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Corona-Impfung

"Er ist ganz schlecht beraten": Impfbefürworter appellieren an Joshua Kimmichs Vorbildfunktion

Joshua Kimmichs Aussagen zur Corona-Impfung stoßen auf viel Kritik. Experten werfen ihm vor, sich auf Falschinformationen zu beziehen. Selbst die Bundesregierung richtet sich nun direkt an den Fußball-Profi.
In einem Interview sagte Fußballnationalspieler Joshua Kimmich, Bedenken bezüglich der Corona-Impfung zu haben und selbst noch nicht geimpft zu sein.
In einem Interview sagte Fußballnationalspieler Joshua Kimmich, Bedenken bezüglich der Corona-Impfung zu haben und selbst noch nicht geimpft zu sein. Foto: Sven Hoppe (dpa)
  • Fußballprofi Joshua Kimmich gibt zu, noch nicht geimpft zu sein
  • FC-Bayern-Spieler hat Bedenken wegen Langzeitfolgen
  • Missverständnisse und Falschinformationen: Immunologe klärt auf
  • Unterstützung für Kimmich vonseiten der AfD

Nachdem Nationalspieler Joshua Kimmich in einem Interview bekanntgegeben hatte, noch nicht geimpft zu sein, startete eine Debatte um Langzeitfolgen der Corona-Impfung. Nun schaltet sich sogar die Bundesregierung in die Diskussion um den FC-Bayern-Spieler ein.

Kimmich ist noch nicht geimpft

Kimmich hatte seinen Impfstatus am Samstag damit begründet, dass er aufgrund noch fehlender Langzeitstudien Bedenken bezüglich der Corona-Impfung habe. Seine Aussagen werden auch deswegen kontrovers diskutiert, weil er als Ungeimpfter trotzdem in Fußballstadien spielen darf, in denen die 2G-Regel gilt. Zudem hatte er erst kürzlich schwerkranke Kinder eines Palliativ-Zentrums und einer Herzstation besucht, die für eine Infektion besonders gefährdet sind. Zudem hat Kimmich gemeinsam mit seinem Teamkollegen Leon Goretzka im März 2020 die Spendenaktion „We Kick Corona“ ins Leben gerufen.

Regierungssprecher Steffen Seibert hat nun stellvertretend für die Bundesregierung die Hoffnung ausgedrückt, Kimmich werde sich doch noch für eine Impfung entscheiden. Kimmichs Skepsis bezüglich der Wirkung einzelner Impfstoffe oder möglicher Nebenwirkungen stünden „klare und überzeugende Antworten“ von nationalen und internationalen Gesundheitsexperten gegenüber. Kimmich solle diese gesammelten Informationen noch einmal auf sich wirken lassen. „Denn als einer, auf den Millionen schauen, hätte er dann erst recht Vorbildwirkung“, so Seibert. Auch das für den Bereich Sport zuständige Innenministerium betont in Bezug auf Kimmich, dass Impfungen der einzige nachhaltige Weg aus der Pandemie seien.

Der Immunologe Carsten Watzl erklärt, dass bezüglich der von Kimmich angeführten Langzeitfolgen ein „Missverständnis“ vorliege, das sich aber bei vielen Menschen hartnäckig halte. „Was man bei Impfungen unter Langzeitfolgen versteht, sind Nebenwirkungen, die zwar innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten, die aber so selten sind, dass es manchmal Jahre braucht, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang gebracht hat“, erläutert Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Danach sei die Reaktion des Immunsystems abgeschlossen und der Impfstoff nicht mehr im Körper. „Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19 Impfung nicht auftreten“, macht der Immunologe deutlich. Dadurch, dass die Corona-Impfstoffe in kurzer Zeit bei vielen Menschen eingesetzt wurden, konnten bereits seltene Nebenwirkungen, wie Venenthrombosen, erkannt werden. Demnach seinen die Covid-19-Impfstoffe im Gegensatz zu anderen Impfstoffen bereits besser erforscht, was Langzeitfolgen, also seltene Nebenwirkungen, angehe.

Als Sportler Vorbild für andere sein

Auch Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, appelliert an Kimmich, sich doch impfen zu lassen, da er bisher Falschinformationen aufgesessen habe. „Er ist ganz schlecht beraten. Das ist etwas, was sich jetzt noch mal stark verbreitet hat und es wäre toll, wenn er seine Plattform genutzt hätte, um sich besser beraten zu lassen, um dann auch in der Hinsicht ein Vorbild zu sein“, sagt Buyx. Als prominenter Sportler müsse sich Kimmich seiner besonderen Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst sein. „Es kommt jetzt darauf an, gut aufzuklären, dass es diese Form von Langzeitwirkungen nicht gibt. Dass die Leute jetzt nicht denken, weil er Sorge hat, muss ich auch Sorge haben“, macht Buyx deutlich.

Rückendeckung für seine Aussagen bekommt Kimmich dagegen von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel. Der Entschluss, sich nicht impfen zu lassen, sei dessen Privatangelegenheit und müsse daher respektiert werden. „Dass Herr Kimmich nun laufend genötigt wird, sich für seine persönliche Entscheidung zu rechtfertigen, ist übergriffig und offenbart eine bedenkliche Ausbreitung von konformistischem Bevormundungs-Denken.“

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