"Ich bin jetzt schon müde", sagte Zachary Wright nach der 57:62-Auftaktniederlage "seines" Teams von Bosnien und Herzegowina gegen Lettland bei der Europameisterschaft in der Gruppe B in Jesenice. Der neue Aufbauspieler der Brose Baskets schleppte sich zeitweise wie nach einer ordentlichen Prügelei in einem Eishockeyspiel übers Feld der Podmezakla-Arena, wo sonst die Cracks des berühmtesten Hockeyclubs Sloweniens übers Eis flitzen. Wenn der 28-jährige, 1,89 m große Aufbauspieler aber aufs Gas trat, das Spiel schnell machte und auch selbst zum Korb zog, waren die Bosnier auch erfolgreich. Wir unterhielten uns mit dem aus Texas stammenden Wright, der in Europa schon viel rumgekommen ist.

Wenn Sie mit ihrem Team eine Runde weiterkommen, treffen Sie vielleicht auf Deutschland mit ihren neuen Teamkollegen aus Bamberg, Karsten Tadda und Maik Zirbes. Was halten Sie davon?
Zack Wright: Das wäre cool. Wir haben zwar schon beim Supercup gegeneinander gespielt und uns unterhalten, doch eine EM ist doch etwas anderes. Aber wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen, bevor wir uns auf ein Duell mit Deutschland freuen können.

Wie passiert es, dass ein Junge aus Texas für das Nationalteam von Bosnien und Herzegowina spielt?
Die Initiative ging von meinem Coach aus, als ich in Kroatien gespielt habe. Er hat mir gesagt, dass ich ein Kandidat für Bosnien sei. Ich habe Interesse bekundet. So kann ich Wettbewerbe auf hohem Niveau und mehr Spiele bestreiten. Zudem helfe ich dem Team. Dann hat der Einbürgerungsprozess begonnen - und nun bin ich hier.

Dadurch wird der Sommer aber sehr lange.
Oh ja. Das ist physisch und psychisch sehr anstrengend, aber es fordert einen und macht einen besser, wenn man eine solch lange Saison über fast das ganze Jahr bestreitet.

Und dann kommt Bamberg mit der Bundesliga- und Euroleague-Saison.
Ja, aber das ist nicht so hart wie im vergangenen Jahr in Russland, als wir drei Spiel pro Woche hatten. Wir hatten fast 80 Spiele und sehr lange Reisen in Russland. Das wird in Bamberg nicht ganz so hart. Es ist zwar nun wenig Zeit, um mein neues Team und meine Kollegen in Bamberg kennen zu lernen, aber ich freue mich auf Bamberg.

Haben Sie Bedenken, dass Sie sehr müde in Bamberg ankommen?
Die Eurobasket ist schon eine große Belastung, wenn man fünf Spiele in sechs Tagen bestreitet und, wenn wir weiterkommen, noch einmal drei Spiele in fünf Tagen. Zusammen mit der Vorbereitung sind das viele Matches. Da werde ich sicher müde sein, ach was, ich bin jetzt schon müde.

Haben Sie Bambergs Coach Chris Fleming schon kontaktiert, ob Sie ein paar Tage frei bekommen?
Ich bin nicht sicher. Es ist eine schwierige Entscheidung. Ich hoffe, ich kann mich etwas erholen, aber ich muss mein Team und die Systeme kennenlernen. Aber ich habe gehört, in Bamberg haben sie ein gutes Umfeld und gute Physiotherapeuten.

Die Fragen stellte Udo Schilling