaubt ist, muss der Revierclub bei den Kontrollen einen erheblichen Mehraufwand bewältigen. «Volllast unter 3G ist eine Herausforderung. Um den Kontrollprozess an den Eingängen zu verkürzen, benötigen wir circa doppeltes Personal im Vergleich zu einem vollen Stadion ohne 3G-Kontrolle», sagte Stadionchef Christian Hockenjos den «Ruhr Nachrichten». Eine frühe Anreise der Fans könne helfen, lange Wartezeiten zu vermeiden.