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Fernsehen

Sherlock-Autoren: "Es ist einfach Liebe"

Dass man die Abenteuer des Meisterdetektivs Sherlock Holmes in die Moderne verpflanzen kann, beweist die britische Serie "Sherlock". Die beiden Autoren erfüllten sich damit einen Jugendtraum - und bescherten der BBC einen Quotenerfolg. Die dritte Staffel kommt an Pfingsten zu uns.
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Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, links) und John Watson (Martin Freeman) vor der berühmten Adresse in der Londoner Baker Street. Foto: Hartswood Film/BBC
Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, links) und John Watson (Martin Freeman) vor der berühmten Adresse in der Londoner Baker Street. Foto: Hartswood Film/BBC
Am Anfang war die Liebe. Die Liebe, die die beiden britischen Filmemacher Steven Moffat und Mark Gatiss für die Geschichten rund um Sherlock Holmes seit ihrer Jugendzeit hegen - und die zu einem der größten Fernseherfolge in Großbritannien wurden. Die erste Folge der dritten Staffel, die zum Jahreswechsel in der BBC liefen, sahen 9,2 Millionen - nicht mitgerechnet sind die zahllosen Fans, die die Folgen im Internet sahen. In Deutschland laufen die beiden ersten Folgen der neuen Staffel am 8. und 9. Juni in der ARD.

Einfach genial

Dass die Idee, den leicht autistischen, aber genialen Meisterdetektiv in unsere heutige Zeit zu verpflanzen, auf ein solch riesiges Interesse stoßen würde, konnte niemand ahnen. "Es ist einfach Liebe", betonen beide Macher immer wieder und verweisen darauf, dass ihr Sherlock des 21. Jahrhunderts keinesfalls das Erbe Sir Arthur Conan Doyles verleugne. Ganz im Gegenteil. In dessen ursprünglichen Geschichten, die natürlich im viktorianischen London mit seinen Gehröcken, den Gaslaternen und dem berüchtigten Nebel spielen, standen und stehen aber immer die spannenden Abenteuer Sherlock Holmes' im Mittelpunkt, der seine Fälle vor allem mit seinen genialen geistigen Fähigkeiten - und unter Mithilfe seines Biografen John Watson löst. Der eigentliche Kern der Detektivgeschichten sind die beiden Hauptfiguren und ihre ungewöhnliche Freundschaft. "Im Mittelpunkt standen immer brillante Entdeckungen, furchterregende Bösewichte und blutrünstige Verbrechen. Um es mal ganz offen zu sagen: Zum Teufel mit der Krinoline. Andere Detektive haben Fälle, Sherlock Holmes hat Abenteuer und nur das ist wirklich wichtig", sagt Steven Moffat unter anderem im Interview in "Sherlock unlocked", das auf den DVDs zur zweiten Staffel zu sehen ist.
So wichtig, dass er zusammen mit seinem Co-Autor und langjährigem Freund Mark Gatiss beschloss, Sherlock Holmes in unsere Zeit zu verpflanzen und wie in einem Experiment zu untersuchen, was dieses Genie in einer modernen Umgebung machen würde. Und so bekommen die Fernsehzuschauer nicht nur einen Sherlock Holmes zu sehen, der im Internet surft, SMS schreibt und sein iPhone als Nachrichtenquelle nutzt.

Mit Nikotinpflaster gegen die Sucht

Dieser Sherlock Holmes versucht sich das Rauchen mit Nikotinpflastern abzugewöhnen, nutzt die Küche als Labor (und deponiert schon mal einen abgetrennten menschlichen Kopf im Kühlschrank), schießt aus Langeweile auf einen Smiley, das er an die Wand gemalt hat und schaut Fernsehen (das er mit Vorliebe korrigiert).
Dass er sich mit dem Arzt und traumatisierten Afghanistan-Veteran John Watson eine Wohnung teilt, gibt immer wieder Anlass zu Spekulationen ob die beiden Männer nicht doch ein Paar sind. Schließlich sind Sherlock Holmes und John Watson junge Männer Ende 30, Anfang 40, so jung wie sie noch nie in einer Verfilmung vorher waren.
Was diese britische Serie, dessen einstündiger Pilotfilm von der BBC abgelehnt wurde, weil der Sender stattdessen drei 90-minütige Folgen haben wollte, beispielsweise von der amerikanischen Serie "Elementary" unterscheidet, ist der Bezug zu Arthur Conan Doyles Werken, der weit über die Namensgleichheit der Helden und der berühmten Adresse in der Londoner Baker Street 221B hinaus geht. "Doyle und Sherlock Holmes haben ziemlich viele Dinge erfunden, die wir für selbstverständlich halten - gerade was die kriminalistische Forensik betrifft. Deshalb konnten wir nicht einfach so tun, als würde es das alles nicht geben. Also lassen wir die Polizei sich um diese ganzen Dinge kümmern. Denn Sherlock Holmes ist immer noch der einzige Mann, der diese Logik und dieses unglaubliche Gehirn hat. Das ist geheimnisvoll und faszinierend", sagt Gatiss ("Unlocking Sherlock", BBC, 1. Staffel, DVD).
So faszinierend wie der Detektiv für die zeitgenössischen Leser gewesen sein muss, so faszinierend ist es für den Fernsehzuschauer, Sherlock heute zu erleben und Doyles Zitate (wieder) zu erkennen.


Sherlock Holmes

Leben Als Geburtsdatum wird von Fans der 6. Januar 1854 angenommen. Der "Consulting Detective" arbeitet zwischen 1881 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Der starke Raucher spritzt sich regelmäßig Kokain und Morphium. Seine Tätigkeit führt ihn auch zu Abenteuern auf dem europäischen Kontinent.

Autor Sir Arthur Conan Doyle schrieb 56 Kurzgeschichten und vier Romane - um damit Geld zu verdienen. Zu seiner Figur pflegte er Zeit seines Lebens eine Hassliebe und ließ ihn in die Reich en bachfälle hinabstürzen, zum Entsetzen der Leser, die Trauerflor trugen und Doyle solange bedrängten, bis er Holmes wieder auferstehen ließ.

Werke Sämtliche Sherlock-Holmes-Geschichten sind auf Deutsch im Insel Verlag erschienen. Wer sie im englischen Original lesen möchte, findet zahlreiche Ausgaben, darunter auch sehr günstige E-Books. pb


Als produzierender Sender ist die Sherlock-Seite der BBCimmer einen Blick wert.



DieARD hat auch eine Sherlock-Seite inklusive der Sendedaten eingerichtet.


Die Zitate stammen aus englischsprachigen Interviews, die als Extras auf den Original-DVDs der jeweiligen Staffel zu finden sind. Alle Übersetzungen: pb