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Parteibasis

SPD: Fränkin ärgert sich über Martin Schulz

Das Bamberger SPD-Mitglied Gudrun Stenglein bat im September den Parteivorstand um eine Erklärung für das Nein zur Groko. Antwort: Fehlanzeige.
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Wenn Gudrun Stenglein an den 24. September 2017 denkt, ist sie immer noch verärgert. Für sie kam das "Nein" von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zu einer großen Koalition völlig überraschend. "Davon war vorher keine Rede", sagt Stenglein, promovierte Juristin und seit über 20 Jahren Mitglied im SPD-Ortsverein Bamberg-Gaustadt.


Nur standardisierte Antwort

Sofort nach der Bundestagswahl schrieb sie deshalb einen Brief an den Parteigenossen "Martin" sowie an den SPD-Landesverband - und hat bis heute keine Antwort erhalten. Zumindest keine persönliche. "Von der Parteizentrale aus Berlin kam der standardisierte Hinweis, Martin Schulz noch einmal über eine andere Internetseite kontaktieren zu können. Das habe ich gemacht, aber nie mehr etwas gehört." Vermutlich dürfte Stenglein nicht die Einzige gewesen sein, die ihrem Ärger nach der Bundestagswahl Luft machte. Auskünfte über die Zahl der Zuschriften sind allerdings nicht zu bekommen. "Wir erhalten auf unterschiedliche Art und Weise Bürgerinformationen, da geben wir keine Daten heraus", sagt Philipp Geiger vom SPD-Parteivorstand in Berlin.


Aus Bayern gar keine Reaktion

Während von dort immerhin eine automatische Antwort in Stengleins Postfach einging, entpuppte sich ihre Anfrage an die Bayern-SPD als komplette Fehlanzeige. "Ich habe bis heute keine Antwort von der Landesvorsitzenden Natascha Kohnen erhalten", sagt die engagierte Bambergerin.

Ihr Vater Andreas Stenglein, früher selbst Landtagsabgeordneter der SPD, wollte das "Nein" von Martin Schulz ebenfalls nicht kritiklos hinnehmen und wandte sich direkt an Andreas Schwarz. Der Bundestagsabgeordnete der SPD für die Regionen Bamberg, Forchheim und Coburg war sich für eine Antwort nicht zu schade und warb in einem Schreiben um Verständnis.


"Von Opposition war keine Rede"

Dieses bringt Gudrun Stenglein nach wie vor nicht auf. "Es hat mich gestört, dass sich Martin Schulz gleich nach der Wahl hingestellt und gesagt hat, wir gehen in die Opposition. Das war so in der Basis nicht abgesprochen."

Immerhin habe jeder Fünfte die SPD gewählt "und aus Gründen der Staatsräson war ich der Meinung, dass man in die große Koalition gehen muss", sagt Stenglein. "Die Verweigerungshaltung bringt da gar nichts." Sie begrüßt deshalb die Entscheidung des Parteitags vom Wochenende als "guten Konsens". Bei der dort beschlossenen Mitgliederbefragung - "das ist Basisdemokratie, da nehme ich natürlich teil und stimme für die Groko" - ist sie unsicher. "Ich hätte die Mitglieder nicht befragt, um das knappe Ergebnis nicht zu gefährden. Vielleicht erleben wir da noch eine Überraschung."


SPD wird kleingeredet

Eigentlich, merkt Stenglein an, hätte Angela Merkel mit über 30 Prozent aus der Bundestagswahl den Auftrag der Regierungsbildung. "Aber darüber spricht niemand, jeder gibt der SPD die Schuld." Die Ergebnisse aus den Sondierungsgesprächen seien ganz gut, "aber sie werden kleingeredet", ärgert sich Stenglein.