Rio de Janeiro

Löw und Generation Lahm vor Krönung

Zweiter, Dritter, Dritter - und jetzt Weltmeister? Beim vierten Turnier in der Ära Joachim Löw soll der große Triumph her. Franz Beckenbauer fühlt sich an sein siegreiches Team von 1990 erinnert. Der Weltmeister könne "nur Deutschland heißen".
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Der (damalige) Co-Trainer der Fußball-Nationalmannschaft, Joachim Löw, betrachtet am 11.04.2006 in Freiburg den FIFA-Weltmeisterschafts-Pokal. Foto: Rolf Haid/dpa
Der (damalige) Co-Trainer der Fußball-Nationalmannschaft, Joachim Löw, betrachtet am 11.04.2006 in Freiburg den FIFA-Weltmeisterschafts-Pokal. Foto: Rolf Haid/dpa
Fußball-Deutschland ist für die größte Party der WM-Geschichte bereit - jetzt soll endlich der vierte Weltmeisterschafts-Triumph her. "Der WM-Titel ist natürlich das Beste, was man erreichen kann in einer Karriere in unserem Sport. Da bist du die beste Mannschaft der Welt", erklärte Bundestrainer Joachim Löw voller Vorfreude auf das Spiel des Lebens für ihn und seine favorisierte WM-Auswahl. "Diese Mannschaft, wie sie jetzt in der Zusammensetzung ist, die ist schon absolut klasse", sagte der Chef der Titelmission im ARD-Hörfunk. "Jetzt sind wir da, jetzt haben wir die Chance. Klar, jetzt wollen wir sie wahrnehmen."

Die Jubelbilder aus der Heimat von Millionen auf den Fanmeilen sollen das Team um Kapitän Philipp Lahm im heißen Finale gegen Superstar Lionel Messi und die Argentinier am Sonntag (21.00 Uhr/ARD) im Fußball-Heiligtum Maracanã noch einmal extra pushen. Diese Szenen seien "die beste Motivation", versicherte Löw. Und anders als 1954, 1974 und 1990 ist seit dem Sommermärchen 2006 bei Turnieren immer schwarz-rot-goldene Dauerparty in der Heimat angesagt. "Das ist für alle ein ganz geiles Gefühl, wenn man sieht, wie sich die Fans freuen, wie sie zusammenstehen. Es macht auch uns Freude, unsere Fans glücklich zu machen", schwärmte der Bundestrainer.

Über alle Diskussionen um seine Zukunft nach dem großen Finale zeigte sich Löw amüsiert. "Ich habe ja einen Vertrag und werde nach dem Spiel mal mit unserem Präsidenten reden. Vielleicht schmeißt er mich ja auch raus, kann ja alles passieren", sagte Löw, bis 2016 an den DFB gebunden, mit einem Schmunzeln. "Also ich schau mal, wie es nach dem Spiel aussieht."

Strahlende Gesichter waren bei der finalen WM-Reise zuhauf im deutschen Kader zu sehen, der zwei Tage vor der dritten Auflage dieser Endspielpaarung in Rio de Janeiro Quartier bezog. Man wolle "längere Zeit in Rio sein, um ein bisschen mehr das Feuer zu spüren", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff.

Zuvor wurden beim Auszug nach 33 Tagen aus dem Campo Bahia fleißig Erinnerungsfotos geknipst, danach aber fokussierte sich die DFB-Delegation umgehend wieder auf das erwartete hitzige Duell mit den "Gauchos". "Wir hauen alles raus! Wir werden alles auspacken, was wir fußballerisch und kämpferisch in unserem Rucksack haben", versprach Thomas Müller. Die auserkorenen Gipfelstürmer wirken so, als würden sie am liebsten gleich losstürmen.

Für den Torschützenkönig von 2010 geht es mit fünf Toren und drei Vorlagen auf dem Konto beim großen Finalduell gegen Messi (4/1) nebenbei auch darum, sich noch vor den Kolumbianer James Rodríguez (6 Tore/2 Vorlagen) zu setzen. "Das eine geht leichter mit dem anderen genauso wie umgekehrt. Wenn ich ein Tor mache, hilft das in beiden Competition", erklärte der 24-Jährige. Müller steht wie Mats Hummels, Toni Kroos und Philipp Lahm auf der Liste der zehn Kandidaten für die Wahl zum Gewinner des Goldenen Balls. Manuel Neuer gehört zu den drei Nominierten für die Wahl des besten Torhüters des Turniers.

"Das ist ein Riesenerfolg, auch ein Riesenerfolg für Fußball-Deutschland", sagte Bierhoff mit Blick auf das dritte Finalduell mit der Albiceleste. "Alle sind guter Dinge und sind jetzt so weit gegangen, sie möchten es sich nicht mehr nehmen lassen." 24 Jahre nach dem letzten Triumph von Lothar Matthäus & Co. will nun Lahm den rund 6,2 Kilo schweren Goldpokal in die Höhe stemmen.

"Die Parallelen zu 1990 springen geradezu ins Auge. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb", erinnerte der Teamchef von damals, Franz Beckenbauer, an die "starke Gemeinschaft" im Team. Jetzt soll auch die Generation um Lahm, Schweinsteiger und Podolski ihren Titel feiern. "Jede Mannschaft hat ihre Geschichte", erklärte Bierhoff. In der 1990er-Mannschaft hätten viele Spieler mit ihren Vereinen Erfolge gefeiert, jetzt vor allem die Bayern. "Die Reife der Spieler hat man von Anfang an hier gespürt."

Gerade die Bayern wissen aber auch, dass die gigantische deutsche Zuversicht vor dem Match im Maracanã noch gar nichts zu sagen hat. Denn vor der Mutter aller Niederlagen beim Champions-League-Finale dahoam war der Optimismus ebenfalls riesengroß - das tränenreiche Ende ist bekannt. "Erfahrung ist schon wichtig und das nicht nur in der Nationalmannschaft, sondern auch im Vereinsfußball", erklärte Lahm.

Für den Kapitän spielen die vergangenen Duelle mit den "Gauchos", wie etwa das im Elfmeterschießen im Viertelfinale 2006 mit anschließender Rauferei, keine Rolle. "Das betrifft die Spieler nicht wirklich, dass es nach dem Spiel ein bisschen Ärger gab", gab sich der 30-Jährige cool. Bierhoff ist auf einen erneut hitzigen Fight eingestellt. Auf dem Platz würden die Argentinier "zu ganz anderen Menschen", erklärte der Teammanager: "Die betreten den Platz und dann haben sie Feuer in den Augen, dann geht es heiß her. Ein Hindernis, dass wir überstehen müssen."

Das andere große Hindernis heißt Lionel Messi. Das Spiel der Südamerikaner ist ganz auf den mehrmaligen Weltfußballer zugeschnitten. Dreimal lief der Star der Argentinier gegen Deutschland auf, zweimal gewann er in Freundschaftsspielen, schoss ein Tor, einmal unterlag er im WM-Viertelfinale 2010.

"Natürlich ist vieles auf Messi zugeschnitten. Aber der ist ja auch überragend, der macht Sololäufe, so dass er immer wieder zwei, drei andere freispielen kann", schilderte Löw. "Das macht die Mannschaft ja auch gefährlich. Diese Mannschaft ist auch sehr aggressiv, zweikampfstark und sehr harmonisch." Man werde auf einen Gegner treffen, "der bei uns viel Hektik und viel Unruhe verbreiten wird". Aber stoppen lassen will sich der deutsche Tor-Express (17 Turniertreffer) davon nicht.

Die "größere Klasse" sieht Beckenbauer als Teamchef des letzten Titelgewinns beim deutschen Team. "Hinzu kommt das Umfeld bei diesem Endspiel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die brasilianischen Zuschauer am Sonntag die Argentinier unterstützen. Zusammen mit unseren Fans wird dies ein Heimspiel im Maracanã", erklärte der "Kaiser", neben Helmut Schön und Sepp Herberger DFB-Weltmeistertrainer. Und die Antwort auf die Frage nach dem neuen Weltmeister fiel eindeutig aus: "Der kann nur Deutschland heißen."

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