Bamberg
Kommentar

Die Bühne der Despoten

Wie frei können Journalisten beim Confederations Cup auch über Nicht-Fußball-Themen berichten? Diese Frage löst eine heftige Debatte aus.
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Russlands Präsident Wladimir Putin (hier mit Fifa-Boss Gianni Infantino) ist immer am Ball - auch wenn es um Korruption und die Verletzung von Menschenrechten geht. Foto: Maxim Shipenkov, dpa
Russlands Präsident Wladimir Putin (hier mit Fifa-Boss Gianni Infantino) ist immer am Ball - auch wenn es um Korruption und die Verletzung von Menschenrechten geht. Foto: Maxim Shipenkov, dpa
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Man hätte Wetten darauf abschließen können, dass Wladimir Putin während der Fußball-WM 2018 kritische Berichte über die Menschenrechtsverletzungen in seinem Land verhindern will. Der Confed Cup im Sommer gilt als Probelauf für die WM. Und Putin nutzt ihn als Test, wie er mit perfiden Restriktionen Journalisten aus aller Welt möglichst ausschließlich in den Stadien halten kann. Dass der Weltfußballverband dabei mitspielt, war klar: Auch in der Nach-Blatter-Ära ist die Fifa weit davon entfernt, von ihrem Image als korrupter und nepotistischer Sportverband loszukommen.


Sport ist immer auch politisch

Josef Blatter hatte die umstrittenen WM-Vergaben nach Russland und Katar einst eingefädelt, der neue Mann an der Spitze, Gianni Infantino, ist nicht mehr als ein willfähriger Vollzugsbeamter. Somit läge es also an den Nationalteams, ein Zeichen zu setzen. Wer dem Sport politische Bedeutung abspricht, der lügt sich in die Tasche. Seit jeher sind sportliche Großereignisse für Diktatoren aller Art die Bretter, die die Welt bedeuten. Das war bei den Olympischen Spielen 1936 in Nazi-Deutschland so; das war bei den Boykott-Spielen 1980 und 1984 so; und das war 2014 so, als Sotschi zur großen Putin-Show geworden war. Despoten brauchen Glanz und Gloria der Sport-Bühne, um von ihrem menschenverachtenden Wirken abzulenken.


Eine WM ohne europäische Teams

Was gäbe es Besseres, als ihnen das Spielzeug wegzunehmen. Man stelle sich vor, die europäischen Nationalverbände wären sich einig, bei der WM geschlossen nicht teilzunehmen, wenn Putin keine Pressefreiheit garantiert. Eine WM ohne europäische Teams ist keine WM. Derartige Wirkungstreffer hätten größere Effektivität als jegliche Wirtschaftssanktion. Immerhin will sich der durchaus einflussreiche DFB-Chef Reinhard Grindel bei der Fifa dafür einsetzen, dass die Journalisten beim Confed Cup frei berichten können. Man darf Wetten abschließen, um vorherzusagen, wie das ausgeht. Was sich am Ende ändern wird: nichts.