Den Streit um verkaufsoffene Sonntage gibt es seit Jahren, jetzt hat er Fahrt aufgenommen: Deutsche Warenhausketten wie Karstadt und Kaufhof haben am Montag gefordert, die Läden an bis zu zehn Sonntagen im Jahr öffnen zu dürfen. Grund: Der nicht an Öffnungszeiten gebundene Onlinehandel nehme den Geschäften Umsätze weg. Das sei diskriminierend, der Einzelhandel müsse mit mehr Einkaufstagen gegensteuern dürfen.

Zehn verkaufsoffene Sonntage - das ginge weit über das hinaus, was bislang in Bayern zulässig ist. Laut Gesetz dürfen dort nur an höchstens vier Sonntagen im Jahr die Ladentüren zwecks Verkaufs geöffnet werden. Wann das jeweils ist, regeln die Kommunen in Absprache mit der örtlichen Geschäftswelt. Zehn verkaufsoffene Sonntage wären zudem deutlich mehr als das, was es bislang in Franken tatsächlich gibt: In Würzburg, Bamberg und Schweinfurt zum Beispiel wird jeweils nur ein Sonntag im Jahr als verkaufsoffen genutzt.

Der heißt in Würzburg beispielsweise aus Tradition "Mantelsonntag". Hinzu kommen vereinzelte, an andere Veranstaltungen gebundene Verkaufssonntage wie im April der Fischmarkt in Schweinfurt, als in der Innenstadt ebenfalls Geschäfte geöffnet waren. Eine HBE-Studie vom Oktober 2016 sieht im Übrigen verkaufsoffene Sonntage nach Einkaufsnächten oder ähnlichen Aktionen von Händlern als wirksamstes Mittel für langfristigen Umsatz und Kundenbindung.


Kirche und Verdi dagegen

Egal wie ausgeprägt die verkaufsoffenen Sonntage sind, gestritten wird darüber viel und grundsätzlich. Während der Handelsverband Bayern (HBE) eine Lockerung verlangt, sind die Kirche und die Gewerkschaft Verdi strikt dagegen. "Wir könnten hier drei Leute einstellen, die sich nur um verkaufsoffene Sonntage kümmern", skizziert Peter König von Verdi Unterfranken die Dimension des Streits. Ihn störe vor allem, dass es "da einen völligen Wildwuchs gibt". Hier Hausmessen einzelner Geschäfte am Sonntag, dort fadenscheinig begründete Aktionen.

Soll in einer Kommune ein verkaufsoffener Sonntag genehmigt werden, "dann müssen die Kirchen und Gewerkschaften immer gehört werden", betont König. Das geschehe bisweilen nicht, weil das viele Stadt- und Gemeinderäte "gar nicht wissen". Seine Gewerkschaft denke in solchen Fällen über Klagen gegen Gemeinden nach. In Forchheim geht der Disput schon in diese Richtung: Dort will Verdi gerichtlich gegen drei von vier geplanten Verkaufssonntagen vorgehen.

König zufolge gibt es in Unterfranken im Schnitt pro Jahr 230 Aktionen im Stile von verkaufsoffenen Sonntagen - die meisten in Bayern. Doch das sei alles nur eine Verlagerung des Umsatzes: Auf verkaufsoffene Sonntage folgten oft umsatzschwache Tage, gewonnen sei also nichts. Unterm Strich gehe es Verdi um den Schutz der Arbeitnehmer und des Sonntags als Tag der Ruhe. Dass die Geschäfte montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr verkaufen dürfen, reiche völlig aus. "Verhungert ist deswegen noch niemand."


Handel gegen Koppelung

"Auch der Einzelhandel ist für den Schutz des Sonntags", sagt HBE-Sprecher Bernd Ohlmann (München) auf Anfrage. Vielmehr kritisiert er die gesetzlich vorgeschriebene Koppelung eines verkaufsoffenen Sonntags mit einem Anlass wie einer Messe oder einem Markt. Das sei zu sperrig. Auch sollte in Bayern der erste Adventssonntag vor allem in Grenznähe generell verkaufsoffen sein, weil er als besonders umsatzstark gilt und um die Abwanderung von Kunden in Nachbarländer zu verhindern. Ohlmann will erfahren haben, dass die Belegschaft in Bayerns Geschäften grundsätzlich nichts gegen Arbeit an Sonntagen habe. So oder so: "Verkaufsoffene Sonntage sind nicht der Untergang des Abendlandes."