Nürnberg
Fußball

Der Club und die Schwäche der Anderen

Gegen die "Remis-Spezialisten" der TSG Hoffeheim hilft dem 1. FC Nürnberg nur ein Erfolg. In der Bundesliga-Tabelle ist die TSG abgerutscht.
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Gelingt dem 1. FC Nürnberg um Törles Knöll (l.) die Trendwende? Am Sonntag (15.30 Uhr) geht es zur TSG Hoffheim um Ermin Bicakcic (r.). Das Hinspiel gewannen die Kraichgauer mit 3:1.  Foto: Sportfoto Zink
Gelingt dem 1. FC Nürnberg um Törles Knöll (l.) die Trendwende? Am Sonntag (15.30 Uhr) geht es zur TSG Hoffheim um Ermin Bicakcic (r.). Das Hinspiel gewannen die Kraichgauer mit 3:1. Foto: Sportfoto Zink

"Wir arbeiten hart und spielen gut, aber verlieren zu viele Punkte." Ein Fazit, das getrost einem Spieler oder dem Trainer des 1. FC Nürnberg zuzuschreiben wäre. Woche für Woche ist der Club redlich bemüht, den so lang ersehnten und dringend benötigten dritten Bundesliga-Sieg zu schaffen. Mittlerweile sind 18 Spieltage ohne Dreier vergangen. Vereins-Negativrekord.

Auch bei der TSG Hoffenheim, am Sonntag um 15.30 Uhr nächster Gegner des Liga-Schlusslichts, sind die Protagonisten mit dem Saisonverlauf nicht sonderlich zufrieden - was TSG-Stürmer Andrej Kramaric mit seinen Worten nach der 2:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt zum Ausdruck gebracht hatte. "Wir arbeiten hart und spielen gut, aber verlieren zu viele Punkte."

In der Tat stehen die Kraichgauer auf Rang 9 nicht da, wo sie sich selbst verortet sehen: auf einem Europapokal-Platz. Allerdings beträgt der Rückstand auf Bayer Leverkusen und den sechsten Platz nur fünf Punkte. Und mit einem Erfolg gegen den Club würde das Team von Trainer Julian Nagelsmann weiter auf Tuchfühlung zu den Rängen bleiben, die zur internationalen Teilnahme berechtigen. Allerdings unterliegen die Hoffenheimer Leistungen einer gewissen Schwankung.

Großes Lazarett

Zwar hat Hoffenheim gegen Nürnberg die Favoritenrolle inne, doch das Kräfteverhältnis nivelliert sich. Das liegt einerseits daran, dass das TSG-Lazarett mittlerweile größer ist als das zur Verfügung stehende kickende Personal "Wir trainieren seit drei Wochen mit zwölf Feldspielern", sagte Nagelsmann der Rhein-Neckar-Zeitung.

Andererseits hätte seine Mannschaft, wenn man die offizielle Torschuss-Statistik der Deutschen Fußball Liga (DFL) zurate zieht, mehr Treffer als die bisherigen 47 erzielt haben können. Mit 415 Torschüssen belegen die Hoffenheimer Rang 1 in dieser Kategorie - zusammen mit dem FC Bayern München, der jedoch auf 56 Tore kommt. Neun Treffer weniger bei gleicher Anzahl von Torschüssen bedeuten weniger Effizienz im Abschluss und weniger Punkte insgesamt.

Wie Torabschlüsse und Punkte-Ausbeute zusammenhängen, wird am Beispiel der Nürnberger deutlich: Von den bisherigen 230 Schüssen auf das gegnerische Tor (Platz 18 dieses Rankings) waren nur 18 erfolgreich. Das entspricht einer Treffer-Quote von 7,82 Prozent. Zum Vergleich: Hoffenheim kommt auf 11,32 Prozent.

Nagelsmann: "Seuchen-Saison"

Den Liga-Bestwert hält die Nagelsmann-Elf zudem in der Kategorie "Latten- oder Pfostentreffer". Gleich 17 Mal sprang der Ball vom Aluminium entweder zurück ins Feld oder ins Aus - was unter anderem mit ein Grund dafür ist, dass die Hoffenheimer als die "Remis-Spezialisten" gelten (zehn Unentschieden stehen acht Siegen und sechs Niederlagen gegenüber). Ob des Verletzungs- und Alu-Pechs sah sich Nagelsmann zu der Aussage veranlasst, dass es sich um eine "Seuchen-Saison" handele.

Angesichts der prekären sportlichen Situation wären die Club-Spieler froh, wenn sie im grauen Mittelfeld stünden - oder zumindest nah dran. Für sie geht es in Hoffenheim darum, nicht den Anschluss an Stuttgart (am Freitag beim schwächelnden Tabellenführer Borussia Dortmund) und den FC Augsburg (am Samstag zu Gast bei RB Leipzig) zu verlieren.

Noch sind es sechs Punkte Rückstand auf den VfB Stuttgart, der den Relegationsrang innehat. Acht Zähler sind es auf den FC Augsburg. Mit einem Sieg im Kraichgau würde sich der Abstand zumindest nicht vergrößern. Sollte die Konkurrenz sogar ohne Punkte bleiben, könnten die Nürnberger tatsächlich "einen Lauf starten, den niemand von uns erwartet", wie es Nürnbergs Trainer Boris Schommers formuliert hat.

Die "Top 6" der Liga warten auf den Club

Ein Sieg des 1. FC Nürnberg in Hoffenheim könnte, auch mit Blick auf das Restprogramm der abstiegsgefährdeten Vereine, eine Initial-Zündung auslösen. Dringend benötigt ist diese allemal, denn von allen Kellerkindern haben die Nürnberger die schwersten Aufgaben zu bewältigen: Gleich viermal geht es noch gegen Teams, die derzeit auf den Europapokal-Plätzen angesiedelt sind (FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen).

Zum Vergleich: Stuttgart muss noch dreimal gegen Mannschaften aus den "Top 6" antreten (Mönchengladbach, Frankfurt, Leverkusen). Hannover (Gladbach und München) und Augsburg (Frankfurt und Leverkusen) nur je zweimal.

Hinzu kommt, dass Stuttgart und Augsburg, im Gegensatz zu Nürnberg und Hannover, jeweils noch fünf Heimspiele zu absolvieren haben - und die bayrischen Schwaben vom Papier her über das vermeintlich leichteste Restprogramm (Hannover, Nürnberg, Stuttgart, Schalke 04) verfügen.

Angesichts dieser Konstellation scheint der direkte Klassenverbleib in weite Ferne zu rücken für den FCN - selbst wenn gegen Hoffenheim ein Erfolg gelingen sollte. Jedoch ist Platz 16, der zu den beiden Relegationsspielen gegen den Zweitliga-Dritten führen würde, noch aus eigener Kraft erreichbar. dk 1. FC NÜRNBERG Eintracht Frankfurt (A)

FC Augsburg (H)

VfB Stuttgart (A)

FC Schalke 04 (H)

Bayer 04 Leverkusen (A)

FC Bayern München (H)

VfL Wolfsburg (A)

Borussia Mönchengladbach (H)

SC Freiburg (A)

HANNOVER 96 FC Augsburg (A)

FC Schalke 04 (H)

VfL Wolfsburg (A)

Borussia Mönchengladbach (H)

Hertha BSC (A)

FSV Mainz 05 (H)

FC Bayern München (A)

SC Freiburg (H)

Fortuna Düsseldorf (A)

VFB STUTTGART TSG 1899 Hoffenheim (H)

Eintracht Frankfurt (A)

1. FC Nürnberg (H)

Bayer 04 Leverkusen (H)

FC Augsburg (A)

Borussia Mönchengladbach (H)

Hertha BSC (A)

VfL Wolfsburg (H)

FC Schalke 04 (A)

FC AUGSBURG Hannover 96 (H)

1.FC Nürnberg (A)

TSG 1899 Hoffenheim (H)

Eintracht Frankfurt (A)

VfB Stuttgart (H)

Bayer 04 Leverkusen (H)

FC Schalke 04 (A)

Hertha BSC (H)

VfL Wolfsburg (A)