Rio de Janeiro

Teamcheck: So spielt der deutsche Final-Gegner Argentinien

Argentiniens hochkarätig besetzte Fußball-Nationalmannschaft hat es ohne großen Glanz bis ins WM-Finale gegen Deutschland geschafft. Ein Überblick über vermeintliche Stärken und Schwächen und das Team im Kurzporträt:
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Argentinien ist mehr als nur Lionel Messi (ganz links). Eine Analyse des deutschen Finalgegners. Foto: dpa
Argentinien ist mehr als nur Lionel Messi (ganz links). Eine Analyse des deutschen Finalgegners. Foto: dpa

Argentiniens Stärken

INDIVIDUELLE KLASSE: Allein die Namen! Lionel Messi, Ángel di María, Sergio Agüero, Gonzalo Higuaín - jeder der "Vier Fantastischen" kann ein Spiel allein entscheiden. Das Quartett spielte aber verletzungsbedingt nur in der Vorrunde komplett zusammen.

SECHSER: Javier Mascherano, der heimliche Chef auf dem Platz im Team der Argentinier, zählt zu den Besten der Welt im Mittelfeld.

TAKTISCHE DISZIPLIN: Die Mannschaft hält sich konsequent an die Vorgaben ihres Trainers. Von rauschenden Partien bislang keine Spur. Team und Trainer setzten bis zum Finale auf Pragmatismus - mit Erfolg.

KONTER: Wenn die Mannschaft Platz hat, kann sie ihre größte Stärke ausspielen. Vorn lauert praktisch immer Messi, um entweder selbst abzuschließen oder einem Nebenmann aufzulegen.

STANDARDSITUATIONEN: Allein durch Messi wird jeder Freistoß Richtung Tor zur Gefahr. Bei Eckbällen rücken größer gewachsene Spieler wie Linksverteidiger Marcos Rojo mit nach vorne.

TEAMGEIST: Die Stimmung stimmt. Die Hierarchien im Team sind klar. Messi ist unantastbar, Mascherano der Wortführer, Trainer Alejandro Sabella ein Freund des Dialogs. Vom ersten Tag an in Brasilien versprüht jeder einzelne aus der Mannschaft Zuversicht und Entschlossenheit. Nicht das Wie - nur Titel zählt.


Argentiniens Schwächen

MITTELFELDLÜCKE: Müssen die Argentinier das Spiel machen, bekommen sie Probleme. Zwischen Mascherano als Aufbauarbeiter vor der Abwehr und Messi in der Offensive klafft oft eine Lücke.

BERECHENBARKEIT: So unberechenbar Messi selbst ist, so vorhersehbar ist meist die argentinische Spielanlage. Wer es schafft, die "Zehn" zu neutralisieren, wie es der Schweiz im Achtelfinale und den Niederländern im Halbfinale fast 120 Minuten gelang, vergrößert seine Siegchancen deutlich.

FORMLOCH: So klangvoll die Namen, so glanzlos manchmal auch die Auftritte. Agüero: Bis zur Verletzung im letzten Gruppenspiel ohne große Szenen. Higuaín: Bis auf sein Tor und eine weitere ganz starke Aktion beim 1:0-Viertelfinalsieg gegen Belgien eher schwerfällig. Von ihrer eigentlichen Klasse sind einige Schlüsselspieler weit entfernt.


Das Team

Nach dem Halbfinal-Erfolg gegen die Niederlande sollen diese elf argentinischen Spieler am Sonntag im WM-Finale gegen Deutschland antreten:

Sergio Romero: Galt immer als Schwachpunkt der Argentinier und war zuletzt auch bei seinem Verein AS Monaco meist nur Ersatz. Zwei gehaltene Elfmeter im Halbfinale machten ihn zum Helden.

Pablo Zabaleta: Er wird bei Manchester City ständig zum "Spieler der Saison" gewählt, nicht Agüero oder Yaya Touré. Die Fans lieben seinen Kampfgeist und Offensivdrang auf der rechten Seite.

Ezequiel Garay: Wird jedes Jahr bei Clubs wie Manchester United oder Bayern gehandelt. Dass er kein überragender Verteidiger ist, zeigt sein tatsächlicher neuer Verein: Zenit St. Petersburg.

Martin Demichelis: Dem früheren Bayern-Verteidiger gelang ein spektakuläres Comeback. Drei Jahre lang wurde er nicht für das Nationalteam nominiert. Jetzt steht er im WM-Finale.

Marcos Rojo: Spielt eine starke WM. Trainer Sabella lobte ihn sogar öffentlich. Da Linksverteidiger rar und begehrt sind, wird der 23-Jährige nicht mehr lange bei Sporting Lissabon bleiben.

Javier Mascherano: Messi ist das Herz dieser Mannschaft, aber Mascherano ihr "Symbol" und ihre "Bastion", wie Sabella sagt. Chef im defensiven Mittelfeld, sehr zweikampfstark und passsicher.

Lucas Biglia: Klose-Kollege bei Lazio Rom, ansonsten der große Unbekannte im Team. Profitierte von den schlechten Leistungen des Ex-Real-Profis Gago und nutzte seine Chance sehr zuverlässig.

Ángel di María: Alle Argentinier hoffen auf seine Genesung. Neben Messi der zweite große Star im Team. Sehr dynamisch, lauf- und dribbelstark. Schoss das erlösende 1:0 gegen die Schweiz.

Ezequiel Lavezzi: Ersatz für den verletzten Agüero. Aber auch er war Paris St. Germain 30 Millionen Euro wert. Technisch stark und fleißig. Ein Kraftprotz, der auch viel nach hinten arbeitet.

Lionel Messi: "Er ist das Wasser in der Wüste", sagt Sabella. Messi gewann dreimal die Champions League, viermal die Wahl zum Weltfußballer und 2008 Olympia-Gold. Nur Weltmeister war er noch nie.

Gonzalo Higuain: In den ersten Turnierspielen völlig außer Form. Das Siegtor gegen Belgien war für ihn wie eine Erlösung. Gefürchteter Torjäger, einziger kräftiger Stoßstürmer unter lauter Künstlern.
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