Ministerpräsident Horst Seehofer als "irrer Iwan", sein Herausforderer Christian Ude als "Traumschiffkapitän" weit weg, hinterm Kap der guten Hoffnung: Die Kabarettistin Luise Kinseher als "Mama Bavaria" teilt in diesem Jahr kräftig aus auf dem Münchner Nockherberg. Kaum ein Spitzenpolitiker aus München oder Berlin kommt im Bundes- und Landtagswahljahr beim Starkbieranstich ungeschoren davon.

Vor allem auf Seehofer - direkt vom Besuch beim scheidenden Papst aus Rom eingetroffen - hat es Kinseher beim Politiker-Derblecken abgesehen. Mit Benedikt XVI. trete ja "der wichtigste Bayer der Welt zurück". "Dann ist es vorbei! Dann waren wir mal Papst! Dann haben wir nur noch Horst Seehofer!"

Kinseher spottet über Seehofers Wendemanöver, die von der russischen U-Boot-Marine erfunden worden seien. "Die machen das schon lang: die schnelle 180-Grad-Wende, um zu sehen, ob im toten Winkel nicht ein Feind lauert. Im Original heißt das: Der irre Iwan." Selbst in der CSU könnten sich viele im strudelnden Kielwasser des Ministerpräsidenten kaum mehr halten, lästert "Mama Bavaria": "Da gibt's einige, die plötzlich meinen, sie sind in der SPD."

Und sie spottet, Seehofer spiele ja jetzt nicht mehr mit seiner Eisenbahn - sondern "Schifferlversenken": "Er macht Horst, den Zerstörer. Leider hat er ein paar Geschütze nach innen montiert", lästert Kinseher nach den Verbalattacken Seehofers auf CSU-Politiker, mit denen er im vergangenen Dezember für Schlagzeilen gesorgt hatte. "Der jagt schnell mal seinen eigenen Laden in die Luft." Gefolgt werde er übrigens von Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), "dem Schlauchboot, bei dem hinten ganz langsam die Luft entweicht".

Aber auch auf Ude hat es "Mama Bavaria" abgesehen. "Ich sage nicht, dass Du am Verglühen bist - aber von Leuchten kann man auch nicht reden", höhnt sie angesichts der wenig berauschenden Umfragewerte für die SPD. "Der Christian beweist uns die Demut und Bescheidenheit der bayerischen Sozialdemokratie, die mit einer einzigen Wunderkerze ein großes Feuerwerk verspricht."


Beleidigt, entehrt und gedemütigt

Kinsehers Rede ist ein bissiger Rundumschlag. "Ilse Aigner, die bayerische Dirndl-Ikone. Brüderle würde sagen: Hauptsache, die Füllung stimmt", spottet sie. Über die FDP: "Ich glaub ja ehrlich gesagt, dass sich Wahlkampf für die FDP gar nicht mehr rentiert." Oder über die Grünen: "Die Grünen wechseln ihr Spitzenpersonal öfters wie Horst Seehofer seine Meinung."

Auch die teils anwesenden, teils nicht-anwesenden Bundespolitiker hat Kinseher im Visier. "Der Herr Steinbrück ist ja nicht gekommen. Dem war die Antrittsgage zu gering", lästert sie über den SPD-Kanzlerkandidaten. Oder über Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU): "Ein Mann, der sagt, was er denkt. Drum sagt er so wenig." Über Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU): "Für mich bist du der bestaussehende Verwalter offizieller Ahnungslosigkeit, den wir haben."

Das anschließende Singspiel ist diesmal wieder ein echtes Theaterstück - mit Marcus Rosenmüller als Regisseur. Da dürfen Ude, Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger munter über eine Koalition diskutieren. Und die CSU-Kronprinzen und -prinzessinnen den Putsch gegen Seehofer planen. Heimlicher Star ist wie in den vergangenen Jahren das Double von Markus Söder, der nach Seehofers Verbalattacken im Dezember jammern darf, er sei "beleidigt, entehrt und gedemütigt worden".

Seehofer, Ude & Co. reagieren anschließend nicht nur pflichtschuldig amüsiert - nein, sie wirken ehrlich begeistert.