Die deutschen Fußball-Nationalspieler werden vor dem Anpfiff des Nations-League-Spiels gegen England am Dienstagabend (20.45/live im ZDF) zum Zeichen gegen Rassismus auf die Knie gehen. Das kündigte ManCity-Spieler Ilkay Gündogan vor der Partie am Dienstag in der wahrscheinlich ausverkauften Münchner Allianz Arena an.

"Wir werden auch wieder auf die Knie gehen mit den Engländern gemeinsam, weil wir natürlich die Aktion der Engländer unterstützen wollen, weil es eine sehr gute Sache ist", sagte der 31 Jahre alte Gündogan, der für den englischen Meister City spielt, am Montag im DFB-Quartier im fränkischen Herzogenaurach.

Kniefall gegen Rassismus: Deutsche Spieler wollen Engländer unterstützen

Den gemeinsamen Kniefall hatte es auch schon vor einem Jahr bei der Europameisterschaft vor dem deutschen Achtelfinal-Aus im Londoner Wembley-Stadion gegeben. "Wir haben es damals schon gemacht und schließen uns dementsprechend jetzt wieder an", sagte Gündogan. Der Kniefall sei im Team kurz besprochen worden: "Keiner war dagegen."

Am vergangenen Samstag war das englische Team beim Spiel in Budapest gegen Ungarn auch wieder kurz vor Anpfiff als Zeichen gegen Rassismus auf die Knie gegangen. Daraufhin waren Buhrufe und Pfiffe aus dem Publikum zu hören gewesen. Wegen diskriminierenden Verhaltens seiner Fans bei den EM-Spielen gegen Portugal, Frankreich und Deutschland war Ungarns Verband zu zwei UEFA-Heimpflichtspielen ohne Zuschauer verurteilt worden. Dieses Strafmaß wurde später auf eine Partie reduziert.

Der englische Nationalcoach Garath Southgate zeigte sich überrascht von den Rufen und Pfiffen in Budapest, sagte aber auch: "Das ist der Grund, warum wir es tun - um zu informieren. Und ich denke, junge Menschen können nur von älteren Menschen beeinflusst werden." Auch in englischen Stadien seien solche Reaktionen immer noch zu hören, gab der 51-Jährige zu. Auch deshalb werde man an dem Kniefall festhalten.

England-Trainer Southgate fürchtet die eigenen Fans - Vergangenheit gibt ihm recht

Für das Spiel in München rechnet Southgate angesichts der brisanten Vergangenheit bei Duellen zwischen Deutschland und England mit dem Schlimmsten. Der England-Coach befürchtet, dass Anhänger der Three Lions sich daneben benehmen könnten und England "blamieren". Vor dem Klassiker gegen Deutschland hatte ein England-Fan in einem Münchner Hotelzimmer eine "Bengalfackel" gezündet und damit einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Southgate hofft, dass sich die Fans benehmen. 

In München sind die Sicherheitsbehörden alarmiert. Vor dem Spiel mussten 880 englische bekannte Krawallmacher ihre Pässe bei der Polizei abgeben, berichtet der "Kicker". In der Münchner Innenstadt wurde ein Glasflaschenverbot erlassen. 

Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften auf deutschem Boden hatten englische Anhänger 2017 in Dortmund den Hitlergruß gezeigt und Lieder aus dem Zweiten Weltkrieg gesungen.

mit dpa

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