In Nordkorea gibt es nach Angaben der südkoreanischen Regierung Anzeichen für einen bevorstehenden weiteren Atomtest. Das sagte Vereinigungsminister Ryoo Kihl-jae am Montag bei einem Treffen mit Parlamentsabgeordneten in Seoul, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Ein Abgeordneter hatte den Minister demnach auf Medienberichte angesprochen, wonach auf dem nordkoreanischen Atomtestgelände in Punggye-ri erhöhte Aktivitäten zu beobachten seien. Man wisse von Hinweisen, dass ein weiterer Test in Planung ist, sagte Ryoo. Einzelheiten nannte er nicht.

Die südkoreanische Zeitung "JoongAng Ilbo" hatte zuvor unter Berufung auf einen hochrangigen Regierungsbeamten in Seoul berichtet, dass in Punggye-ri erhöhte Aktivitäten von Personen und Fahrzeugen beobachtet worden seien.
Ähnliche Aktivitäten habe es auch vor dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar gegeben.

Unklar sei, ob die Aktivitäten tatsächlich Vorbereitungen zu einem neuen Nukleartest seien oder dazu dienten, die USA bewusst in die Irre zu leiten, um dadurch den Druck auf Washington und Seoul zu erhöhen. Militärs in Südkorea bestätigten laut der Zeitung zudem, dass Nordkorea wahrscheinlich den Start einer Mittelstreckenrakete von einer mobilen Raketenstartrampe an der Ostküste vorbereite.

Nach immer neuen Kriegsdrohungen aus Nordkorea und um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, hatte die US-Regierung am Wochenende einen für diesen Dienstag geplanten Test einer Interkontinentalrakete verschoben. Der lange geplante Start der Rakete vom Typ Minuteman III habe nichts mit Korea zu tun, aber die USA hätten sich wegen der jüngsten Spannungen auf der koreanischen Halbinsel für die Verschiebung entschieden, sagte ein hoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums nach Angaben des US-Senders CNN.

Südkorea drohte dem kommunistischen Regime in Pjöngjang im Falle eines Angriffs mit schwerer Vergeltung. "Wenn ein lokaler Krieg ausbricht, muss Nordkorea mit schwerer Vergeltung rechnen", sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Kim Jang Soo, am Sonntag.

China zeigte sich "ernsthaft besorgt" über die jüngste Eskalation der Korea-Krise und forderte alle Beteiligten zum Dialog auf. Das Außenministerium in Peking erklärte, man sei gegen "provozierende Worte und Taten von irgendeiner Partei".

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte sich seit dem letzten Atomtest im Februar zugespitzt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt und den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg. dpa