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Champions League

Bayern blamieren sich in Rostow und verpassen Gruppensieg - Gladbach Dritter

Der Druck auf den FC Bayern und Trainer Ancelotti wird nach der bitteren Pleite in der Champions League größer. Mönchengladbach sichert sich Platz Drei.
Hängende Köpfe: Die Bayern-Profis Thomas Müller (links) und Kapitän Philipp Lahm nach der 2:3-Niederlage gegen FK Rostow. Foto: Peter Keneffel/dpa
Hängende Köpfe: Die Bayern-Profis Thomas Müller (links) und Kapitän Philipp Lahm nach der 2:3-Niederlage gegen FK Rostow. Foto: Peter Keneffel/dpa
Als Atlético Madrid den Gruppensieg in der Champions League perfekt machte, waren die Fußballer des FC Bayern München bereits wieder in der Luft. Nach dem 2:3-Desaster gegen FK Rostow verließ der deutsche Rekordmeister Russland am Mittwochabend fast fluchtartig, um so schnell wie möglich zurück nach München zu fliegen. Schließlich steht schon am Samstagabend das nun noch bedeutender gewordene Bundesliga-Topspiel gegen Bayer Leverkusen auf dem Spielplan. "Da müssen wir eine Antwort geben", sagte Weltmeister Jérôme Boateng, der in dem Heimspiel jedoch wegen einer neuerlichen Verletzung am Oberschenkel verletzt ausfallen dürfte.


Sechs Punkte Rückstand auf Atlético

Den Einzug ins Achtelfinale als Gruppenzweiter können die Bayern nach dem 2:0 von Atlético gegen die PSV Eindhoven noch einigermaßen verschmerzen, auch wenn sie unbedingt am 6. Dezember im direkten Duell mit den Spaniern um Platz eins kämpfen wollten. Das ist bei nun sechs Punkten Rückstand aber nicht mehr möglich. "Noch ist nichts Dramatisches passiert, aber wir müssen Dinge einfach ändern", sagte Kapitän Philipp Lahm in Rostow zur kritischen Gesamtsituation.

Erstmals in der kurzen Amtszeit unter Carlo Ancelotti kassierten die gerade national in den vergangenen Jahren unantastbaren Bayern nach dem 0:1 gegen Borussia Dortmund zwei Niederlagen in Serie. Und im eiskalten Rostow gab es unter dem Italiener zudem eine Premiere in Form von drei Gegentoren in einem Spiel. Sardar Azmoun (44. Minute), Dimitri Polos (49./Foulelfmeter) und Christian Noboa (67.) sorgten für den unerwarteten Erfolg der Russen.

Für die Bayern, die das Hinspiel im September noch locker mit 5:0 gewonnen hatten, trafen diesmal einzig Douglas Costa (35.) und Juan Bernat (52.). Ancelotti übernahm als Trainer die Verantwortung, er wird jetzt rasch wieder Siege liefern müssen.


Boateng: "Wir sind auseinandergebrochen"

"Unser Problem ist, dass wir zu sorglos sind", sagte Lahm deutlich. Defensive Stabilität und offensive Dominanz sind verschwunden, eine überzeugende Spielidee ist im veränderten 4-3-3-Spielsystem unter Ancelotti nicht zu erkennen. "Wir sind auseinandergebrochen", lautete die alarmierende Erkenntnis von Boateng in Rostow. Und das gegen eine Mannschaft, die nicht zur Weltspitze gehöre, wie Lahm hervorhob.

Vor dem Leverkusen-Spiel findet am Freitagabend noch die Mitgliederversammlung statt, auf der Uli Hoeneß wieder zum Präsidenten des deutschen Rekordmeisters gewählt werden soll. "Ich weiß nicht, ob das einen Push gibt", sagte Lahm skeptisch.

Klar ist aber, dass sich ganz schnell viel zum Besseren ändern muss bei den Bayern. "Druck haben wir immer, da ändert sich nicht so viel", sagte Lahm vor der Rückreise aus Russland: "Aber wir müssen jetzt schon mal wieder eine Leistung zeigen, die uns positiv stimmt."


Gladbach feiert Europacup-Verbleib nach Remis gegen ManCity

Für Borussia Mönchengladbach ist das Abenteuer Champions League nahezu beendet, doch die Vorfreude auf die Europa League ließ keine negativen Gedanken aufkommen. "Der dritte Platz in dieser Hammer-Gruppe bedeutet uns sehr viel. Wir können absolut glücklich sein", sagte Gladbachs Keeper Yann Sommer. Mit dem 1:1 (1:1) im vorletzten Gruppenspiel der Königsklasse gegen Manchester City und der 0:2-Niederlage von Celtic Glasgow gegen den FC Barcelona hat die Borussia den Verbleib im Europacup frühzeitig perfekt gemacht. "Es war unser Ziel, europäisch zu überwintern. Das haben wir geschafft", erklärte Verteidiger Tony Jantschke.


Zweimal Gelb-Rot

Nur ein Sieg gegen die "Citizens" hätte den Gladbachern die Chance auf den Achtelfinal-Einzug in der Champions League erhalten. Doch dafür reichte am Mittwoch der Treffer von Raffael (23. Minute) nicht. Unmittelbar vor der Pause glich David Silva (45.+1) für das Gäste-Team von Trainer Pep Guardiola aus. Im zweiten Abschnitt ging der Spielfluss nach Gelb-Roten Karten gegen Gladbachs Lars Stindl (51.) und Manchesters Fernandinho (63.) verloren. Der Favorit aus England übernahm die Spielkontrolle, die Borussia verteidigte aber den Punktgewinn. "Wir standen kompakt und haben als Mannschaft gekämpft. Das war wichtig", meinte Sommer.

Dementsprechend konnte sich der Club vom Niederrhein, der noch nie die K.-o.-Runde der Champions League erreicht hat, auch gut mit der Qualifikation für die Europa League trösten. "Realistisch betrachtet sind wir die drittbeste Mannschaft in der Gruppe", kommentierte die Jantschke die Konstellation mit Trabellenführer Barcelona (12 Punkte) vor Manchester (8), Gladbach (5) und Glasgow (2). Das abschließende Match der Borussia am 6. Dezember in Barcelona hat auf die Tabelle keine Auswirkungen.

Das Remis gegen Manchester erarbeiteten sich die Gastgeber im Borussia-Park mit viel Leidenschaft. "Meine Mannschaft hat insgesamt ein klasse Spiel gemacht. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir den Punkt geholt haben und im internationalen Wettbewerb überwintern", erläuterte Trainer André Schubert.


In Europa überwintern war das Ziel

"Wir haben vor der Saison das Ziel ausgegeben, in Europa zu überwintern. Das war in dieser Gruppe keine leichte Aufgabe. Es ist großartig, dass wir dieses Ziel erreicht haben", sagte Borussia-Sportdirektor Max Eberl. Mit dem Gesamteindruck, den das Team im Anschluss an die 0:4-Niederlage im Auftaktspiel in Manchester hinterlassen hat, zeigte sich Eberl zufrieden: "Abgesehen von dem Hinspiel in Manchester haben wir in der Champions League sehr gute Leistungen gebracht."