Rio de Janeiro

Olympia 2016: Fußballfrauen können heute Gold holen

Die gesteckten Ziele kann die deutsche Olympiamannschaft wahrscheinlich nicht erfüllen. Am Freitag sind aber noch einige Medaillen drin.
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Deutschlands Fußballerinnen jubeln nach ihrem Sieg im Halbfinale der Olympischen Sommerspiele Rio 2016 gegen Kanada. Am Freitag findet das Finale gegen Schweden statt. Foto: Daniel Oliveira/epa
Deutschlands Fußballerinnen jubeln nach ihrem Sieg im Halbfinale der Olympischen Sommerspiele Rio 2016 gegen Kanada. Am Freitag findet das Finale gegen Schweden statt. Foto: Daniel Oliveira/epa
Die Olympischen Spiele in Rio neigen sich dem Ende. Die deutsche Olympia-Mannschaft wird das selbst gesteckte Ziel, wie 2012 in London 44 Medaillen zu holen, in Rio de Janeiro wohl verfehlen. Jedoch hat das deutsche Team kurz vor Ende der Olympischen Spiele noch einige Medaillenchancen. Am Freitag gehen einige Einzelkämpfer und zwei Mannschaften aussichtsreich an den Start.


Highlight des Tages:

Deutschlands Fußballerinnen träumen davon, im Maracanã-Stadion gegen Schweden erstmals Olympiasieger zu werden (22.30 Uhr). "Das ist der Wahnsinn, dass mein letztes Spiel mit der Frauen-Nationalmannschaft in diesem Stadion stattfindet, sprich im Finale", sagte Bundestrainerin Silvia Neid. "Wir wollen ein i-Tüpfelchen auf das Ganze setzen. Wir würden diese Goldmedaille so gerne gewinnen." Doch das Team aus Skandinavien ist ein unangenehmer Gegner: Schweden bezwang jeweils im Elfmeterschießen Weltmeister USA (Viertelfinale) und Gastgeber Brasilien (Halbfinale).

Die Fußball-Herren stehen ebenfalls im Finale. Am Samstag wollen auch sie gegen Gastgeber Brasilien die Goldmedaille holen (22.30 Uhr).


Das bringt der Tag sonst noch:

Die deutschen Hockey-Damen können mit einem Erfolg über Neuseeland Bronze holen (17.00 Uhr). Ein Sieg ist machbar, aber keine Pflicht. "Wir haben unsere Möglichkeiten hier weit übertroffen", sagte Hockey-Verbandschef Wolfgang Hillmann.

Nach Bronze im Team-Wettbewerb rechnen sich die drei deutschen Starter im Springreiten auch im Einzel Medaillen-Chancen aus. Im zweiten Umlauf (18.30 Uhr) wird sich entscheiden, welche Plätze Christian Ahlmann, Meredith Michaels-Beerbaum und Daniel Deußer belegen.

Nadja Pries will ihr Halbfinale im BMX-Rennen (18.30 Uhr) überstehen und im Finale (20.00 Uhr) fahren. Die 22 Jahre alte Psychologiestudentin ist jedoch Außenseiterin.

Die deutsche Mannschaft kann sich Silber sichern: Sollte das Team von Trainer Dagur Sigurdsson Frankreich besiegen (20.30 Uhr), steht es am Sonntag im Finale. Die Aufgabe ist zwar knifflig, Frankreich ist Olympiasieger. 

Zwei deutsche Frauen haben beim Stabhochsprung ab 01.30 Uhr die Chance auf eine Medaille: Lisa Ryzih und Martina Strutz. Beiden gelang souverän die Qualifikation für das Finale.


Die gesteckten Ziele nicht erreicht

Die Ziele für das deutsche Olympiateam waren hoch gesteckt. Nach den drei ersten medaillenlosen Tagen zeichnete sich trotz einiger auch unerwarteter Erfolge und starker Ballsportler ab, dass die gesteckte Vorgabe wahrscheinlich nicht erfüllt werden kann.

Die deutschen Beckenschwimmer, Fechter, Slalom-Kanuten und Straßen-Radsportler blieben gänzlich ohne Edelmetall, auch die Judokas enttäuschten. Auch im Schwimmen, Gewichtheben und Badminton konnten keine Medaillen geholt werden.


Bilanz der deutschen Erfolge:

Die Beach-Girls Laura Ludwig und Kira Walkenhorst waren unschlagbar und sorgten vier Jahre nach dem Triumph von Julius Brink und Jonas Reckermann für das erste europäische Damen-Gold.

Die mit Silber dekorierte Lisa Unruh hat mit der ersten Einzel-Medaille deutscher Bogenschützen Olympia-Geschichte geschrieben und ihr selbstgestecktes Ziel mit Platz zehn weit übertroffen. Im Finale unterlag sie der Südkoreanerin Chang Heyjin.

Die deutschen Hockey-Herren fahren zum vierten Mal in Serie mit Edelmetall nach Hause. Der Olympiasieger von 2008 und 2012 erkämpfte sich Bronze im Penaltyschießen gegen die Niederlande. Die Zielvorgaben des DOSB sind damit erreicht. Für die Hockey-Damen ist noch Bronze drin.

Drei bis vier Medaillen lautete die Zielvorgabe des DOSB für die Judokas in Rio. Am Ende wurde es nur einmal Bronze für Laura Vargas Koch. Es ist das schlechteste Olympia-Abschneiden seit 2000, vor vier Jahren in London gab es noch je zweimal Silber und Bronze.

Die Reiter sind die Medaillen-Garanten im deutschen Olympia-Team. Drei bis fünf Medaillen hatte die Deutsche Reiterliche Vereinigung mit dem DOSB vereinbart, sechs sind es schon nach fünf von sechs Entscheidungen, zwei davon sind aus Gold durch Matthias Jung in der Vielseitigkeit und das Dressur-Team.

Vorzeigefahrerin Kristina Vogel hat den deutschen Radsport vor einer totalen Pleite bewahrt. Die Erfurterin gewann Gold im Sprint und Bronze im Teamsprint, ansonsten gab es viele Enttäuschungen in den Kernsparten Bahn und Straße.

Mit der ersten Medaille seit Peking 2008 sind die Ringer dank Bronze von Denis Kudla im Soll. Jedoch gingen die Pläne vom angeschlagenen Weltmeister Frank Stäbler und Ex-Weltmeisterin Aline Focken nicht auf.

Das Medaillenziel hat der Deutsche Ruderverband erreicht. Mit zweimal Gold und einmal Silber liegt der DRV voll im Soll. Allerdings schafften es nur drei der zehn in Rio vertretenen Boote ins Finale. In der Breite muss man zulegen.

Die Schützen waren in Rio ein Volltreffer. Nachdem sie vier Jahre zuvor in London ohne Edelmetall blieben, gab es dieses Mal vier Medaillen. Monika Karsch sorgte mit der Sportpistole für den silbernen Auftakt. Barbara Engleder und Henri Junghänel jeweils mit dem Kleinkalibergewehr sowie Christian Reitz mit der Schnellfeuerpistole kürten sich zu Olympiasiegern. Damit waren die Deutschen zweitbeste Nation.

Erik Heil und Thomas Plößel haben Bronze gewonnen. Die erste Olympia-Medaille seit acht Jahren soll die Initialzündung sein.

Angelique Kerber polierte mit Silber die durchwachsene Bilanz erheblich auf. Trotz ihrer Favoritenrolle im Finale beendete sie das Warten auf das nächste Gold aber nicht. 28 Jahre nach Steffi Grafs Triumph in Seoul unterlag sie Monica Puig aus Puerto Rico.

Die Mannschaften im Tischtennis machten Enttäuschungen aus dem Einzel wett. Fahnenträger Timo Boll führte die Herren zu Bronze und holte seine dritte Team-Medaille nach 2008 und 2012. Die Damen verloren sogar erst im Finale gegen die übermächtigen Chinesinnen.

Die deutschen Turner haben in der Stunde der Entscheidung alle Trümpfe ausgespielt. Der erste Olympiasieg nach 20 Jahren durch Fabian Hambüchen und die Plätze drei und vier von Sophie Scheder und Elisabeth Seitz übertrafen alle Hoffnungen.

Mit Bronze erfüllte Patrick Hausding vom Drei-Meter-Brett schon das Medaillenziel. Zwei vierte Plätze im Synchronspringen unterstrichen bei den Männern die Zugehörigkeit zur Weltspitze. Chancen vom Turm bleiben.
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