Die Zahl der Internet-Straftaten ist im vergangenen Jahr erneut angestiegen. Das geht aus einer Erhebung des Bundeskriminalamtes (BKA) und des Branchenverbands BITKOM hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr wurden 257.486 Fälle registriert, bei denen das Internet das Tatmittel war. Das sind rund zwölf Prozent mehr als 2013.

Die Zahl sogenannter Cybercrime-Delikte lag bei 64.426 Fällen (2012: 63.959). Dazu zählen das Fälschen und Ausspionieren von Daten, Betrug beim Online-Banking sowie Hackerangriffe auf Behörden oder Unternehmen. Auch die sogenannte digitale Erpressung hat zugenommen. Dabei fordern Kriminelle Lösegeld von den Betroffenen, um etwa Computer zu entsperren. Den Experten zufolge liegt die Dunkelziffer deutlich höher, da nicht alle Fälle angezeigt werden.

Rund 25 Prozent der Fälle konnten aufgeklärt werden. Das Bundeskriminalamt hat für den Kampf gegen Cybercrime bis zu 150 Spezialisten im Einsatz. In diesem Zusammenhang nannte BKA-Präsident Jörg Ziercke die Entlarvung einer Internet-Plattform für Kinderpornografie, die zuvor mehr als zwei Millionen Nutzer registriert hatte.

Ziercke zufolge reagieren die Internetkriminellen "professionell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards und passen ihre Methoden neuen Rahmenbedingungen an". Er appellierte an Bevölkerung und Privatwirtschaft, die Frage der IT-Sicherheit nicht zu unterschätzen, und forderte mehr Unterstützung bei der Aufklärung.

Auch BITKOM-Präsident Dieter Kempf rief zu mehr Vorsicht bei der Internetnutzung auf. Viele Nutzer würden aus Bequemlichkeit bestimmte Sicherheitsmaßnahmen nicht vornehmen, wie eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Bürgern ergeben habe. Auch nach Bekanntwerden großer Datendiebstähle hätten nur zwei Drittel der Befragten ihre Passwörter geändert. Diese Sorglosigkeit könne fatale Folgen haben, betonte Kempf.

Dem Branchenexperten zufolge hängt in der Wirtschaft das Bewusstsein für die IT-Sicherheit mit der Größe des Unternehmens zusammen. Vor allem Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitern hätten deshalb unter Internetkriminalität zu leiden, sagte Kempf. Der NSA-Abhörskandal sei jedoch ein "kleiner Weckruf" gewesen. Vor mehr als einem Jahr war über den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden bekannt geworden, dass die US-Behörde massenweise Daten ausspäht. Danach erhöhten Kempf zufolge ein Drittel der Unternehmen ihre IT-Sicherheit.