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Köln
Völlig enthemmt und gewaltvoll

Silvester: Massenhaft sexuelle Übergriffe am Bahnhof in Köln

In der Silvesternacht sind rund um den Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen massiv sexuell belästigt und ausgeraubt worden. Bisher liegen über 60 Anzeigen vor. Dienstag Krisentreffen geplant. Fälle auch in Hamburg und Stuttgart.
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Symbolbild: Oliver Berg/dpa
Symbolbild: Oliver Berg/dpa


Update am 05.01.2016 um 9 Uhr

Wie mehrere Hamburger Tageszeitungen berichten, soll es auch in dem Stadtstaat zu sexuellen Übergriffen von Männer-Gruppen auf Frauen gekommen sein. Auf der Reeperbahn hätten die zwischen 15 und 20 Jahre alten Täter junge Frauen belästigt, begrapscht und ausgeraubt. Das habe die Hamburger Polzei bestätigt, bei der seit Silvester sechs Anzeigen eingegangen seien. Aus Stuttgart gibt es ähnliche Meldungen. Wie focus online berichtet, sind zwei 18-jährige Frauen in der Silvesternacht auf dem Schlossplatz von etwa 15 Männern umringt worden. Passanten und ein Türsteher sollen Schlimmeres verhindert haben.
 


Update am 05.01.2016 um 7 Uhr

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat für Dienstag ein Krisentreffen zu den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof angesetzt. Daran teilnehmen sollen unter anderem die Kölner Polizei, die Bundespolizei und Stadtdirektor Guido Kahlen.




Update am 04.01.2016 um 17:15 Uhr
Polizeipräsident Wolfgang Albers

Als "Straftaten einer völlig neuen Dimension" hat Polizeipräsident Wolfgang Albers vielfache Übergriffe auf Frauen rund um den Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht bezeichnet. "Es ist ein unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden", sagte er am Montag.

Am Silvesterabend versammelten sich auf dem Bahnhofsvorplatz nach den Worten des Polizeipräsidenten etwa 1000 Männer, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen. Dies hätten alle Zeugen übereinstimmend ausgesagt. Ähnlich hatten sich die Polizei und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zuvor in Pressemitteilungen geäußert. Aus der Menge hätten sich Gruppen von mehreren Männern gebildet, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt hätten. Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung.

Der Polizei lagen bis Montag 60 Anzeigen vor, darunter auch Diebstähle von Taschen, Handys und Geldbörsen. Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher noch nicht gemeldet haben. Die Polizei hatte die Ansammlung auf dem Bahnhofsplatz nach eigener Darstellung beobachtet und den Platz schließlich vorrübergehend räumen lassen, weil Böller in die Menge geworfen wurden - der vielfache Missbrauch sei den Beamten zunächst aber nicht aufgefallen.
 


Meldung vom 04.01.2016 um 15:30 Uhr
Ermittlungsgruppe gegründet

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen und den Raubüberfällen am Hauptbahnhof in der Silvesternacht ein Krisentreffen für Dienstag anberaumt. Die Vorfälle seien "ungeheuerlich".

Das sagte Reker dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kommen, Angst haben müssten, überfallen zu werden. "Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht", so Reker. Polizei und Bundespolizei seien "dringend gefordert". In einem Telefonat mit dem Polizeipräsidenten habe sie kurzfristig für Dienstag einen Termin vereinbart.

Bei dem Treffen werden außerdem der leitende Polizeidirektor, ein Vertreter der Bundespolizei, der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen und der Leiter des städtischen Ordnungsamts teilnehmen. Man wolle Maßnahmen vereinbaren, die "insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen schützen". Möglicherweise müsse man auch die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausweiten.
 


Gruppe ging gezielt auf junge Frauen los

Nach einer Reihe von Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht hat die Kölner Polizei eine eigene Ermittlungsgruppe aufgestellt. Knapp 30 Betroffene hätten sich bereits gemeldet und von ähnlichen Vorfällen im Getümmel rund um den Dom und am Bahnhof berichtet, teilten die Beamten mit. Die Frauen seien von mehreren Männern umzingelt und angefasst worden. Zum Teil sei das zur Ablenkung geschehen, um Geldbörsen und Handys zu stehlen. In einigen Fällen seien die Frauen aber auch unsittlich berührt worden. Die Größe der Männergruppe habe nach Zeugenaussagen zwischen zwei und 20 Personen geschwankt. Die Polizei will nun unter anderem im großen Umfang Videoaufnahmen auswerten.

In der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs wurden zwischenzeitlich fünf Männer festgenommen, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Derzeit werde geprüft, ob sie auch für die Reihe ähnlicher Übergriffe in der Silvesternacht verantwortlich sind.
 


Gewerkschaft der Polizei entsetzt

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich entsetzt über die Übergriffe auf Frauen rund um den Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht. "Das ist eine völlig neue Dimension der Gewalt. So etwas kennen wir bisher nicht", sagte der NRW-Landesvorsitzende der GdP, Arnold Plickert. Die stark alkoholisierten Täter seien "völlig enthemmt gewaltvoll" vorgegangen. "Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst", berichtete Plickert. Bei den am Einsatz beteiligten Polizeibeamten herrsche eine "tiefe Betroffenheit".