München
 Bundesliga

FC Bayern gegen RB Leipzig: Wer ist der Stärkste im Land?

 Mit Bayern München und RB Leipzig stehen sich nicht nur auf dem Platz völlig unterschiedliche Philosophien gegenüber.
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Kombo mit Archivfotos zeigt Bayerns Trainer Carlo Ancelotti und den Trainer des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig, Ralph Hasenhüttl RB Leipzig spielt am 21.12.2016 auswärts gegen den FC Bayern München. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa
Kombo mit Archivfotos zeigt Bayerns Trainer Carlo Ancelotti und den Trainer des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig, Ralph Hasenhüttl RB Leipzig spielt am 21.12.2016 auswärts gegen den FC Bayern München. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa
Noch bevor Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Sonntagabend in den Katakomben des Darmstädter Stadions am Böllenfalltor den Ausgang suchte, hat der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern dem Fußball-Land einen schönen Spruch hinterlassen. "Wer gegen den FC Barcelona, Real Madrid und Manchester United gespielt hat, der ist auch für RasenBallsport bereit." Eine Stichelei in Richtung RB Leipzig. Doch nicht die verbalen Spitzen entscheiden das Spitzenspiel an diesem Mittwoch, in dem sich - bei fast identischer tabellarischer Ausgangslage - zwei polarisierende Klubs mit unterschiedlichen Ansätzen begegnen. Platzhirsch empfängt Emporkömmling. Mit offenem Ausgang. Der Vergleich.

1. Die Klubs: Der FC Bayern ist der Global Player aus der Bundesliga. Rekordmeister, Branchenführer, Trendsetter. National und international. Anspruchsdenken und Strahlkraft gehen weit über die Landesgrenzen hinaus. Laut Marktforschung hat der Klub weltweit 600 Millionen Sympathisanten. Jüngst wurde bei Facebook die Schallmauer von 40 Millionen Fans durchbrochen, mehr als drei Viertel sind aus dem Ausland. Es gibt eigene Büros in den USA und China. RB Leipzig kämpft hierzulande hingegen teilweise noch immer um Akzeptanz für ein Red-Bull-Projekt, das 2009 mit Übernahme des Startrechts vom SSV Markranstädt in der fünften Liga begann. 2010 zog der Klub in die zur WM 2006 erbaute Arena im alten Zentralstadion. Es folgten Aufstiege in die Regionalliga (2010), Dritte Liga (2013) und zweite Liga (2014). Der Verein ist durch die Struktur mit handverlesenen stimmberechtigten Mitgliedern gegen jede Einflussnahme abgesichert. Die Zahl der Fans und Fanklubs (96) wächst stetig, in der Stadt und der Region ist RB inzwischen gut verankert.

2. Die Wirtschaftskraft: Der FC Bayern vermeldete erst Ende November auf der Jahreshauptversammlung neue Rekorde: einen Umsatz von 628 Millionen Euro und einen Gewinn von 33 Millionen. Das Festgeldkonto ist mit 424 Millionen prall gefüllt. Die Münchner haben einen Gesamtpersonalaufwand von 260 Millionen. Neuer Topverdiener soll Robert Lewandowski mit 15 Millionen Euro Jahresgage sein. Manuel Neuer, Thomas Müller oder Jerome Boateng liegen nicht weit darunter. RB Leipzig legt keine Zahlen offen. Nicht dementiert wird, dass Red-Bull-Begründer Dietrich Mateschitz rund 250 Millionen in den Verein ("die roten Bullen") gepumpt hat. Darunter Investitionen wie das hochmoderne Trainingszentrum am Cottaweg. Für die Profis gibt es einen selbst auferlegten Salary Cup von angeblich drei Millionen Euro Jahresgage. Sportdirektor Ralf Rangnick hat angekündigt, diesen in einigen Jahren vielleicht anzupassen. Bisher würde Leipzig mit dem Gehaltsetat (rund 30 bis 35 Millionen) im Mittelfeld liegen. Rangnick: "Acht andere Erstligisten hätten jeden einzelnen Spieler, den wir geholt haben, auch holen können."

3. Die Spielweisen: Der FC Bayern ist beim Ballbesitz (69 Prozent) und der Passquote (89 Prozent) unerreicht. Dort kommt die (technische) Qualität der Einzelspieler zum Tragen. Die Ballbehandlung ist selbst bei Torwart Neuer perfektioniert, noch greifen viele Automatismen aus der Ära Pep Guardiola. Häufig, wie gerade in Darmstadt (1:0), müssen sich die Münchner unter Carlo Ancelotti seit dieser Saison auf ihre individuelle Klasse verlassen. RB Leipzig setzt auf einen kraftraubenden Powerstil und reizt dabei sein Limit aus. Die Sachsen laufen viel mehr als die Bayern (116,1:111,3 Kilometer), haben aber seltener den Ball (Ballbesitz 51 Prozent) und spielen deutlich mehr Fehlpässe (Passquote 73 Prozent). Eine Folge des risikoreichen Umschaltspiels. "Unser ganzes Spiel ist darauf angelegt, Bälle zu jagen, zu erobern und dann geht nach vorne die Post ab. Davon werden wir nicht lassen", erklärt Rangnick. Ancelotti verspricht: "Wir sind auf jede Spielweise vorbereitet. Ob einer tief oder hoch verteidigt, ist für uns nicht entscheidend."

4. Die Mannschaften: Der FC Bayern beschäftigt Stars, Stars, Stars. Der Marktwert des Luxuskaders liegt laut transfermarkt.de bei 582 Millionen Euro. Trainer Ancelotti hat die Mannschaft für Mittwoch schon im Kopf. Die zuletzt pausierenden Arjen Robben und Philipp Lahm sind wieder fit. Beide hätten "ohne Probleme" am geheimen Abschlusstraining teilgenommen, berichtete Ancelotti. Auch Franck Ribéry dürfte nicht erst von der Auswechselbank kommen. Damit könnte wieder ein 4-2-3-1-System wie zuletzt gegen Wolfsburg (5:0) und in Mainz (3:1) greifen: mit Robben und Ribery (oder Costa) auf den Flügeln, Freigeist Müller hinter Torjäger Lewandowski. Das liegt dem Team eher als das zu starre 4-3-3.
Leipzig vertraut einem eingespielten Gerüst, das bereits in der zweiten Liga für den Brauseklub am Ball war. Der Marktwert des Aufgebots liegt bisher bei 82 Millionen, mit stark steigender Tendenz. Von den Neuzugängen haben allein Verteidiger Bernardo, Mittelfeldantreiber Naby Keita und Stürmer Timo Werner Stammplätze. Das Team agiert in einem variablen 4-4-2 mit zwei flexiblen Außen (Marcel Sabitzer, Emil Forsberg) und zwei beweglichen Spitzen (Yussuf Poulsen, Timo Werner).
Es gibt eine feste Startelf, rotiert wird erst bei Verletzungen und Sperren. Das Kollektiv wird auch von den Ersatzspielern gelebt, die meist auf Anhieb funktionieren.

5. Die Trainer: Carlo Ancelotti (57) gilt als Genussmensch und Pragmatiker. Der Italiener ist vor allem nach München gekommen, um das vierte Mal die Champions League zu gewinnen. Die K.o.-Spiele in der Königsklasse werden bei den Bayern in der Rückrunde alles überstrahlen. In die Alltagsaufgabe in der Bundesliga verbeißt sich der Routinier längst nicht so versessen wie Kollege Ralph Hasenhüttl (49), der RB Leipzig nach Stationen in Unterhaching, Aalen und Ingolstadt als größte Chance einer Trainerkarriere begreift.
Der einstige Bayern-Spieler (zweite Mannschaft) hat mit seiner hungrigen Bande nur noch die Bundesliga-Bühne und tüftelt gerne maßgeschneiderte Matchpläne aus. Der Österreicher erklärt: "Wir haben jede Woche eine andere Herangehensweise an unser Spiel, weil jeder Gegner andere Stärken hat. Zusammen mit den Video-Analysten und Co-Trainern wird über Stunden ein Matchplan ausgearbeitet, der dann hoffentlich der richtige ist." Auch beim Mega-Gipfel am Mittwoch?


Die Aufstellungen

FC Bayern München:
Neuer - Lahm , Javi Martinez , Hummels , Alaba - Xabi Alonso - Vidal , Thiago - Robben , Douglas Costa - Lewandowski

RB Leipzig:
Gulacsi - Bernardo , Ilsanker , Orban , Halstenberg - Keita , Demme - Sabitzer , Forsberg - Ti. Werner , Y. Poulsen