Bamberg
ABC zur EM 2016

EM 2016: Die Fußball-Europameisterschaft von A bis Z - für Einsteiger (-innen)

Die EM 2016 beginnt. Die Folge: Niemand ist vor Fußball sicher, nirgends, niemals. Damit auch Einsteiger(-innen) mitreden können, das EM-ABC.
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Die Europameisterschaft 2016 steht an: Am 10. Juni geht es los. Damit auch die mitreden können, die sich seit 2014 nicht mehr für Fußball interssiert haben, hat inFranken.de nochmal die wichtigsten Stichworte zusammengefasst. Foto: Wolfgang Kumm, dpa
Die Europameisterschaft 2016 steht an: Am 10. Juni geht es los. Damit auch die mitreden können, die sich seit 2014 nicht mehr für Fußball interssiert haben, hat inFranken.de nochmal die wichtigsten Stichworte zusammengefasst. Foto: Wolfgang Kumm, dpa
A wie Abseits: Vereinfacht lautet die Abseitsregel, dass der Stürmer nicht näher am Tor stehen darf als der Verteidiger. Alles andere wird kompliziert, daher der Tipp: Beim Gegner lieber einmal zu oft "Abseits" gebrüllt als zu wenig. Und bei uns (Deutschen) ist Abseits natürlich immer eher eine Fehlentscheidung des Schiris, die der Experte mit "im Leben nicht" kommentiert.

B wie Ball spielen: "Er hat nur den Ball gespielt" - Bei diesem Satz runzelt die Einsteigerin die Stirn, denn sie weiß: " Ähhh jaaaa..., die spielen mit einem Ball." Doch dabei handelt es sich nicht um eine Erinnerung für die allzu Betrunkenen, sondern es bedeutet, dass der Spieler nicht gefoult hat oder foulen wollte, sondern nur daran interessiert war, den Ball zu erobern. Auch hier gilt: Unsere Jungs wollen freilich eher den Ball spielen.

C wie Chance: Wenn der Ball fast ins Tor ging oder zumindest halbwegs in die Nähe kam, spricht man von Chance. Wenn es wirklich knapp war, kommentiert der phrasensichere Fan: "Des war a Hundertprozentige". Die Anzahl der Chancen bemisst auch, welche Mannschaft die stärkere war. Oder, um es mit Lothar Matthäus auszudrücken: "Das Chancenplus war ausgeglichen."



D wie Deutschland: Während der Fußballmeisterschaft meist als "Schland" abgekürzt. Deutschland hält mit Spanien den Europameisterschaftsrekord, beide Nationalteams haben den Titel dreimal geholt. Spanien 1964, 2008 und 2012 und Deutschland 1972, 1980 und 1996.

E wie Elfer: Beim Elfmeter oder Strafstoß liegen Glück und Katastrophe ganz nah beieinander. Trifft der Schütze, wird der Mannschaft ein Tor geschenkt. Verschießt er, ist er der Depp der Nation. Der Depp unter den Nationen beim Elfmeterschießen war bislang übrigens England, worauf man auch immer wieder hinweisen sollte.

F wie Flitzer: Nackte oder Halbnackte, die über das Spielfeld rennen. Wer sich jetzt auf die willkommende Abwechslung in manch langweiligem Spiel freut, der wird enttäuscht sein. Auf Anordnung der Fifa werden Flitzer im Fernsehen nicht mehr gezeigt.

G wie Grätsche: Wenn es einem Spieler gelingt, sich fallen zu lassen und dabei sein Bein so in die Schussbahn des Balles zu platzieren, dass er seinem Gegner den Ball abnimmt (Vergleiche auch B wie Ball spielen), heißt das Grätsche. Gelingt das nicht und der Spieler trifft das Bein des Gegners, nennt man das Blutgrätsche, die mit Freistoß oder gar mit einer Gelben oder Roten Karte bestraft wird. Zu recht: Denn wie der Ausdruck Blutgrätsche schon andeutet, kann das ganz schön böse werden.



H wie Hymne: Bei einer Fußballmeisterschaft sieht man Fußball - eh klar. Doch das ist nicht alles. Man hört die Spieler nämlich auch singen - oder so was ähnliches. Wenn die Hymne erklingt, fährt die Kamera an jedem einzelnen Spieler vorbei, das Mikro unbarmherzig auf all die Geräusche gerichtet, die dem Korpus des Sportlers entweichen.

I wie Italien: Italien ist der Angstgegner Deutschlands. Die sogenannten Azzurri (deutsch: Die Azurblauen) haben der Nationalelf schon häufiger das Turnier vermasselt also es beendet. Die jüngsten bitteren Beispiele sind die Niederlagen im Halbfinale der Euro in Polen und der Ukraine 2012 (1:2) und im Halbfinale der WM 2006 in Deutschland (0:2). Auf der anderen Seite sind wir 1990 in Italien Weltmeister geworden, so dass die Azzurri wohl auch Respekt vor den Deutschen haben. Weiterer wichtiger Punkt zu Italien: Die italienischen Kicker sind für ihre Schauspielkunst berühmt-berüchtigt. (Vergleiche S wie Schwalbe)

J wie Jogi: Seit Jürgen "Klinsi" Klinsmann 2006 nach dem Sommermärchen den Bundestrainer-Posten an den Nagel gehängt, ist der Joachim Löw unser "Bundes-Jogi". Mit "Dischziplin" und Taktik hat der Bade die Deutschen 2014 zur Weltmeisterschaft gecoacht.

K wie Kommentator: Zu jedem schönen Fußballabend unter Freunden gehört das Meckern über den Kommentator mit Sätzen wie "Was labert der?!" oder "Der erzählt einen Stuss!". Die Tatsache, dass der Ton dennoch immer läuft, lässt darauf schließen, dass es sich dennoch um eine Art Fußballritual handelt. Beim Public Viewing entfällt diese Sitte, da man sowieso nur Grölen hört.
L wie Latte: Die Latte bezeichnet nicht das italienische Halbzeitgetränk, sondern den oberen Querbalken am Tor. Während man die Seitenstangen als Pfosten bezeichnet. Trifft eine Mannschaft mehrmals nur selbige statt in das Netz, ist es Zeit für ein weiteres legendäres Fußballerzitat. Jürgen Wegmann, auch die "Kobra" genannt, sagte einmal: "Da hat man schon kein Glück und dann kommt noch Pech dazu."

M wie Müllern: Müllern beschreibt ursprünglich die besondere Art des Tore Schießens der deutschen Stürmer-Legende Gerd Müller, der mit der deutschen Nationalmannschaft 1972 Europameister und 1974 Weltmeister wurde. Heutzutage findet es Anwendung auf die Tore von Thomas Müller, denn auf den Stürmer des FC Bayern passt der Ausdruck ebenso gut. Der 26-Jährige besitzt einfach den Torriecher und dazu noch eine perfekte Technik, so dass wir den Satz "Den hat er ins Tor gemüllert." Sicher auch bei dieser EM oft hören werden.

N wie Niederlande: Die Holländer sind im Fußball die Intimfeinde Deutschlands, so dass man oder frau immer gern wieder erwähnen kann, dass sie bei der Qualifikation ausgeschieden sind. Niederlande ist also bei der EM 2016 nicht dabei. Hehehe...

O wie O-Beine: Fußballer haben O-Beine, so eine landläufige Meinung. Prominente Beispiele gibt es genug: Die berühmtesten O-Beine hat wohl Pierre Littbarski, er ging mit den krummsten Beinen in die Fußballgeschichte ein. Und tatsächlich gibt es Studien, die die diese Fehlstellung vor allem bei Fußballern nachwiesen. Ob aber das Kicken die Krümmung hervorruft, die aus einseitiger Belastung resultiert, ist bei Forschern umstritten.

P wie Pressing: Hat nichts mit Geburtsvorbereitung zu tun. Dabei geht es um eine moderne Fußballtaktik: Wenn eine Mannschaft presst, setzt sie den Gegner unter Druck, indem sie früh angreift. Dadurch soll der Gegner in seinem Spiel gestört werden, so dass er Fehler macht und Tore kassiert.

Q wie Quote: Die TV-Quote ist bei Fußballmeisterschaften immer extrem hoch. Das Endspiel der WM 2014 gegen Argentinien sahen in Deutschland 34,5 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 86,3 Prozent entspricht, Rekord im deutschen Fernsehen. Nicht eingerechnet wurden übrigens all diejenigen, die beim Public Viewing oder in Gaststätten Fußball schauten.

R wie Rudelbildung: Der zugegeben etwas animalische Ausdruck bezeichnet eine Ansammlung von mehreren Spielern bei einer Unterbrechung. Für alle, die sich beim Fußball eher für Emotionen als für Taktik interessieren (Frauen halt) ist die Rudelbildung stets eine verheißungsvolle Entwicklung. Denn spätestens dann wird das Spiel interessant.

S wie Schwalbe: Hat nichts mit Vögeln zu tun, sondern so nennt man den unsportlichen Versuch eines Spielers, ein Foul vorzutäuschen. Das geschieht meist, indem sich der Spieler möglichst theatralisch hinfallen lässt, um einen Freistoß oder einen Elfmeter zu schinden. Und ja, Schwalben werden tatsächlich trainiert. Schwalbenkönige sind übrigens die Italiener (vergleiche I wie Italien), was den Experten zu Sätzen verleitet wie "Die fallen schon um, wenn man sie nur anschaut!"



T wie Trikot: Wenn sich ein Spieler nach einem Tor das Trikot vom Leib reißt und der nackte, gestählte Oberkörper zum Vorschein kommt, wissen die weiblichen Fans wieder, warum sie Fußball schauen. Seit 2004 ist das aber verboten und wird mit einer Gelben Karte bestraft. Für Freunde des männlichen Rumpfs lohnt es sich daher, das Spiel zu Ende zu gucken, denn dann werden die Trikots getauscht.

U wie Uefa: Was die Fifa für die ganze Welt und der DFB für Deutschland, ist die UEFA für Europa. Die Fußballverbände sind zuletzt aufgrund zahlreicher Schmiergeldaffären ins Gerede gekommen. So werden die Verbände häufig mit dem liebvollen Zusatz "Fußballmafia" skandiert.

V wie Verlängerung: Ab dem Achtelfinale muss es in jedem Spiel einen Gewinner und einen Verlierer geben, so dass viele Partien in der Verlängerung entschieden werden. Dann kommen auf die 90 Minuten noch zweimal 15 Minuten oben drauf. Da kommen dann auch Spitzensportler an ihre Grenzen. Verlängerungen sind geprägt von Wadenkrämpfen. Und wenn auch die letzten Energiereserven keine Entscheidung bringen können, geht es ins Elfmeterschießen (vergleiche E wie Elfer).

W wie Wahrheit: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz." Dieses berühmte Zitat von Trainer Otto Rehhagel, der 2004 mit den Griechen Europameister in Portugal wurde und deshalb auch unter dem Namen Rehhagelis bekannt ist, hat fast schon was Philosophisches.

X wie Satz mit X: War wohl nichts. Beliebte Phrase, wenn starke Mannschaften wie Spanien, England, Frankreich, Portugal, ja auch Deutschland, in der Vorrunde ausscheiden.

Y wie Youngster: Jedes Turnier hat seine Youngster. Bei der WM 2006 wurde David Odonkor überraschend berufen. Thomas Müller ist seit der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika weltbekannt. 2014 war es Christoph Kramer.

Z wie Zaubern: Dieser Ausdruck wird verwendet für einen virtuosen Umgang mit dem Ball. Früher als man in Deutschland noch den guten alten Rumpelfußball spielte, zauberten nur Südamerikaner oder Südeuropäer, heutzutage aber wendet man das Wort auch mal auf deutsche Spieler an, zum Beispiel Mesut Özil, Marco Reus und Mario Götze (in der Redaktion allerdings umstritten) an - und wenn es nur in der Werbung ist.